„Kamp & Whizz“ verarbeiten ihr Versager-Dasein in harten Raps und „schlecht rasierten, fetten Weibern“
Nicht nur in seiner optischen Erscheinung, auch in seiner Gestik und in seiner Wortwahl erkennt man in dem Rapper und Kunststudenten Florian Kampelmühler alias Kamp ein Ausnahmetalent, das nur in Trauer und Depression seinen Motivator für musikalische Höchstleitungen findet. Zur Seite steht ihm der 30-jährige Beatmeister Oliver Müllner alias Whizz Vienna, der sich ebenso selbst mit einem Leben als Versager abgefunden zu haben scheint. Zwei kreative Musiktalente die sich eindeutig unterschätzen, so die allgemeine Medienmeinung. Ihrer negativen Einstellung bleiben sie auf ihrem Debütalbum, das auch das letzte musikalische Produkt der beiden Talente sein soll, treu und bieten der Hörerschaft ein breites Spektrum an Pech, Trauer und Depression. Ein typisch österreichischer Weg laut Kamp und Whizz Vienna. Suizidversuche und Alkoholsucht inklusive.
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CHiLLi: Ihr bezeichnet euch selbst als Versager ohne Zukunft. Ist diese Bezeichnung überhaupt gerechtfertigt angesichts des großen Hypes um euer erstes und letztes Album?
Kamp: Die Medien würden sich nicht so sehr für uns interessieren, würden wir behaupten wir sind die Besten. Wir haben die Presse einfach ganz geschickt ausgespielt und zwar gegen sich selbst. Das war der große Gedanke dahinter, auch der „Schmäh“ mit dem ersten und letzten Album ist ein Aufhänger, ohne den dieser „Hype“ nie entstanden wäre. Eigentlich wollten wir eine tödliche Krankheit vortäuschen, so was wie Aids oder Krebs, um in Mitleid zu fallen, haben uns aber dann doch dagegen entschieden.
Whizz Vienna: Ich selbst habe aber die „Schlampenkrätze“, von schlecht rasierten, fetten Weibern.
Kamp: Außerdem, Rap in Österreich bedeutet schon Versagen ohne Zukunft.
CHiLLi: Warum ist das Rap-Geschäft in Österreich mit Versagen verbunden?
Kamp: Weil du davon ausgehen kannst, zu versagen. In Deutschland gibt es tausende, die den Wunsch haben davon leben zu können. Und das schaffen in diesem Achtzig-Millionen-Land gerade mal zwei Leute. Und jetzt kann man sich die Chancen in Österreich ausrechnen.
CHiLLi: Was ist in Österreich, im Gegensatz zu Deutschland so anders?
Kamp: Die Prostitualität ist in Deutschland einfach auf einem ganz anderen Level. Dort gibt es Medien, die davon leben, dass sie über Hip-Hop berichten. Bei uns gibt es das nicht. Es existiert einfach nicht der Riesenmarkt für Rap, auch nicht in Deutschland. Zusätzlich sind wir einfach auch ein kleines Land und vielleicht liegt es auch an der Mentalität hier. Rap-Musik passt einfach nicht zu Österreich.
CHiLLi: Ihr wart schon einmal für den „Amadeus Award“ nominiert. Welchen Eindruck habt ihr von dieser Veranstaltung?
Whizz Vienna: Es war ein fantastischer Tag. Wir sind über den roten Teppich spaziert und kreischende Teenies, die uns nicht gekannt haben und die auch wir nicht gekannt haben, haben uns zugejubelt. Es war eine tolle Erfahrung, bei der ich mir gedacht habe, du musst eigentlich gar nichts können. Ein roter Teppich reicht. Leider sieht man daran auch wieder, wie dumm die Leute sind. Schade, weil das alles Menschen gewesen wären, die unsere CDs kaufen sollten.
Kamp: Es war ein toller Abend, wir waren zwar das ungeliebte und hässliche Kind dort, aber auch zu Recht.
Whizz Vienna: Es muss aber auch erwähnt werden, dass wir für diesen Preis nominiert waren, jedoch in der letzten Reihe hinter den Säulen sitzen mussten, während in den vorderen Reihen diverse Angestellte einer bestimmten Fernsehanstalt saßen. Eine Frechheit, einfach gesagt. Und daran sieht man wieder, welchen Stellenwert wir für diese Leute haben, nämlich gar keinen.
CHiLLi: Welches Ziel verfolgt ihr mit eurem Album?
Whizz Vienna: Ich möchte finanziell auf null aufsteigen.
Kamp: Ich möchte den Boden im Flex mit unserer Platte neu verlegen. Außerdem wollen wir Gossengold gehen, die CD soll im Billa und im Penny Markt gleich neben den Rohlingen zum Verkauf angeboten werden.
Whizz Vienna: Wir wollten mit dieser Platte einfach ein Denkmal setzten und zwar für uns selbst.
Kamp: Uns war klar, dass wir damit keine hohe Welle schlagen werden und nie davon exorbitant viel verkaufen werden. Es sollte jedoch eine Platte werden, die uns auch in zehn Jahren noch gefällt, denn in zehn Jahren werden wir musikalisch sowieso nichts mehr machen. Wir haben uns nie großartig viele Ziele ausgedacht und haben uns auch nie gedacht, dass die Leute mehr Interesse an diesem Album haben werden, als an unseren anderen Sachen.
CHiLLi: Was behandelt ihr textlich auf diesem Album?
Kamp: Textlich dreht sich alles ausschließlich um die Krisen eines 26-jährigen, suchtgiftkranken, depressiven Suizidgefährdeten.
CHiLLi: Muss man als Künstler derartige Eigenschaften haben, um Geniales hervorzubringen?
Kamp: Es ist nicht notwendig diese Eigenschaften zu besitzen. Jedoch gefallen mir die Sachen besonders gut, bei denen man spürt, dass eine Menge Leid dahinter steckt. Nur ein unglücklicher Künstler ist ein guter Künstler. Ein glücklicher Künstler kann sicher auch gute Platten machen, aber es gibt aus meiner Sicht keinen größeren Antrieb als Unglückseligkeit, Frust, Depression und Trauer um etwas wirklich Großes zu schaffen.
Whizz Vienna: Ich sehe das genauso. Wir harmonieren musikalisch auch deshalb so gut miteinander, da wir seit wir uns kennen, dieselben unglücklichen Phasen durchmachen, nur zeitversetzt.
CHiLLi: Wird „Versager ohne Zukunft“ jetzt wirklich das einzige Album von euch sein?
Kamp: Hoffentlich.
CHiLLi: Weshalb hoffentlich?
Kamp: Hör’s dir einmal an.
Whizz Vienna: Wir machen das nur für das Pensionssystem. Ist ja alles nicht finanzierbar, wir haben unseren Beitrag mit diesem Album geleistet, da sich die Selbstmordrate erhöhen wird.
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