Drei Mal Kino der Marke Uwe Boll
„Ich bin in anderen Ländern bekannter als in Deutschland.“, sprach Uwe Boll im Interview. Doch auch in Deutschland hat Boll eine Fangemeinde, die sich vor allem auf seinen letzten drei Filmen gründet. Nachdem seine Filmkarriere in Deutschland nach vier Filmen beendet war, suchte er neue Pfade in den USA und schien – nach wenig aufregenden Werken wie „Blackwoods“ und „Sanctimony“ – damit zumindest eine ruhige Laufbahn vor sich zu haben. Doch seitdem sich der deutsche Regisseur der Verfilmung von Videospielen verschrieben hat, ist nicht nur sein Bekanntheitsgrad gestiegen. Ein Blick auf die drei letzten Projekte, die Uwe Boll so berühmt-berüchtigt machten.
Werbung
House of the Dead
Mit der Verfilmung des Ego-Shooters der Firma Atari im Jahre 2003 verärgerte Boll in bis dahin kaum gekanntem Ausmaß die Fangemeinde, sowohl in Film- als auch in Videospielkreisen. Was war geschehen? Ein Film, dessen Ausgangslage so simpel wie möglich ist – Teenager feiern auf einer Insel, als plötzlich Zombies die Party sprengen – scheitert genau an dieser Vorgabe. Während die Einleitung der einzelnen Teenager-Charaktere zumindest auch ein Wiedersehen mit zwei völlig überzogen aufspielenden Haudegen der Filmgeschichte – Clint Howard („Cinderella Man“) und Jürgen Prochnow („Das Boot“) – liefert, erstarrt der Film in Langeweile.
Daran ändern weder die eingeblendeten Szenen aus dem Originalspiel noch die minutenlangen Kämpfe mit den Zombies etwas. Diesen – so sehr auch auf einen hohen Blutzoll hingearbeitet wurde – mangelt es an überzeugenden Effekten und werden mit merkwürdig anmutenden Kamerafahrten inszeniert. Da mag die Originalvorlage bereits ziemlich sinnfrei gewesen sein, der Film zum Spiel kann keinen dramaturgischen oder unterhaltungstechnischen Anreiz liefern, sich die knapp neunzig Minuten Schlachtpalette – mit dramaturgisch diskussionswürdigem Ende – bis zum Ende anzusehen.
Alone in the Dark
Zwei Jahre später kam mit „Alone in the Dark“ die nächste Videospielverfilmung in die Kinos. Diesmal konnte sich Boll auf eine prominentere Besetzung verlassen. Christian Slater als Polizist Edward Carnby im paranormalen Einsatz wird als einsamer Kämpfer inszeniert, was am immerselben Gesichtsausdruck Slaters scheitert, während sein männlicher Kollege Stephen Dorff als Leiter einer Spezialeinheit vor allem böse in die Kamera blickt. Unterboten werden die beiden von einer grotesk fehlbesetzten Tara Reid („American Pie“), die als bebrillte Wissenschaftlerin nicht eine Sekunde lang zu überzeugen vermag.
Dazu kommt noch eine Inszenierung, die bruchstückhaft eine Geschichte erklären will, die wieder in einem diskussionswürdigem – offenen – Ende gipfelt, dass in keinster Weise aufklären oder Handlungsbögen abschließen will. Wenn zuvor wenigstens Grusel oder Spannung aufgekommen wären, dann könnte „Alone in the Dark“ als passabler Horrorfilm bestehen. Doch was bleibt, ist gähnende Langeweile, garniert mit schlecht animierten Monstern, die ihre menschlichen Gegner in minutenlangen Actionszenen erledigen. Der ungünstige Schnitt dieser Sequenzen lässt allerdings ein Gespür für großes Actionkino vermissen. Zumindest kann sich der Zuseher an einer hilflos agierenden Tara Reid amüsieren.
BloodRayne
Noch im selben Jahr kam der dritte und bislang am breitesten diskutierte Uwe Boll-Film in die US-Kinos. „BloodRayne“ konnte mit einer noch glanzvolleren Besetzung aufwarten. Da gibt Kristanna Loken („Terminator 3“) den Titelcharakter Rayne – ein Wesen: halb Mensch, halb Vampir – während Michael Madsen („Kill Bill“) den menschlichen Rebellen Vladimir mimt. Als großer Bösewicht darf Oscarpreisträger Ben Kingsley agieren, während in weiteren Rollen so prominente Gesichter wie Meat Loaf, Billy Zane oder Michelle Rodriguez auftauchen.
Dies hilft allerdings alles nichts. Uwe Boll verlegt das Geschehen von „BloodRayne“ – dessen Videospielhandlung in einem Nazibunker spielt – in ein mittelalterliches Fantasiereich. Dort hat der Regisseur allerdings größte Probleme, eine fantasygerechte Atmosphäre zu kreieren und versteigt sich auch noch in unmotivierten Details, wie dem Auftritt eines Trolls, der weder zuvor noch danach in die Handlung eingefügt wird. Doch ist „BloodRayne“ tatsächlich Bolls bislang bester Videospielfilm, der vor allem von den guten Splattereffekten Olaf Ittenbachs profitiert und leichte Verbesserungen in Schauspielerführung und Spannungsaufbau beweist, über das Niveau eines schwachen Horrorfilms allerdings nie hinauskommt. Unvermeidlich auch hier: das eigenwillig geschnittene offene Ende.
Ist der Ruf erst ruiniert ...
Ist Uwe Boll also wirklich so schlecht wie die Internetgemeinde behauptet? Auf Basis der drei Videospielverfilmungen kann diesem Urteil – welches auch von Kritikern der New York Times oder Variety gefällt wurde – nur schwer widersprochen werden. Der Einwand Bolls, seine Filme seien ohnehin nur als Actionunterhaltung gedacht, muss die mangelnde Qualität im Spannungsaufbau und der Visualisierung der Actionsequenzen entgegengehalten werden. Doch – so merkwürdig es klingt – scheint Uwe Boll lernfähig und es bleibt für ihn nur zu hoffen, dass seine kommenden Werke besser sind als die in den letzten Jahren vorgebrachten.
Mehr dazu ...
Der ewige Antisemitismus
Portrait: Uwe Boll
Bilder Bildergalerie: Die Pläne des Sohnes von Ed Wood
Links dazu ...
Externer Link Boll KG
Externer Link House of the Dead
Externer Link Alone in the Dark
Externer Link BloodRayne























