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„Ein völlig neuer Film“

Novotny: „Ich hasse es, Fremdmaterial zu verwenden“
Novotny: „Ich hasse es, Fremdmaterial zu verwenden“
Novotny hatte vierzig Stunden Rohmaterial zur Verfügung: „Ein Horror“
Novotny hatte vierzig Stunden Rohmaterial zur Verfügung: „Ein Horror“

Timo Novotny über Ursprung und
Entwicklung von „Life in Loops“

Am Anfang war Timo Novotny vor allem ein Experimentalfilmer, der mit seinen Liveperformances für die Sofa Surfers für Aufsehen sorgte. Der Zufall brachte den Österreicher allerdings in die Welt des Dokumentarfilms. Ein Ereignis von großer Tragweite. Denn mit „Life in Loops“ präsentiert Novotny keine einfach Neubearbeitung von Michael Glawoggers Dokumentation „Megacities“, sondern den ersten Filmremix der Geschichte.

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 Timo Novotny:Geil auf eine 2D-Figur
CHiLLi: „Life in Loops“ stellt das erste Filmremixprojekt der Geschichte dar. Wie kam es dazu, Michael Glawoggers „Megacities“ neu zu bearbeiten?
Timo Novotny: Ich bin seit elf Jahren mit den Sofa Surfers live tätig und gemeinsam haben wir 2003 in Brüssel das Festival „Cine Days“ eröffnet. Der Inhalt war, einen europäischen Film in meine Liveshow einzubeziehen. Ich hasse es aber, Fremdmaterial zu verwenden und dachte mir trotzdem, dass ich zu meinen Reisebildern „Megacities“ dazunehme, da es auch thematisch gut passt. Ich hab dann den Michael angerufen und er war von der Idee begeistert. Als ich ihm dann, als wir aus Brüssel zurück waren, den Liveschnitt gezeigt habe, war er vom Ergebnis sehr überrascht. Für ihn war es ein völlig neuer Film.

CHiLLi: Sprich: Beim Festival haben Sie bereits eine „Neuversion“ erstellt. Sozusagen einen „Life in Loops“-Vorläufer?
Timo Novotny: Ich habs beim Festival relativ brachial umgeschnitten. Ich hatte das fertige Filmmaterial zur Verfügung und hab dann daraus Szenen live in meine Reisebilder hinein geschnitten, allerdings ohne Feinabstimmung. In die Super-8-Bilder und Beats kamen dann die schönen Bilder aus „Megacities“ hinein.

Als Michael Glawogger dann den Film sah, war er begeistert, obwohl es im Grunde ja noch immer derselbe Film, nur neu gemischt war. Da unser Aufwand für dieses Liveprojekt nicht klein war, haben wir uns bereits in Brüssel überlegt, wie wir das ganze anders aufziehen könnten. Neue Szenen, neu schneiden, all diese Ideen kamen uns. Der Michael ist darauf angesprungen und hat gemeint: „Super, mach das.“

CHiLLi: Wie schwierig war dann die Produktion, wenn Sie den Segen des Regisseurs schon hatten?
Timo Novotny: Ich musste zuerst zu Lotus Film, die als Rechteinhaber das ganze „Megacities“-Material besitzen. Dazu kamen die Budgetprobleme. Schließlich will niemand einem Mann Geld geben, der bis dahin noch keinen Film gemacht hat und jetzt ein achtzig-minütiges Musikvideo drehen will. Das ist natürlich Blödsinn, aber so wurde es aufgefasst. Der Filmfonds Wien hat schließlich positiv reagiert und meinte, da kommt endlich jemand mit einer Idee. Dann konnte es losgehen.

CHiLLi: Was wurde Ihnen dann von Lotus Film zur Verfügung gestellt?
Timo Novotny: Ich bekam das Rohmaterial. Insgesamt vierzig Stunden, ein Horror zum Arbeiten. Ich musste das erst einmal schneiden und in eine Form bringen, denn es war für mich wichtig, ein Drittel Material aus dem fertigen Film zu nehmen – um einen Wiedererkennungs-Effekt zu haben. Dazu kam ein Drittel aus dem Rohmaterial und dazu eine Erweiterung von mir. Dabei hat „Megacities“-Kameramann Wolfgang Thaler bereits einige Bilder gesehen und wollte unbedingt das neue Material mit mir gemeinsam drehen.

CHiLLi: Das ist das Konzept. Aber wie funktioniert nun ein Remix beim Film?
Timo Novotny: Es ist im Grunde dasselbe Prinzip wie bei einem Audioremix. Du hast deine Baseline, machst ein neues Schlagzeug oder nimmst neue Vocals, behältst aber eine Form bei, damit du das Original noch erkennen kannst.

CHiLLi: In den Credits steht, das Drehbuch wurde von Michael Glawogger und dir verfasst. Inwiefern haben Sie beide am neuen Drehbuch zusammengearbeitet?
Timo Novotny: Das Witzige ist, dass ich Michael am Ende der Arbeiten gefragt habe, was wir mit den Credits machen sollen, denn es ist ja sein Film. Ihm war das aber vollkommen egal. Ich hab ihn dann hineingeschrieben, denn schließlich hat er ja die Recherche gemacht und zumindest zwei Drittel des Films stammen ja von ihm. Das „Megacities“-Konzept ist von ihm, die Charaktere im Film haben die entsprechenden Fragen gestellt bekommen und das kann ich nicht umbauen. Daher wollte ich ihn drinnen haben.

Interview mit Timo Novotny weiterlesen …
 Geil auf eine 2D-Figur

Interview führte Patrick Dorner > [ Mail ],
Fotos von Eva Drnek > [ Mail ]

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