Rudas hat Warnung der Jung-Wähler verstanden
und stellt sich Heinz-Christian Strache entgegen
CHiLLi: Nationalrat: Die Frauenquote ist gesunken und junge Menschen gibt es kaum mehr …
Laura Rudas: (schnauft) Ja, leider. Eine Zeitung hat getitelt: „Frauen und Junge als erster über Bord“. Eine Demokratie braucht ein repräsentatives Parlament, das Junge, Alte, Frauen, Männer, Angestellte, Arbeiter, Studenten, Akademiker beinhaltet. Da sind wir seit der heutigen konstituierenden Sitzung des Nationalrates nicht wirklich näher. Die Aufregung darüber ist in der SPÖ groß. Für mich als Frau sind die zu wenigen Frauen im Parlament kein Zustand, den ich akzeptieren kann … auch bei den Jungen. In der SPÖ gibt es Bestrebungen das bald zu korrigieren. Wenn wir in die Regierung kommen, dann wäre es gut, wenn Frauen und Junge in den Nationalrat nachrücken.
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CHiLLi: Gibt es junge rote Hoffnungsträger, die Sie bald im Nationalrat sehen wollen? Wer könnte Ihnen als Jugendsprecherin nachfolgen?
Laura Rudas: Wir haben zum Beispiel im Burgenland eine Menge junger engagierter Leute. Wir haben einen superengagierten und politischen SJ-Vorsitzenden Wolfgang Moitzi und eine tolle JG-Vorsitzende Tina Tauß. Es fehlt absolut nicht an den jungen Leuten. Man muss sie lassen! In Wien war es damals der Bürgermeister, der gesagt hat „ich lasse eine 22-jährige Laura Rudas als Gemeinderätin zu“.
CHiLLi: Ihr Verhältnis zur Sozialistischen Jugend?
Laura Rudas: Die SJ ist sehr kritisch und nicht so wie andere Jugendorganisationen. Damit meine ich nicht nur die Junge Volkspartei, sondern es sind auch die anderen Organisationen so, dass sie die eigene Partei nie kritisieren. Die SJ ist sehr kritisch, Systemen gegenüber, Entscheidungen gegenüber, der SPÖ gegenüber, auch mir gegenüber. Das ist eine Kontrolle, die gut ist. Aber im Wahlkampf hat man gesehen, dass der Zusammenhalt da ist.
CHiLLi: Rudas als Frauenministerin oder Jugendstaatssekretärin?
Laura Rudas: Das sind Spekulationen, an denen ich mich nicht beteiligen will und auch nicht kann. Wir wissen überhaupt noch nicht, wie die Regierung überhaupt aussehen wird. Im Moment setze ich mich dafür ein, dass „Jugend“ eine Querschnittsmaterie im Regierungsprogramm ist – und das nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Das ist das einzige, worauf ich mich konzentriere neben meinem Studium.
CHiLLi: Rudas als Frauenministerin oder Jugendstaatssekretärin wäre doch auch eine Kampfansage an Heinz-Christian Strache …
Laura Rudas: Keine Angst, ich werde mich dem Strache spätestens bei der Wien-Wahl direkt entgegenstellen. Ich verspreche: Wir werden darum kämpfen, uns jede einzelne junge Stimme wieder zurückholen – das ist keine Frage. Das Wahlergebnis ist eine Warnung die angekommen ist, jetzt hole ich mir die Wählerinnen und Wähler zurück – egal aus welcher Position.
CHiLLi: Wollen Sie Frauenministerin oder Jugendstaatssekretärin sein?
Laura Rudas: Noch einmal: Ich beteilige mich nicht an diesen Spekulationen.
CHiLLi: Studiengebühren …
Laura Rudas: Darüber gibt es mit der ÖVP nichts mehr zu verhandeln. Die Studiengebühren wurden abgeschafft und dabei bleibt es.
CHiLLi: Ihr Verhältnis zu Silvia Fuhrmann?
Laura Rudas: Beruflich kamen und kommen wir schon gut klar, trotz sehr unterschiedlicher Anschauungen. Unsere Anschauungen sind sicher viel unterschiedlicher als bei den älteren Politikern bei SPÖ und ÖVP. Fuhrmann und ich gehen im Umgang lockerer miteinander um, aber im Denken sind wir beide vielleicht „festgefahrener“.
CHiLLi: Gibt es von Fuhrmann und Ihnen für die kommende Regierung ein konkretes gemeinsames Ziel?
Laura Rudas: Wir müssen dem Phänomen „Generation Praktikum“ Herr werden. Es wird sicher auch bei vielen anderen Dingen Einigkeit geben.
CHiLLi: Die „Zukunftswerkstätte“ der SPÖ hätte im Herbst von Ihnen „reloaded“ werden sollen …
Laura Rudas: Ich habe schon im Wahlkampf gesagt, dass sich das wegen dem Wahlkampf im Herbst nicht ausgehen wird. Ich hoffe das der Neustart zu Weihnachten sein wird. Wir haben schon Personen, die uns unterstützen und die werden auch eine ziemliche Überraschung sein.
CHiLLi: Sind das wieder die üblichen roten Verdächtigen, also bekannte SPÖ-Sympathisanten aus allen Bereichen?
Laura Rudas: Nein, eben nicht. Im Vorstand sind SPÖ-Funktionäre – es wird ein offenes Komitee geben. Wir wollen damit zeigen, dass wir in alle Richtungen offen sind.
CHiLLi: Das klingt nach roter „Perspektivengruppe“
à la Volkspartei.
Laura Rudas: Der Unterschied ist, dass wir nicht nur die Zukunft bequatschen, sondern mitgestalten wollen. Das Komitee wird so offen sein, dass alle überrascht sein werden. Ziel ist es, dass wir eine neue Diskussionskultur einführen – die Stadt wird wieder diskutieren. Und das ist auch wichtig, damit wir gewisse Fehler erkennen und nicht machen – auch in der Jugendpolitik. Wir wollen, dass der Zorn der Menschen, auch der jungen, richtig kanalisiert wird.
CHiLLi: Faszination Jörg Haider – bei Ihnen auch?
Laura Rudas: Ich bin von niemandem leicht zu faszinieren. Ich weiß nicht, ob es so gut ist, dass man von Politikern fasziniert ist. Es ist gut, wenn man Politikern kritisch vertraut – Faszination finde ich etwas heikel. Aufpassen muss man, dass es keine Haider-Nachahmer gibt. Wenn man die Verulkung der Politik, so wie es Haider gemacht hat, hochpreist, wird das gesellschaftlich anerkannt. Das ist gefährlich. Wir müssen aufpassen, dass Politik nicht kalt wird, dass diese systematische Haider-Antiausländerpolitik nicht nachgeahmt wird.
CHiLLi: „Haider Copy“ Strache macht das bereits.
Laura Rudas: Dass das nicht okay ist, müssen alle anderen Parteien lautstark aufzeigen. Nicht nur die Parteien, sondern auch unter den Menschen muss es einen Widerstand gegen solche Methoden geben. Es geht einfach nicht, dass jemand „Daham, statt Islam“ plakatiert. Da muss jeder „stopp“ sagen! Es geht nicht, dass auf einem Plakat Kriminalität und Asyl gleichzeitig in Verbindung gebracht wird. Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Alle müssen das Gefühl haben, dass das zu weit geht. Dass wir jetzt naiv ein Blumensträußchen am Kopf haben und im Kreis tanzen, darum geht es nicht. Aber die oft auch berechtigten Ängste der Menschen zu missbrauchen, geht zu weit.
CHiLLi: Stichwort „Lebensmensch“ und BZÖ-Obmann Stefan Petzner.
Laura Rudas: Wie eng der jetzt mit dem Haider war, ist mir doch so wurscht. Mir gefallen grundsätzlich keine Politiker, die von konzentrierten Lagern reden. Mich beunruhigen seine Aussagen in der Ortstafelfrage und andere Fragen. Die Fortführung schlechter Politik ist für mich schlechte Politik.
CHiLLi: Sie sind gleich alt wie Stefan Petzner und sind in der Politik. Haben Sie Ratschläge für ihn?
Laura Rudas: Auch Vorbilder sollte man hinterfragen, er sollte nicht ankündigen einen Kurs eins zu eins weiterzuführen, sondern einen moderneren Kurs wählen. Er muss hinterfragen, ob es in Ordnung ist, Kinder in einen Bus zu verfrachten und nach Traiskirchen oder auf die Alm zu schicken. Man kann ja unterschiedliche Ideologien haben – problematisch wird es dann, wenn man auf Bevölkerungsgruppen los geht. BZÖ und FPÖ zeigen auf Bevölkerungsgruppen hin, die sich nicht wehren können – das ist ja das gefährliche.
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Externer Link SPÖ-Rudolfsheim-Fünfhaus
Externer Link Sozialistische Jugend Österreich (SJÖ)
Externer Link neuepolitik.at (früher jungerote.at)
Externer Link Österreichisches Parlament
Externer Link Laura Rudas beim Kaiser (youtube)
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