„300“ – Neu im Kino
„300“ ist zum Politikum geworden. Während die gleichnamige Graphic Novel von Frank Miller und Lynn Varley nur in Kreisen von Comicfreunden Aufsehen erregte, schaffte es der Film, die Beziehungen zwischen den USA und dem Iran weiter zu beschädigen. Die Frage,
die sich dabei stellt: War dies nicht aufgrund der Vorlage bereits abzusehen? Nein. Denn was sich Zack Snyder so alles an Freiheiten heraus nimmt, macht aus einem dynamischen Comic einen zu bemühten Film an der Schnittstelle von Historie, Fantasy und Comic.
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Schönes, männliches Sparta
Die Geschichte ist wohl bekannt. Das freie Sparta wird von der monströsen Armee des persischen Gottkönigs Xerxes I. mit der Auslöschung bedroht. Um die vollkommene Zerstörung seines Landes zu verhindern, soll sich König Leonidas (Gerard Butler – „Das Phantom der Oper“) dem großen und einzigen Herrscher der Welt unterwerfen. So zumindest bietet es ihm der Gesandte an und Leonidas’ diplomatischer Berater ist diesem Vorschlag nicht abgeneigt. Spartas König hat allerdings andere Pläne für sein Land und tötet den Gesandten.
Womit die Schlacht am Pass der Thermopylen beginnen kann. Leonidas tritt seinen Weg in den Krieg mit 300 getreuen Männern an, während die heimischen Priester und Diplomaten ihm eine Verstärkung versagen. Alles scheint bereits verloren, bevor der Ort des Gemetzels überhaupt erreicht wurde. Doch Xerxes und seine Männer haben nicht mit der Widerstandskraft und dem Willen von Sparta gerechnet.
Kampf gegen die Oberfläche
Die darauf folgenden Schlachten sind das Herzstück, nicht nur der Graphic Novel, sondern auch des Filmes, trotz aller Bemühungen von Regisseur/Autor Zack Snyder, sich der Oberfläche mit eigenständigen Ideen zu bemächtigen. Es scheint, als ob der gefeierte Jungregisseur, der in seiner Heimat mit schnell geschnittenen Werbespots Bekanntheit erlangte und weltweit mit dem actionreichen Remake von George A. Romeros Zombieklassiker „Dawn of the Dead“ für Aufsehen sorgte, in einer Hassliebe zum Material verbunden wäre. Da zelebriert er souverän die Schlachten und führt in Sandalenfilmmanier durchtrainierte Spartaner in den Krieg, nur um die Geschichte um Verrat, groteske Monster und krampfhaft bemühte Konflikte zu erweitern.
Kein Charakter in „300“ hat so etwas, was mit Tiefe gleichgesetzt werden könnte. Noch nicht einmal der charismatische König Leonidas – dem Gerard Butler einen wunderbaren Bart schenkt – berührt. Seine Kindheit und Ausbildung verpuffen trotz aufwändiger Aufbereitung im pathetischen Schwulst. Daneben agieren etliche Charaktere, deren Gesichter vage in Erinnerung bleiben, deren Namen sich in bester „Star Trek“-Manier allerdings nie wirklich im Gedächtnis festsetzen. Snyders „300“ ist am besten, wenn er dem Originalmaterial getreu bleibt und mit rasantem Schnitt und wuchtiger Optik den aussichtslosen Kampf gegen die persische Übermacht porträtiert.
Ärgerliche Politik
Wie konnte dieser Film, der seine Kämpfer wie Olympioniken wie in einer Inszenierung Leni Riefenstahls aussehen lässt, nun zur Störung bilateraler Beziehungen führen? Das ist leicht erklärt. Wer will, kann viel in dieses Werk hineininterpretieren, denn Snyder lenkt vom eigentlichen Fundament – der Bewegung und der Oberfläche – ab und versteigt sich in ungustiösen Charakterisierungen und Übertreibungen. Die Gesandten Xerxes’ sind dunkle Wesen, die zum besseren Verständnis auch noch mit Schwarzfilter ausgeblendet werden. Um die Monstrosität der persischen Armee auszuarbeiten, agieren mutantenähnliche Zwitterwesen auf deren Seite und sorgen mit ihren Deformationen für ein äußerst verzerrtes Bild des Bösewichts.
Dazu kommt noch die Rolle des Diplomaten auf Seiten der Spartaner, dessen Bemühungen sich einzig als widerliches Ränkespiel entpuppen. Die Macht der Worte wird auch abschließend entkräftet durch die durchschlagende Wirkung eines gut geschliffenen Schwertes. Dagegen nehmen sich all der Pathos der Inszenierung und seine interessante, aber nicht revolutionäre Optik geradezu harmlos aus. „300“ hat dank all dieser Qualitäten die besten Chancen, als filmhistorische Fußnote einer nicht enden wollenden Comicfilmwelle zu enden.
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