In „42plus“ hilft ein junger Mann einer verheirateten Frau, sich selbst zu finden
Urlaub: Sonne, Strand, Meer, dazu ein luxuriöses Strandhaus und eine Familie, die sogar nicht davor zurückschreckt, als Geburtstagsüberraschung eine Einlage in Matrosenanzügen zu geben. Eigentlich hätte Christine (Claudia Michelsen) alles im Leben, von einem erfolgreichen Job bis hin zu einem gut aussehenden Geliebten. Ein Leben also, von dem viele andere nur träumen können. Und doch scheint ihr etwas Wesentliches zu fehlen, etwas, dass im normalen Alltagsleben unbemerkt vorüberzieht, sich jedoch innerhalb der Ausnahmesituation der Ferien zu einem gigantischen Vakuum entlädt, dem Christine sich mit aller Energie wieder entreißen muss.
Werbung
Zurück zum Glück
Als sie auf den jungen, unbekümmerten, strohblonden Tamaz (Jakob Matschenz) trifft, der zwar keinen Platz zum Schlafen hat, dafür aber über strahlend blaue Augen und einen Waschbrettbauch verfügt, kommen in Christine all jene Sehnsüchte hoch, die sie in den letzten Ehejahren vermisst hat. Selbst eine Affäre mit dem besten Freund ihres Mannes konnte ihre Wünsche nicht erfüllen. Als dieser dann auch noch mit dessen Frau auftaucht, scheint die Krise perfekt. Christine beginnt sich aus ihrer Erstarrung zu reißen und beschließt ihre Gefühle ohne Rücksicht auf Konsequenzen auszuleben.
Make Love not War
Diese sollten schließlich auch ausbleiben. Die Rückkehr zur jugendlichen Unbekümmertheit und ihren Idealen, als wahrhaft funktionierende Lebenseinstellung, scheint als Resümee des Filmes in ihrer Aussage als eine Art Lebenshilfe zu stehen. Christine und ihr Mann Georg (Ulrich Tukur) finden nicht nur zu sich selbst zurück, sondern auch wieder zu einander. Die Rückbesinnung auf seine eigentlichen Gefühle scheint die Allroundlösung sämtlicher Probleme zu sein, und dass mit umfassender Wirkung: Der junge Lover wird der betrogenen Freundin, die sich sogar noch für die Affäre mit ihrem Mann bedankt, weitergereicht. Das erlebte Glück wird geteilt und somit noch vermehrt.
Eine etwas romantische Einstellung, die sich durch die erste Liebe der pubertierenden Tochter noch erhärtet, die scheinbar keine typischen Probleme mit dem Erwachsenwerden hat, sondern der sich die erwünschten Hoffnungen zugleich erfüllen und der Liebeskummer und natürliche Ängste und Zweifel, wie etwa vor dem ersten Mal, völlig fremd erscheinen.
Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
Dennoch liefert „42plus“ das sensible Bild einer weiblichen Midlife-Crisis, die umfassend und reflektiert dargestellt wird und auch bekannte Klischees hinterfragt. In schönen Stimmungsbildern fängt Derflinger die Gefühlswelt ihrer Protagonistin ein, die von Claudia Michelsen sinnlich und überzeugend wiedergegeben wird. Auch Tobias Moretti als snobistischer Geliebter weiß zu überzeugen, dessen Frau, die von Petra Morzé dargestellt wird, wirkt etwas unwahrscheinlich. Auf drastische und provokante Szenen wird gänzlich verzichtet, das Liebesspiel jeweils durch einen Schnitt übersprungen.
Sabine Derflinger ist ein Film gelungen, der nicht nur die Bedürfnisse der Zuseher anspricht und zur Selbstreflexion anregt, sondern gelegentlich auch das eine oder andere Schmunzeln entlockt.
Mehr dazu ...
Sabine Derflinger: „Trennung ist ein Privileg“
Zehn Jahre Diagonale
Kommentar Baustelle Österreich
Links dazu ...
Externer Link Sabine Derflinger
Externer Link Dor Film
Externer Link Diagonale























