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„Eine Klaviatur der überzogenen Vorwürfe“

Das letzte Abendmahl [br]als Zankapfel ...
Das letzte Abendmahl
als Zankapfel ...
... zwischen Fakt und Fiktion
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Das Opus Dei und seine Rolle im „Sakrileg“

CHiLLi: „Wenn der Sekretär der päpstlichen Glaubenskongregation, Monsignor Angelo Amato, zum Boykott des Films und zur Ergreifung von rechtlichen Mitteln aufruft, wird dann nicht die Wirkung einer fiktiven Geschichte überschätzt?“
Christoph Tölg: „Ich würde sagen, Boykott und ähnliches sind sicher verschiedene Möglichkeiten der Reaktion auf etwas, dass nicht der eigenen Überzeugung entspricht. ‚Opus Dei’ reagiert allerdings nicht mit Empörung. Wir wollen nicht bei der persönlichen Befindlichkeit stehen bleiben, die sich im ersten Schritt erzürnt, sondern zum zweiten Schritt kommen, der darin besteht, das Gute bekannt zu machen.“

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CHiLLi: „Dan Brown erklärt, er hätte sich um eine ausgewogene und faire Darstellung des ‚Opus Dei’ bemüht. Wie sehr stimmen sie dem zu?“
Christoph Tölg: „Ich kann das jetzt nicht mit absoluter Sicherheit sagen, aber soweit ich gehört habe, hat Dan Brown mit keinem Mitglied des ‚Opus Dei’ – ausgenommen sind bereits ausgetretene – ein Gespräch geführt. Was er in seinem Buch anspricht, würde ich als Klaviatur der überzogenen Vorwürfe bezeichnen, die da zusammengefasst werden und aus einer Übersteigerung entstanden sind. Manches an Einzelheiten könnte man als unangemessen bezeichnen, da der gesamte Roman eine ablehnende Haltung hat.“

„Von der Lektüre des Buches her hatte ich den Eindruck, dass am Anfang ein paar Dinge aufgegriffen werden, die er im Kritikerkreis recherchiert hat. Er bleibt aber auf der Vorwurfsebene stehen. In der weiteren Folge des Buches kommen dann diese Verschwörungstheorien zum Zug, die von dem Autorentrio Baigent, Leigh und Lincoln in den achtziger Jahren verfasst wurde und von Brown anscheinend übernommen wurde.“

CHiLLi: „Wie steht es mit Ritualen wie der Selbstgeißelung und dem Tragen eines Bußgürtels?“
Christoph Tölg: „Was da dargestellt wird, entspricht der Logik des Horror-Genres und dessen Klischees. Damit hat das ‚Opus Dei’ aber nichts zu tun, davon kann man sich nur distanzieren. In der katholischen Kirche gab es aber immer auf die eine oder andere Weise Formen der Buße, um sich mit Jesus Christus, der für uns gelitten hat, in Liebe zu verbinden. Bekannte Heilige wie Franz von Assisi oder Mutter Teresa von Kalkutta vollführten solche Praktiken. Das ‚Opus Dei’ schließt das als Tradition der Kirche nicht aus, aber das Normale ist für ein Mitglied des ‚Opus Dei’ – da es sich ja zumeist um Männer und Frauen im Berufsleben handelt –, sich mit den Schwierigkeiten des Alltags auseinander zu setzen. Diese gewöhnlichen Schwierigkeiten des Lebens als Buße zu nehmen, das ist für das ‚Opus Dei’ typisch.“

CHiLLi: „Zuvor haben wir über ein religiöses Vakuum gesprochen, in das Bücher wie ‚Sakrileg’ hinein gelangten und zum Erfolg wurden. Ist dieser Weg, der Verwirklichung im Privatleben, der Weg des ‚Opus Dei’, um das Vakuum wieder zu füllen?“
Christoph Tölg: „Vielleicht muss man da differenzieren. Ich würde das als ein Phänomen der westlichen Welt bezeichnen. Wir hatten eine Christianisierung vor Jahrhunderten erfahren und da ist im Laufe der Zeit doch ein Vakuum entstanden. Während in anderen Zonen der Welt das religiöse Leben viel stärker ist. Das Buch kommt ja aus dem angelsächsischen Raum und da sieht man anhand der Statistiken, dass das religiöse Leben ein wenig ad acta gelegt wurde.“

CHiLLi: „Eine grundsätzliche Frage zur ideologischen Ausrichtung des ‚Opus Dei’: Welche Positionen nimmt die Organisation in Fragen der Sexualität ein?“
Christoph Tölg: „Diese Frage ist für mich am einfachsten zu beantworten, denn das ‚Opus Dei’ hat da keine andere Haltung als das Lehramt der katholischen Kirche. Das Ziel des ‚Opus Dei’ ist eben nicht, in der Kirche eine eigene Position, zu dogmatischen oder ethischen Fragen zu haben. Es will eine Hilfe sein, damit sich jeder seine Meinung bildet. Das ‚Opus Dei’ sagt: Bilde dir deine Meinung entsprechend den Menschenrechten und den Lehren der Kirche. Das ist für einen Christen die Vorgabe. Zu den angesprochenen Fragen verweist das ‚Opus Dei’ nur auf Lehrentscheidungen der katholischen Kirche.“

CHiLLi: „Angeblich will Papst Benedikt XVI. Kondome für HIV-Infizierte erlauben.“
Christoph Tölg: „Ja, dies wurde in letzter Zeit in den Medien kolportiert. Jetzt gab es wieder eine Meldung, der heilige Vater wird keine Kommission zur Überprüfung dieser Frage einsetzen und seine grundsätzliche Meinung nicht ändern. Das waren offenbar nur Interpretationen.“

CHiLLi: „Abschließende Frage: Werden Sie sich den Film ansehen?“
Christoph Tölg: „Da ich gewissermaßen beruflich jetzt sehr viel damit zu tun habe, werde ich mir – wenn ich Gelegenheit dazu habe – den Film ansehen. Sonst hätte ich wohl weder dem Buch noch dem Film allzu große Aufmerksamkeit beigemessen.“

Zurück zum ersten Teil …

 „Viele Christen fühlen sich verletzt
Passend dazu …

 Kommentar Der Code wird geknackt
 Gregor Jansen: „Ich verstehe ‚Opus Dei’“
 Hintergrund: Die Gerüchteküche tobt
 Kommentar Aufgeblättert: „Sakrileg“
 Kommentar Kommentar: Jessas, Maria und Josef
 Gewinnspiel Info Gewinne eines von drei „Sakrileg“-Kartenspielen
Link dazu …

 Externer Link Opus Dei

Interview führte Patrick Dorner > [ Mail ]

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