„Diary of the Dead“ versucht sich als
Beitrag in Sachen Medienkritik
Er ist wieder da, wo er angefangen hat: beim Zombiehorror. Mit seinem Filmdebüt „Night of the Living Dead“ definierte George Romero 1968 den Zombiefilm neu. 1978 in „Dawn of the Dead” und sieben Jahre später mit „Day of the Dead” vollendete er seine Saga. Während er sich zwischenzeitlich anderen Projekten zuwandte, lieferte er 2005 mit „Land of the Dead“ dann doch noch einen weiteren Teil zu seinem Zombie-Zyklus, der nun als abgeschlossen betrachtet werden kann. Denn sein neuestes Projekt – „Diary of the Dead“ – erweitert das Subgenre um den vielleicht letztmöglichen Aspekt.
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Der Realismus einer Mumie
Ein ganz normaler Polizeieinsatz im Herzen Amerikas. Ein Mann hat seine Frau, seinen Sohn und schließlich sich selbst erschossen. Was darauf folgt, ist aber nur der Startschuss für ein Chaos ungeahnten Ausmaßes. Das berichtet zumindest aus dem Off die Erzählerin des Films: Debra (Michelle Morgan). Sie hat das Filmmaterial ihres Freundes Jason Creed (Joshua Close) geschnitten, mit gruseliger Musik unterlegt und ins Internet gestellt: Die Welt soll sehen was wirklich passiert ist. Zu dem, was die Mainstream-Medien nicht zeigen wollen, gibt es – frei Haus sozusagen – auch noch die kritischen Kommentare Debras zum drüberstreuen.
Doch eigentlich hat alles ganz harmlos begonnen. Jason wollte zum Studienabschluss einen Mumienfilm drehen, aber schon zu Beginn der Dreharbeiten stellen sich Probleme ein. Die Crew gibt sich bockig und hinterfragt den Sinn eines passenden Make-Ups für den Mumiendarsteller und die hübsche Blondine Tracy (Amy Lalonde) weiß nicht, weshalb Frauen in Horrorfilmen immer das Kleid vom Leibe gerissen wird. Jasons Mentor – der dauersaufende britische Professor Maxwell (Scott Wentworth) – ist ihm auch keine große Hilfe und das Projekt scheint den Bach hinunter zu gehen. Doch plötzlich ändert eine Radiomeldung von lebendigen Toten alles.
Willkommen bei der Apokalypse
Während die Studenten zu Beginn den Mainstream-Medien und ihren Berichten nicht glauben wollen, kommt es schon bald zur ersten Begegnung mit einigen dieser wandelnden Kreaturen. Hier zeigt Romero sein ganzes Können und versetzt das Publikum mit blutigem Witz in Erstaunen. Das Ende der Welt ist, dank des Einsatzes einiger Zombies, eine zumeist äußerst humorvolle und ebenso blutrünstige Angelegenheit.
Wenn sich Romero bei den Zombie-Hinrichtungen jedoch auf CGI-Effekte verlässt, hat der Spaß sein Ende. Dann doch lieber das gute alte Handwerk, mit dem gerade dieser Regisseur immer punkten konnte. Wenngleich ohne größere Überraschungen, jedoch mit einer ordentlichen Prise Humor, verringert sich das studentische Aufgebot: Immer wieder verfolgt von Jasons Kamera, der die Ereignisse um jeden Preis dokumentieren will.
Blair Zombie Project
Augenscheinlich hat sich Romero – neben Videoclips auf YouTube und Amateurfilmdatenbanken – auch vom äußerst erfolgreichen „The Blair Witch Project“ inspirieren lassen. Während die Dokumentation der Handlung durch die Kamera der Studenten – und später auch durch Überwachungskameras – nicht immer ungeteilten Zuspruch erhält, spielt „Diary of the Dead“ mit dem Einbezug der Kamera und karikiert geradezu das Motto: „Was nicht vor der Kamera passiert, hat nie stattgefunden.“
In diesem Zusammenhang stehen auch die verschiedenen Meldungen der Nachrichtenagenturen und ihr Umgang mit dem Originalmaterial. Gründe für den Ausbruch des Chaos’ werden nicht geliefert, dafür hat Debra genügend kritische Off-Kommentare parat, um das eigene Filmmaterial passend einzubauen. Diese Medienkritik wirkt zwar aufgesetzt und lähmt den ansonsten flott erzählten Film, doch hat Romero diesen missglückt ausgeführten Überbau glücklicherweise nicht zu sehr betont. So bleibt am Ende ein ordentlicher Horrorfilm mit genügend bösem Humor, um sein Zielpublikum ansprechend zu unterhalten, wenngleich dem Meister der Zombies nicht allzu viel Neues zu seinen Schöpfungen eingefallen ist.
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