„Rocky Balboa“ – Neu im Kino
Als Sylvester Stallone 1976 als Hauptdarsteller in „Rocky“ auf die Leinwand trat, tat er dies nach einem selbstverfassten Drehbuch. Die Legende will es, dass Stallone – ohne Geld und mit dem Mut der Verzweiflung – das Drehbuch in wenigen Tagen verfasste und nur unter der Bedingung an ein Studio verkaufte, selbst die Titelrolle spielen zu dürfen. Der Rest ist Filmgeschichte. „Rocky“ wurde mit drei Oscars ausgezeichnet, unter anderem als bester Film und Stallone selbst erhielt Nominierungen als bester Hauptdarsteller und für das beste Drehbuch. Genau dreißig Jahre später tritt Rocky das letzte Mal im Ring an.
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Alter Kämpfer zurück im Ring
Rocky Balboa hat scheinbar zur Ruhe gefunden. Seine glorreichen Kämpfertage sind vorbei, er beschränkt sich darauf, sein kleines Lokal „Adrian“ zu betreiben und mit nostalgischen Geschichten aus vergangenen Tagen die Kundschaft zu erfreuen. Die Erzählungen scheinen jedoch wie eine Last für ihn zu sein, die ihn immerzu begleiten. Wie auch die Wut über den Verlust seiner Ehefrau Adrian, deren Grab er jeden Tag besucht und an dem er im Stillen gedenkt.
Sein Sohn Rocky Junior („Gilmore Girls“-Feschak Milo Ventimiglia) hat wiederum darunter zu leiden, im Schatten seines übermächtigen und immer noch populären Vaters zu stehen. Wo immer er auftaucht, sehen die Menschen in ihm nur ein Abbild des „Italian Stallion“. Als der alte Rocky dann auch noch ein Comeback auf lokaler Ebene bestreiten will, scheint er den Kontakt zu seinem Sohn endgültig zu verlieren. Doch die Beziehung der beiden soll sich ändern, als eines Tages ein Sportsender per Computersimulation den aktuellen und äußerst unpopulären Schwergewichtsweltmeister Mason Dixon (Antonio Tarver) gegen den alten Rocky Balboa antreten lässt. Dixon verliert, sein Ego ist angekratzt und so wird ein Kampf zwischen den beiden vereinbart.
Nostalgie für Fans
Sylvester Stallone wusste laut Interviews ganz genau um die Gefahr, sich mit seinem Projekt lächerlich zu machen. Doch Stallone hat auf die Zeichen der Zeit geachtet und lässt seinen gealterten Kämpfer weniger als Kopie eines Evander Holyfield oder George Foreman in den Ring steigen, sondern vielmehr als wandelnde Nostalgie-Maschine. Der geneigte „Rocky“-Fan wird sich somit an den unzählig eingespielten Archivaufnahmen aus den früheren fünf Rocky-Filmen satt sehen sowie hart an der Schmerzgrenze operierende Musik- und Kameraeinlagen goutieren.
Doch abseits dieser Mängel weiß „Rocky Balboa“ überraschend zu überzeugen. Stallone liefert eine ansprechende darstellerische Leistung als von Wut und Schmerz zerfressener Mann, der sein Comeback auch als Chance versteht, mit den Dämonen seiner Vergangenheit ins Reine zu gelangen und mit seinem Sohn endlich wieder ein geordnetes Verhältnis aufzubauen. Anhand dieser grundlegenden Konflikte ist allerdings auch das sehr konservativ verfasste Drehbuch zu erkennen, das wiederum in eine routinierte und zurückhaltende Inszenierung Stallones mündet, deren Hang zur pathetischen Zeitlupe mit darüber gelegtem Farbfilter als nostalgischer Verweis noch zu verschmerzen ist.
Nichts geht ohne Rocky
Die größte Schwäche von „Rocky Balboa“ – oder „Rocky 6“ – ist jedoch weder der hohe Nostalgiegehalt noch die simple Grundintention des Drehbuchs, sondern vielmehr das unzureichend ausgearbeitete Geäst aus Nebenhandlungen. Wenn Rocky die Kellnerin Marie (Geraldine Hughes – „Duplex“) und ihren Sohn Steps (James Francis Kelly III – „Eine himmlische Familie“) kennen lernt, baut sich eine zart angedeutete Liebesbeziehung auf, die in ein väterliches Verhältnis mit Steps mündet, wodurch im Grunde eine Rivalität zwischen Rocky Junior und Steps aufgebaut wird. Doch Stallone belässt es bei einer halb-aufgebauten Beziehung und widmet sich einer übereilt abgehandelten Trainingseinheit, in der der Kämpfer zu alter Form finden soll, um diesen Konflikt zu begraben. Was sich in der Zwischenzeit mit Marie und den beiden jungen Männern ergibt, überlässt Stallone dem ratlos darüber sinnierendem Publikum.
„Rocky Balboa“ ist ein gekonnter und bis an die Grenze des erträglichen nostalgischer Box- und Familienfilm, der von einem überraschend guten Sylvester Stallone profitiert. Dieser zeigt sich auf gewohntem Terrain in Hochform und hebt so die Schwächen seines Drehbuchs ebenso auf, wie die vernachlässigbaren Leistungen seiner Nebendarsteller.
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