Vor allem Jugendliche beteiligen sich an rassistisch motivierter Gewalt in Russland
Schon vor zwei Jahren warnte „Amnesty International“ (AI) vor ansteigendem Rassismus in Russland. Im gesamten Jahr 2006 wurden 28 Tote bei rassistischen Übergriffen gezählt, seit Jahresbeginn 2007 zählte das russische Informations- und Analysezentrum „Sowa” bereits 34 Tote und über 280 Verletzte. Das entspricht einem Anstieg von rund zwanzig Prozent. Das kürzlich aufgetauchte Video, das die „Hinrichtung eines Tadschiken und eines Dagis” zeigen soll, bildet den Höhepunkt einer Reihen von Vorfällen.
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Steigende Brutalität
Eine kürzlich veröffentlichte Umfrage der „Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde” (DGO) zeigt eine steigende Abneigung gegenüber den Bewohnern ehemaliger Länder der Sowjetunion. Am meisten betroffen von diesen Anfeindungen sind demnach Personen aus dem Belarus (Weißrussland), Tschetschenien, Turkmenistan, dem Kaukasus, den restlichen zentralasiatischen Republiken sowie zusätzlich noch Afrikaner und Asiaten. Dem gegenüber stehen Westeuropäer und Amerikaner, denen Russen recht freundlich begegnen. Schuld an der Abneigung gegenüber Tschetschenen ist die „Putin-Ära”, die Bewohner des an Russland grenzenden Landes als potenzielles Terroristen darstellt.
Augen zu und durch
Der ansteigenden Fremdenfeindlichkeit, wird von offizieller Seite nichts entgegengesetzt. Offene Unterstützung gibt es vor allem in der Politik, etwa in Form der „Nationalsozialistischen Partei Russlands” (NSPR), denen auch das Hinrichtungs-Video zu Lasten gelegt wird. In Teilen der Exekutive und der Politik finden sich ebenso offen Anfeindungen. Rassistisch motivierte Verbrechen enden meist in Freisprüchen oder Bewährungsstrafen. Diese werden dann mit dem mildernden „Rowdytum” begründet.
Jung und oft brutal
Umfragen zufolge teilen rund sechzig Prozent der Russen fremdenfeindliche Ansichten. Erschreckend aber ist die Tatsache, dass sich viele Jugendliche von rassistischen oder nationalsozialistischen Slogans beeindrucken lassen. „Sowa” berichtet von 60.000 bis 70.000 vorwiegend junger Neofaschisten, das entspricht einer Zunahme von fast zweihundert Prozent gegenüber dem Vorjahr. Galina Koschewnikowa von „Sowa” nennt die Gründe dafür in der geringen Hemmschwelle, wenn es um Gewalttaten geht. Die Aussichten für ein rassistisches Verbrechen ins Gefängnis gehen, sind gleich null. Außerdem findet sich in Russland eine sehr gut organisierte und verbreitete Skinhead-Presse, die sich vorwiegend auf Jugendliche spezialisiert. Überall wo es Zeitschriften gibt, könne man Blätter kaufen, die schon durch den Titel auffallen: „Weißer Widerstand” etwa, oder das internationale Blatt „Streetfighter”, das sich in Russland bestens verkauft.
Düstere Aussichten
Es wird befürchtet, dass sich in nächster Zukunft an der rassistisch motivierten Gewalt nichts ändern wird. Dafür wäre eine klare Position der öffentlichen Behörden von Nöten, wenn es um solche Verbrechen geht. Zwar kommt es von Zeit zu Zeit zu Verurteilungen, allerdings bleiben diese stets Einzelphänomene. Solange es in Russland keine flächendeckende und funktionierende Rechtssprechung in Sachen „rassistische Verbrechen” gibt, dürften gewalttätige Videos, wie jenes das kürzlich aufgetaucht ist, keine Einzelheit bleiben.
Links dazu ...
Externer Link Umfrage der DGO
Externer Link Sova Center Moskau (Englisch)
