Junge Volkspartei fordert von ihrem Neo-Chef
Josef „Sepp“ Pröll einen mutigen Schritt
Seit 21 Jahren regiert die Volkspartei die Alpenrepublik. Schluss mit der schwarzen Regiererei, fordert Silvia Fuhrmann und ihre Junge ÖVP (JVP). Als Juniorpartner in einer Regierung oder in der Opposition: Die ÖVP habe vom Wähler sowieso die Arschkarte bekommen. Geht es nach den JVP-lern, solle es auf dem im November stattfindenden VP-Sonderparteitag „Revolution-Opposition“ spielen. Und wer ist schuld am sogenannten Rechtsruck bei Jungwählern? Die JVP-Chefin könne noch so viele Purzelbäume schlagen, gegen einen „letztklassigen, verantwortungslosen und populistischen“ „Disko-Alko-Wahlkampfer“ Heinz-Christian Strache habe sie keine Chance. Wider die Gerüchte bleibt Silvia Fuhrmann im Nationalrat: Sie hat in letzter Minute ein Mandat auf der Bundesliste ergattert.
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Fuhrmann will politische Bildung statt blauem Diskofieber
CHiLLi: Die Volkspartei leckt ihre Wahl-Wunden und hat ihren Boss ausgewechselt. Was kommt noch?
Silvia Fuhrmann: Wir haben mittlerweile den Blick in die Zukunft gerichtet, auch mit Sepp Pröll als neuem geschäftsführendem Parteivorsitzenden. Es wird bereits ein Parteitag organisiert, wobei ich auch dafür bin, dass auf diesem Parteitag nicht nur die Wahl des Obmanns zur Diskussion steht, sondern auch die Zukunft der Volkspartei und auch die Zukunft einer Regierung. Wir müssen auf breiter Basis darüber diskutieren, wie wir uns unsere Zukunft vorstellen. Für die ÖVP gibt es bekanntlich drei Optionen. Von jungen Funktionären und Mitgliedern wird der Gang in die Opposition gefordert. Aus mehreren Gründen: Die ÖVP hat mit diesem Wahlergebnis sicher keinen Auftrag zum Regieren erhalten, zweitens wurde die große Koalition abgewählt – wozu denn jetzt „more of the same“, das bringt ja nichts. Faymann spricht zwar jetzt nach der Wahl von einem neuen Stil, aber den muss er zuerst beweisen.
CHiLLi: Die ÖVP soll also unbedingt in die Opposition gehen.
Silvia Fuhrmann: Die Mehrheit unserer JVP-Bundesfunktionäre und auch die JVP-Ländervertreter fordern das. Dem schließe ich mich an. Es gibt innerhalb der JVP schon auch Meinungen, die in die Richtung Koalition mit den Blauen und BZÖ gehen. Definitiv ausgeschlossen ist für uns eine Koalition mit der SPÖ.
CHiLLi: Jeder zweite Wähler zwischen sechzehn und dreißig Jahren wählte freiheitlich oder orange. Haben Sie als erfahrene Jungpolitikerin und Ihre Partei versagt?
Silvia Fuhrmann: Ich finde das sehr spannend, dass plötzlich der Fokus so auf die Jungen gerichtet wird, das war schon bei der „Komatrinken-Debatte“ so. Wenn ein Erwachsener einen Spritzer zu viel trinkt, ist es egal; wenn das bei einem jungen Menschen passiert, ist es ein Thema. Dass Kinder keinen Alkohol trinken sollen, ist klar – das gehört breit thematisiert und gesellschaftlich hinterfragt. Politisch scheint es jetzt spannender zu hinterfragen, warum junge Wähler blau wählen, obwohl dies dem Ergebnis zu Folge auch viele andere getan haben. Warum redet niemand laut darüber, dass die SPÖ ihre Arbeiterschicht an die FPÖ verloren hat? Warum redet niemand davon, dass die Alleinerzieherinnen mehrheitlich das BZÖ gewählt haben?
CHiLLi: Komisch, seit vielen Jahren fordern auch Sie vehement, dass Jugendliche von der Gesellschaft mehr beachtet werden sollen …
Silvia Fuhrmann: … ja eh, Aufmerksamkeit ist grundsätzlich gut. Aber noch besser wäre auch ein positiver Blickwinkel beziehungsweise ein positiver Zugang zu jungen Menschen. Die erzeugte Öffentlichkeit entspricht scheinbar nicht der Wahrnehmung beziehungsweise Lebensrealität junger Leute.
CHiLLi: Den Medien den Schwarzen Peter für politisches Versagen zuzuschieben ist billig.
Silvia Fuhrmann: Das meinte ich damit nicht. Vielleicht hat vielmehr die Ausgrenzung der Herren Strache und Haider dazu geführt, dass vor allem Herr Strache für junge Menschen extrem interessant geworden ist. Psychologisch betrachtet: Sechzehnjährige tun oft automatisch das Gegenteil von dem, was die Eltern tun. Die Gegensatzhaltung bei jungen Menschen ist da. Zweitens: Junge Menschen sind für radikale Botschaften empfänglicher – SPÖ, die Grünen und auch wir haben unsere Vorhaben scheinbar zu kompliziert formuliert. Junge Leute finden radikale Botschaften wahrscheinlich cool und lässig. Ich glaube nicht, dass ein Jugendlicher damit nationalsozialistisches Gedankengut verbindet und dies damit aktiv unterstützt. Insofern kann ich keinen „Rechtsruck“ oder eine Jugend am rechten Rand erkennen. Es ist ein Ruck Richtung Populismus, da die populistischen Sager gewonnen haben.
CHiLLi: Populismus hin oder her: Heinz-Christian Strache war im Wahlkampf bei Jugendlichen anscheinend präsenter als Sie.
Silvia Fuhrmann: Laura Rudas und ich können als Jugendkandidatinnen Purzelbäume schlagen, wenn auf der anderen Seite Spitzenkandidaten in Diskotheken gehen und dort nach der Reihe Sektkübelrunden zahlen. Das heiße ich absolut nicht gut. Wenn Jugendpolitik daran gemessen wird, in welchen Diskotheken sich ein Spitzenkandidat herumtreibt, in den Diskos Geldscheine verteilt und exzessiven Alkoholkonsum finanziert, finde ich das letztklassig. Das ist absolut verantwortungslos.
CHiLLi: Bei der Jungen Volkspartei wird nicht nur in Wahlkampfzeiten ordentlich gesoffen. Gratis-Alkohol gab es noch bei jeder JVP-Wahlparty. In Diskos fangen Laura Rudas und Sie ebenfalls Stimmen …
Silvia Fuhrmann: Ja, aber es gibt einen Unterschied: Wir betreiben das in Maßen; bei uns sponsert niemand Getränke um Riesen-Beträge. Die JVP hat das nie gemacht, weil wir das Geld dafür gar nicht haben. Es ist auch ein wesentlicher Unterschied, ob eine Partei einmal ein Clubbing veranstaltet, oder ob ein Spitzenkandidat Nacht für Nacht Parolen streut und mit dem Geld um sich wirft.
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Politische Bildung statt blauem Diskofieber

