„Postal“ – Neu im Kino
Zwei arabisch aussehende Männer unterhalten sich in einem Flugzeugcockpit. Bald sind sie bei dem einen und einzigen Gott: Allah. Doch dann plötzlich taucht die Frage auf, wie viele Jungfrauen einen eigentlich im Paradies erwarten? Die Antwort folgt per Handy: Zwanzig. Das ist den beiden Möchtegern-Jihadisten zu wenig und deshalb beschließen sie umzudrehen und auf die Bahamas zu fliegen. Unglücklicherweise stürmen die Passagiere das Flugzeug und mit vereinten Kräften landet das gekidnappte Flugzeug im World Trade Center.
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Ein abstoßender Mikrokosmos
So lässt Uwe Boll – berühmt-berüchtigter Regisseur von Werken wie „Alone in the Dark“ oder „BloodRayne“ – seine Satire „Postal“ beginnen. Basierend auf dem gleichnamigen Computerspiel, in dem der Spieler sich sinnlos durch Paradise City schießt, will Boll eine zutiefst politische Satire erschaffen. Im Zentrum steht dabei der namenlose „Postal-Dude“ (Zack Ward – „Transformers“), der in einem versifften Trailerpark am Rande der amerikanischen Kleinstadt Paradise City lebt.
In dieser Stadt ist der Postal-Dude umgeben von scheinheiligen Gesetzeshütern, aggressiven Sozialhilfeempfängern und einer versprengten Einheit der Taliban. Zum Drüberstreuen hat er auch noch seine verfressene, fette Frau am Hals und sein über alles geliebter Onkel Dave (Dave Foley – „Sky High“) leitet eine Öko-Hippie-Sekte, in der er von einer Sexorgie zur nächsten wackelt. Wenn in diesem Mikrokosmos ein Mann zum Durchdrehen beginnt, dann kann das ein ziemlich schlimmer Tag werden.
Ein Amokläufer ohne Wut
Alles beginnt relativ viel versprechend: Selbstmordattentäter, die eigentlich aus Versehen im World Trade Center landen und ein miefiger Trailerpark. Boll hat in den ersten Minuten die Voraussetzungen für einen wirklich komischen Film gelegt, doch was darauf folgt, ist gähnende Langeweile. Anstatt tatsächlich beißende Satire zu liefern, produziert er einen schlecht getimten Gag nach dem anderen. Die immer wieder eingestreuten Fäkalwitze runden das Humorbild von Uwe Boll passend ab.
„Postal“ ist ein Film der vergebenen Chancen. Während Hauptdarsteller Zack Ward von einer markerschütternden Enttäuschung zur nächsten gleitet, steigert sich sein Aggressions- und Wutpotential kaum. Stattdessen stapft er unmotiviert zur nächsten Episode, um die vielen Handlungsstränge einzuleiten, die am Ende zusammenfließen sollen. Die Ökosekte, Osama Bin Laden, George W. Bush, eine potentielle Liebschaft mit einer Kellnerin und schließlich ein deutscher Themenpark mit Nazianklängen sind alle Teile eines übermotivierten Drehbuches, dass den Zuseher ermüdet und auf einen finalen Amoklauf geradezu hoffen lässt.
Satire ohne Biss
Diesen liefert Uwe Boll dann auch, wenngleich viel zu spät und dazu auch noch vollkommen unrhythmisch. Die fehlende Dynamik in den – einmal viel zu kurzen und dann wieder viel zu langen – Schusswechseln nimmt „Postal“ auch noch den letzten Rest an Interesse. Da können die einzelnen Protagonisten noch so unsympathisch wirken, wenn der Postal-Dude sie endlich abschießt, ist es einem auch schon wieder egal, da kaum zu sehen ist, wen und wann er jemanden tötet. Selbst der Massenmord an vielen unschuldigen Kindern weckt kaum Empörung – oder ein Lächeln. Nein, „Postal“ ist keineswegs ein unkorrekter Tabubruch, denn wo Uwe Boll das Publikum hinführen will, da war dieses bereits.
„Einen Film wie Postal hat es seit Monty Pythons ‚Das Leben des Brian’ nicht mehr gegeben“, tönt Boll in einem offiziellen Statement. Doch wenn in etwa hundert Minuten unrhythmisch inszenierte Actionszenen sich mit fahlen Gags abwechseln, dann kann nur mehr von Selbstüberschätzung die Sprache sein. So sehr die einzelnen Ideen auf dem Papier wohl interessant wirken, in ihrer Ausführung ergeben sie alles, nur keinen gelungenen Film.
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