„Letters from Iwo Jima“- Neu im Kino
1945 erreichte eine kleine Insel, zirka tausend Kilometer südlich von Tokyo, traurige Berühmtheit: Sie wurde Schauplatz einer der blutigsten und verlustreichsten Schlachten des Pazifikkrieges. Iwo Jima war für die Amerikaner von strategischer Wichtigkeit, da sie planten, die schweflige Insel als Landeplatz für ihre Japan attackierenden Begleitjäger zu nützen. Der Fall Iwo Jimas wurde mit der inoffiziellen Niederlage Japans gleichgesetzt und erklärt den Befehl an die japanischen Truppen: „Kämpft bis zum bitteren Ende und tötet mindestens zehn eurer Gegner, bevor ihr selbst sterbt!“
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Einzelschicksale inmitten einer grauen Masse
Rund 21.000 japanische Soldaten ließen ihr Leben im schwarzen Sand von Iwo Jima. Das einzige Relikt, das es vermag, diesen Toten ein Gesicht zu verleihen, ist ein Bündel Briefe, das man eingegraben in einer der vielen Tunnel fand. Einer der Männer, dessen Schicksal sich auf der Insel besiegelte, war der berühmte Generalleutnant Tadamichi Kuribayashi, der mit der Verteidigung der Insel betraut wurde. Nur seiner strategischen Kriegsführung, die sich durch Tunnelsysteme und gefestigte Bunker vor allem am Mount Suribachi auszeichnete, war es zu verdanken, dass die Verteidigung der Insel beinahe eine Woche standhielt. An seiner Seite kämpfte auch Baron Nishi, der unter den Soldaten fast als Berühmtheit galt, da er bei den olympischen Spielen als siegreicher Reiter hervorging.
Banzai Angriff
Im Gegensatz zu den führenden Positionen, gehört der Bäcker Saigo der einfachen Infanterie an. Dementsprechend schwarz sieht er seine Chance, jemals seine neugeborene Tochter in den Arm nehmen zu können. In den Briefen, die er – fast schon notorisch – an seine Frau schreibt, wird das Ausmaß seiner Verzweiflung deutlich, und auch der Militärpolizist Shimizu beginnt angesichts der Grausamkeit des Krieges an seinem Patriotismus zu zweifeln. Besonders in der letzten Hälfte des Films lernt der Zuseher die wahre Bedeutung eines Banzai Angriffs kennen, der das infanteristische Gegenstück zum Kamikaze Angriff aus der Luft darstellt. Das unerbittliche Blutvergießen, die Verzweiflung und der „ehrenhafte“ Kampf bis zum letzten Mann gipfeln schließlich in der unumgänglichen Niederlage.
Die Chancen auf den Oscar
Clint Eastwood hat in diesem Werk alle Trümpfe ausgespielt. Wie die meisten Kriegsfilme löst auch „Letters from Iwo Jima“ starken Emotionen im Zuschauer aus: Empathie mit den Soldaten, die Betroffenheit über das Leiden, das unerträgliche Entsetzen und das Zweifeln daran, dass dieses sinnlose Töten wirklich stattgefunden hat und noch immer stattfindet. Hinzu kommt die neue japanische Sichtweise, abseits von den unzähligen amerikanischen oder deutschen Verfilmungen, die sich dem Zweiten Weltkrieg widmen. Dem Publikum wird die Geschichte aus der Sicht aller Beteiligten erzählt und somit wird der Krieg von allen Seite beleuchtet. Aus diesen Gründen besticht „Letters from Iwo Jima“ nicht nur durch seine Authentizität, sondern erhebt sich auch mit Leichtigkeit über seinen Vorgänger „Flags of our Fathers“ hinweg.
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