Mittendrin und doch allein. Jugendliche begegnen sich am liebsten in virtuellen Welten, fernab der Realität
Traditionelle Medien haben in ihrer Freizeitgestaltung so gut wie keinen Platz mehr, Teenager sind am liebsten online unterwegs. Der Computer hat dem Fernseher den ersten Rang auf der Wunschliste Jugendlicher längst abgelaufen. Gewöhnliche Werbung über traditionelle Werbeträger wird von der jungen Zielgruppe ignoriert. So zumindest das Fazit des 15-jährigen Matthew Robson, der während eines Praktikums bei der amerikanischen Bank „Morgan Stanley“ das Mediennutzungsverhalten seiner Freunde untersuchte. Marketingfachleute müssen sich demnach immer gefinkeltere Methoden ausdenken, um die Aufmerksamkeit auf ihre Produkte zu lenken.
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Das Ende der Tageszeitung?
Jugendliche wollen Informationen zu geringen Preisen. Seit es bei den U-Bahn-Stationen vieler großer Städte Infoscreens und Gratiszeitungen gibt, sind die Verkaufszahlen der konventionellen Zeitungen und Zeitschriften gesunken. Dieser Trend aus England wird auch bei den österreichischen Jugendlichen angenommen. Die 14-jährige Schülerin Nina aus Wien meint: „Na, wenn die Zeitung gratis vor meiner Nase liegt, werf’ ich schon einen Blick hinein.“ Vor allem ein praktisches Format und die Präsentation von kurz zusammen gefassten Inhalten, sind den Jugendlichen wichtig. Wer umfangreichere Informationen zu einem Thema benötigt, klickt einfach auf die Internetseite einer großen Tageszeitung und bekommt dort alles umsonst.
Rundfunk im Zeitalter des Internet
Die meisten jungen Menschen hören Radio vor allem wegen der Musik, legen jedoch keinen Wert auf das zusätzliche Rahmenprogramm und schon gar nicht auf die Werbung. Nichts ist heutzutage leichter, als Musik direkt aus dem Internet zu beziehen, seit es Musik- und Videoanbieter wie „YouTube“ oder „Last.fm“ gibt. Die Jugendlichen schlüpfen selbst in die Rolle des Radio-DJs und produzieren ihre eigenen Playlists, die sie dann via dem Umwandlungsprogramm „Filsh“ bequem auf ihrem portablen MP3-Player abspielen können. Ein einfacher Vorgang, der nicht einmal Raubkopiererkenntnisse verlangt. Das Fernsehverhalten der Jugendlichen hat sich ebenfalls verändert. Richteten sich Freizeitaktivitäten früher noch nach Sendezeiten gewisser Seifenopern, besorgen sich Jugendliche heute komplette Serienstaffeln auf DVD oder nutzen Online-Angebote im Internet, die es möglich machen, die aktuelle Folge zu jeder Tageszeit anzuschauen.
Teenies wollen erweiterte Handyfunktionen
Mobile Zusatzdienste werden eher von Jugendlichen genutzt, da diese an der neuen Technik interessierter sind und sich bevorzugt Handys mit vielen Spezialfunktionen wünschen. Thomas, der in einem A1 Shop in Wien tätig ist, bestätigt: „Kinder und Jugendliche stellen die höchsten Anforderungen bei der Geräteauswahl. Touch Screen und hohe Speicherkapazität für Songs und Bilder zählen zu den Hauptkriterien bei der Auswahl eines neuen Mobiltelefons.“ Bei Kindern besonders beliebt, ist der kostenlose Versand von Tönen via Bluetooth. Die Bereitschaft lustige Inhalte mit Freunden und Freundinnen zu teilen, machen sich vor allem Unternehmen zunutze, die mit viralem Marketing arbeiten. Sie bedienen sich sozialer Netzwerke, um eine Nachricht in einem Personenkreis publik zu machen. Jugendliche erkennen nicht das Werbemotiv dahinter, sondern unterstützen diese Kampagnen, da sie oft über einen günstigen Jugendtarif mit Gratis-Mitteilungen verfügen.
Kontaktpflege via Social Networks
Neben der Informationssuche auf „Google“, dem Einkauf bei „eBay“ und dem Musikhören auf „YouTube“ befriedigt der heutige Jugendliche sein Bedürfnis nach sozialen Kontakten mittels verschiedener Social-Network-Plattformen. Die Mitgliedschaft bei „MySpace“, „Facebook“, „studiVZ“ oder „Twitter“ ist zwar umsonst, es benötigt aber jede Menge Zeit die Profile laufend zu aktualisieren. Da bleibt wenig Zeit für reale Treffen mit Freunden. „Social Networks“ sind außerdem beliebte Fluchtorte, um sich von Arbeit, Schule oder Langeweile abzulenken. „I love my computer because all my friends live in there“ heißt eine Gruppe auf „studiVZ, die die Vorzüge einer solchen Kommunikation lobt. Bei der Preisgabe ihrer Daten verhalten sich die Jugendlichen sehr großzügig. Bilder und Neuigkeiten, die sie niemals mit ihren Nachbarn teilen würden, tauchen zu Selbstdarstellungszwecken im Internet auf. Jugendliche, die sich nach Aufmerksamkeit sehnen, können ihren „Marktwert“ anhand der Klickrate auf ihrer Seite messen, bedenken jedoch selten die Konsequenzen der Datenpreisgabe.
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Externer Link Studie von Matthew Robson bei „The Guardian“