„Krieg der Welten“ – Neu im Kino
Eine Pressevorführung, wie sie selten gesehen wurde. Da unterschreiben Journalisten, keine Rezension vor dem offiziellen Kinostart zu publizieren, da muss das Handy abgegeben werden und Armbinden werden verteilt, als wäre es ein unüberblickbares Festival. Viel Lärm wird im Vorfeld um „Krieg der Welten“ erzeugt, doch leider …
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Viel Lärm um Nichts
Steven Spielberg, das einstige Kino-Wunderkind – schließlich inszenierte er bereits im zarten Alter von elf Jahren seine ersten Werke – findet sich im neuen Jahrtausend offenbar nicht wirklich zurecht. Seine Bearbeitung eines von Stanley Kubrick erarbeiteten Stoffes („A.I. – Künstliche Intelligenz“) geriet zur verkitschten Farce. Die Gauner-Komödie „Catch Me If You Can“ war streckenweise äußerst gelungen, war dann aber doch schlicht und ergreifend zu lang und die Flughafen-Romanze „The Terminal“ konnte noch nicht einmal Allerwelts-Liebling Tom Hanks retten.
Dazwischen lag der Kritiker- und Publikums-Erfolg „Minority Report“. Ein effektvoller Science-Fiction-Thriller mit Tiefenschärfe und die erste Zusammenarbeit mit Tom Cruise. Da ein vierter Teil von „Indiana Jones“ immer wieder verschoben wurde – und hoffentlich niemals realisiert wird – ergab sich die günstige Gelegenheit für die beiden großen Hollywood-Stars, ein Remake des berühmt-berüchtigten Romans von H.G. Wells zu inszenieren. Der „Krieg der Welten“ soll den beiden Kollaborateuren viel Geld einbringen und für Spielberg vor allem ein Weg aus einer diffusen Schaffens-Krise sein.
Lebt der alte Bela Lugosi noch?
Der neueste Streich von Meister Spielberg beginnt noch recht reizvoll, wie ein B-Movie großer Kategorie, es erinnert ein wenig an das wunderbar hanebüchene Kevin Costner-Abenteuer „Waterworld“. Steht dem Rezipienten gar ein wunderbar verspieltes Science-Fiction-Märchen bevor? Der bedeutungsschwangere Kommentar, der Erinnerungen an die Monologe eines Bela Lugosi in seinen denkwürdigen Auftritten in Ed Woods Meisterwerken hervorruft, gibt scheinbar genügend Nahrung für diese Vermutung.
Doch spätestens wenn Tom Cruise als Kranfahrer Ray Ferrier auftritt ist die Hoffnung zunichte gemacht worden. Der martialische Score von John Williams ist in den ersten Minuten aufdringlich genug, steigert sich im Laufe des Films entsprechend und Cruise versucht nunmehr verzweifelt einen Charakter zu erschaffen, den ihm das indiskutable Drehbuch ganz und gar vorenthält.
Ein überforderter Superheld
Denn Ray Ferrier hat ganz andere Probleme, personifiziert durch die beiden Kinder aus seiner ersten Ehe, den pubertierende Robbie (Justin Chatwin – „Taking Lives“) und die altkluge Rachel (Dakota Fanning – „Mann unter Feuer“). Das gemeinsame Wochenende zeigt die persönlichen Grenzen des Vaters Ray und im Angesicht der bald darauf stattfindenden Invasion marsianischer Kampf-Einheiten, zeigen sich noch ganz andere Grenzen, wenngleich diese beim Team hinter der Kamera zu suchen sind.
Vor allem das Drehbuch lässt alle Logik links liegen und der Kranfahrer Ray entpuppt sich als Wunderwuzzi der Apokalypse mit geradezu prophetischen Fähigkeiten, was die Auswahl diverser Standorte angeht, um die Angriffe zu überleben.
Ein Roman, sie alle zu binden
Über den Rest des Geschehens möge der Mantel des Schweigens gehüllt werden. Es reicht eigentlich der Hinweis, nochmals Roland Emmerichs „Independence Day“ anzusehen und sich dabei zu amüsieren. Was dem Hollywood-Deutschen noch gelang und trotz geradezu präpotenter US-Militär-Verherrlichung unterhalten konnte, wirkt bei Spielberg wie ein unlogischer und vor allem verzichtbarer Teil eines Sommerkino-Programms 2005, das sich wieder einmal in allerlei Superlativen versucht und diese nicht erreicht.
Schon Emmerich nahm viele Anleihen beim berühmten Roman des britischen Autors Wells und konnte dabei freie Hand walten lassen, während Spielberg und sein Autorenteam Josh Friedman und David Koepp sklavisch daran arbeiten, aus dem Invasions-Abenteuer eine Familien-Geschichte zu entwickeln. Die üblichen Spielberg’schen Formalismen werden wieder eingesetzt und so hat der viel gerühmte Oscar-Preisträger offenbar die größte Freude daran, seinem Kinderstar Dakota Fanning mehr als nur einmal die Kulleraugen abzulichten, wenn diese von Angst erfüllt sein sollen.
Ein Film, sie alle zu enttäuschen
Der Ärger über den schlechtesten Sommer-Film des Jahres – ja, selbst „Königreich der Himmel“ war besser – will sich nicht legen. Dazu ist die Darstellung von Cruise zu schwammig geraten, die Inszenierung seines Chefs Spielberg unfreiwillig komisch und das Drehbuch gefällt sich in allerlei unlogischen Handlungssträngen, die mehr als nur einmal für Verwunderung sorgen.
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