„Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders“ – Neu im Kino
Die Menge tobt, sie verlangt nach Blut und ist gewillt sich dieses auch gegen den Willen des Gesetzes zu verschaffen. Der wütende Mob dürstet nach Rache - für die ermordeten Frauen, für die Tatsache, dass er sie so lange in Angst und Schrecken versetzt hat. Doch während Jean-Baptiste Grenouille, das Monster in Menschengestalt, vorgeführt und das über ihn verhängte Todesurteil verlesen wird, blickt er teilnahmslos auf die Menschen hinab.
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Der Produzent ist der Star
„Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders“ von Patrick Süskind ist einer der erfolgreichsten Romane in der deutschen Literaturgeschichte. Grund genug für Starproduzent Bernd Eichinger, sich der Verfilmung anzunehmen. Der umtriebige Produzent hat bereits einschlägige Erfahrung und sich vor allem in achtziger Jahren mit Literaturverfilmungen beschäftigt. Ob „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhofszoo“ (1981), „Die Unendliche Geschichte“ (1984) oder „Der Name der Rose“ – um die bekanntesten und erfolgreichsten zu nennen –, Eichinger scheute nie vor großen internationalen Projekten zurück und griff auch gerne mal selbst in die Drehbuchversion ein.
In den letzten zwei Jahren konnte der Deutsche wieder an diese Zeit des internationalen Lobes und finanziellen Erfolgs anknüpfen. Ob das oscarnominierte Hitler-Drama „Der Untergang“ oder die heftig diskutierte Adaption von Michelle Houellebecqs Skandalroman „Elementarteilchen“, Eichinger positioniert sich erneut als wichtiger Faktor in der europäischen Filmszene mit Einfluss in Hollywood. Es ist dieser Eichinger-Faktor der die Verfilmung von „Das Parfum“ ermöglicht hat und pompös über dem Endergebnis thront.
Kino der Gerüche
Dies sagt natürlich mehr über die Begleitumstände als über den Film an sich aus, der mit Produktionskosten von 50 Millionen Euro als teuerste Produktion der deutschen Filmgeschichte gilt. Da überschatten diese Nebengeräusche immer ein wenig das eigentliche Objekt des Interesses. Dabei wären die Voraussetzungen gegeben, um einen beeindruckenden Film abzuliefern. Regisseur Tom Tykwer gilt seit „Lola rennt“ als visuell versierter Erzähler von Konventionen überschreitender Romanzen. Dazu kamen noch die Hollywood-Stars Dustin Hoffman und Alan Rickman in Schlüsselrollen.
Doch natürlich muss sich die Inszenierung auf zwei Faktoren konzentrieren und dies sind Hauptfigur Jean-Baptiste Grenouille – dargestellt vom englischen Jungdarsteller Ben Whishaw („Enduring Love“) – und dessen übernatürlicher Geruchssinn, der Elend über die Menschen bringt, die ihm begegnen. Die Visualisierung dieser Welt der Gerüche ist ein bekannt schweres Unterfangen. Tykwer nimmt sich der Sache mit kinematographischer Routine an.
Der gelesene Film
Dabei beginnt alles viel versprechend. Im Paris des Jahres 1738 wird Jean-Baptiste von seiner Mutter im Schmutz und Abfall eines Fischmarkts geboren. Während für seine Mutter zunächst alles nach einer weiteren Todgeburt aussieht, erwachen der Geist und vor allem der Geruchssinn Jean-Baptistes zu Leben. Eine nervös geschnittene Sequenz vermittelt die Liebe zum historischen Detail und gibt eine Ahnung der Gerüche und des Schmutzes, die der kleine Junge wahrnimmt.
In diesen Details vermag Tykwer die Stärke der Romanvorlage auf die Leinwand übertragen zu können, wenngleich sich diese hektische Visualisierung der Gerüche sehr bald als ermüdende Wiederholung herausstellt. Doch gelingen diese nur solange, wie Tykwer seinen eigenen Fähigkeiten vertraut und nicht auf der Suche nach einem Massenpublikum Kompromisse schließt, die sich negativ auswirken. Einer davon – der wohl auch auf die Kappe von Drehbuchautor/Produzent Bernd Eichinger geht – ist der Einsatz eines Erzählers. Als ob die Szenen, für sich alleine nicht stehen könnten und dem Buch bis auf den letzten Buchstaben die Treue gehalten werden müsste, erklärt die Filmversion von „Das Parfum“ sich ohne Unterlass dem Publikum.
Da verwundert es auch nicht, wenn die „Lehrzeit“ Grenouilles beim Parfumeur Guiseppe Baldini – Dustin Hoffman in einer wunderbar ironischen Darbietung des gealterten Parfum-Meisters – zu den besten Abschnitten des Filmes zählt. Vor allem, da Tykwer zumindest hier, auf den Erzähler verzichtet.
Der Fluch des Kompromisses
Die kleinen Änderungen gegenüber der Vorlage sind vernachlässigbar. Wirklich ärgerlich ist die über dem gesamten Projekt schwebende Aura des Konservatismus, die geradezu einer lähmenden Angst ähnelt. Der prominenten Besetzung und glänzenden Oberfläche zum Trotz, wirkt „Das Parfum“ aufgrund seiner ambitionslosen Erzählweise wie eine Fernsehproduktion, die mehr zum Lesen des Romans anstachelt als zur neuerlichen Gang ins Kino.
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