Mit Spannung erwartet und oft zitiert: Die Festrede von Martin Graf auf dem Burschenschaftskommers
Der dritte Nationalratspräsident Martin Graf hielt die Festrede am Kommers der schlagenden Burschenschaften, der am 20. Juni in Innsbruck abgehalten wurde. Einige Auszüge aus der Rede mit Hervorhebungen der Redaktion:
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„[…] Als die Veranstalter am 4. Februar diesen Jahres mit dem Programm in die Öffentlichkeit gegangen sind, hat sich, anders war es nicht zu erwarten, der übliche Sturm der Entrüstung, von den politischen Linken ausgehend, in unserem Land entladen.
[…] Angesichts der unglaublichen Diffamierungen und der betriebenen Hetze der politischen Linken und einigen Medien in unserem Land gegenüber einem wesentlichen Teil des demokratisch organisierten Österreichs, dem dritten Lager, und auch gegen die heutige Veranstaltung, kann niemand – und so auch ich nicht – zur Tagesordnung übergehen, beziehungsweise ist es mir nicht möglich, mit meiner heutigen Rede die Vorkommnisse, Diffamierungen und Kriminalisierungen politisch unreflektiert zu lassen. Die Menschen in Südtirol, in Österreich und in Mitteleuropa sind in den letzten sechzig Jahren in beinah jede Falle getappt, die unser Volk ein Stück dem drohenden Untergang näher gebracht haben. Meine Frage daher: In welche Falle sind wir noch bereit zu gehen, bis wir aufwachen?
Lassen Sie mich mit Ihnen in einen kurzen, prägnanten Exkurs gehen, um zu analysieren, was notwendig ist, um ein Land, beziehungsweise ein Volk, an den Rand der Existenz zu führen: Es braucht eine von der Frankfurter Schule ausgehende Umerziehung des Volkes. Es braucht weiters den 1968 begonnenen linken Marsch durch die Institutionen. […] Es braucht auch ein Volk, das bereit ist, im Sinne der Effizienz, die demokratischen Regeln außer Kraft zu setzen. Es braucht weiters ein Volk, das immer weniger bereit ist, sich idealistisch für mühsam erkämpfte Grund- und Freiheitsrechte einzusetzen. […] Kurzum: Es braucht eine Gesellschaft, die bereit ist, sich selbst kampflos aufzugeben und freiwillig Neuem Platz zu machen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, in einer Zeit, wo an Österreichs Universitäten von linken Anarchisten beziehungsweise Antifaschisten das Konterfei von Waffenstudenten mit Plakaten und Texten wie „Wenn ihr diese seht, schmeißt sie aus den Hörsälen“, aufgehängt werden; in einer Zeit, wo die Rektoren an Österreichs Universitäten dem Ring Freiheitlicher Studenten bei der ÖH-Wahl Veranstaltungen im Wahlkampf untersagen, weil diese befürchten, dass durch linke Anarchisten in Gegendemonstrationen Gewalt ausgeübt wird und es durch diese Gegendemonstrationen zu schweren Sachbeschädigungen kommen wird; in einer Zeit, wo unverhohlen und flächendeckend zur Burschenschafter-Safari, also zur Jagd und Gewalt gegen andersdenkende Studenten und Akademiker, aufgerufen wird; in einer Zeit, wo von Vertretern der sogenannten Zivilgesellschaft Repräsentanten demokratisch legitimierter Parteien mit Verbrechern wie Eichmann und Goebbels verglichen werden; in einer Zeit, wo Zeitungsmagazine gewählte Volksvertreter mit Verbrechern wie Göring und Hitler gleichsetzen; in einer solchen Zeit kann sich niemand einer Positionierung entziehen, wenn die Chance gegeben wird, hierzu eindeutig Stellung zu beziehen.
[…] Mitteleuropa des 21. Jahrhunderts hat den Wandel von der Industriegesellschaft über die Dienstleistungsgesellschaft hin zur Wissensgesellschaft vordergründig gut gemeistert. Wir alle stehen heute, wie die gesamte freiheitlich-westlich orientierte Welt, an einer Weggabelung. Haben wir noch den Willen, uns zu einer durch Nachhaltigkeit geprägten Wertegesellschaft [zu entwickeln] oder werden wir uns zu einer augenblicksgeprägten Bedarfsgesellschaft […]? Ich vertrete die Meinung, dass wir im 21. Jahrhundert uns zur Wertegesellschaft weiterentwickeln müssen. Dazu einige Beispiele, warum Werte nötiger sind denn je:
Wie ist es möglich, dass nicht einmal zwanzig Jahre nach dem Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus in Österreich und in Deutschland Städte und Länder von Kommunisten mitregiert werden? Oder dass ein obskurer Einzelkämpfer achtzehn Prozent bei landesweiten Wahlen erreicht und auch reichlich mit rechten Stimmen versorgt wurde? Wer jetzt mit der zynischen Aussage kommt, „Das sind ja nur Persönlichkeitswahlen“ oder „Selbst Schuld – das freiheitliche Lager hat sich ja selbst in die Luft gesprengt“, hat den Ernst der Lage immer noch nicht erkannt. Wie ist es möglich, dass von den Linken sofort mehr politische Bildung in den Schulen verordnet wird, sobald eine Studie auftaucht, die ausweist, dass junge Menschen angeben, sich bei Wahlen mehrheitlich rechts der politischen Mitte zu entscheiden – getreu dem Motto, dass der moderne Pluralismus nur mehr aus der Mitte, den Linken und den Linksextremisten bestehen darf […]? Wie ist es sonst möglich, dass RAF-Terroristen, die durchschnittlich zwei Mal lebenslangen Kerker erhalten haben, nach vier bis maximal 22 Jahren, ohne einen Aufklärungsbeitrag zu ihren Taten geleistet zu haben und ohne gelebte Reue, heute schon längst wieder auf freiem Fuß und modern etabliert sind? Sich unter Umständen sogar draußen an der Demonstration gegen uns beteiligen können, zumindest aber mit den linksextremistischen Demonstranten in erster Linie stehen? […]
Wie ist es sonst möglich, dass in unserem Heimatland alleine schon die Verwendung des Begriffs „Ausländer“ als nicht politisch korrekt angesehen wird und mit politischem Mobbing begegnet wird? Wenn es aber darum geht, deutsche Studenten, aus welchem Grund auch immer, von den edelsten deutschen Universitäten hier in Österreich fernzuhalten, wird sogar bei den Linken und politisch Korrekten der Begriff „Ausländer“ opportun. Es wundert mich nicht, dass sich sofort ohne kritische Analyse von der „Kronen Zeitung“ beginnend bis sogar in die eigenen Reihen hinein willfährige Unterstützer dieser neuen Form Ausländerhetze zur Abschaffung des freien Hochschulzugangs für unsere Landsleute finden. Ich persönlich bin überzeugt davon, dass die Diskussion um Quoten bei Türken, Slawen oder Pakistani oder sonstigen in Österreich ganz anders geführt worden wäre als bei Deutschen. Ich persönlich habe auch noch nie von jemandem gehört, dass irgendjemand mit angeblicher Matura zu einem Studium in Österreich nicht zugelassen wurde, mit Ausnahme, es handelt sich um Personen mit österreichischem oder deutschem Reisepass.“
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„Zusammenrücken notwendiger denn je“

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