„Mein Führer“ – Neu im Kino
Noch nie zuvor hat sich ein deutscher Filmemacher mit Adolf Hitler auf die komödiantische Art und Weise beschäftigt. Insofern betritt Dani Levy heikles Terrain. „Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“ heißt das neueste Werk des in der Schweiz geborenen jüdischen Regisseurs Levy mit vollem Titel.
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Adolf trifft Adolf
Zum Inhalt: Jahreswechsel 1944 auf 1945. Adolf Hitler (Helge Schneider), der Führer des „Tausendjährigen Reiches“ soll im Berliner Lustgarten eine Neujahrsrede halten, um das Volk nicht daran zu erinnern, dass der totale Krieg schon total verloren ist. Da sich Hitler weigert, zu kapitulieren, soll das Volk noch einmal aufgefordert werden, trotz der nahenden Niederlage weiterzukämpfen. Hitler scheint am Ende seiner Nerven und Kräfte zu sein, doch sein Propagandaminister Joseph Goebbels (schurkenhaft amüsant: Sylvester Groth) hat noch einen letzten Trumpf im Ärmel. Hitlers ehemaliger Schauspiellehrer, Professor Adolf Grünbaum (Ulrich Mühe), ein Jude, soll ihn fünf Tage vor der großen Rede noch einmal trainieren und aufpäppeln. Nur er kann ihm jetzt noch helfen.
Hitler ganz privat
Für Levy, der vor zwei Jahren mit seiner deutsch-jüdischen Komödie „Alles auf Zucker“ einen großen Erfolg landen konnte, war es an der Zeit, dem Kinopublikum einen neuen Zugang zum Nationalsozialismus und zu Adolf Hitler zu ermöglichen. Levy verzichtet aber auf eine rein realistische Darstellung Adolf Hitlers. Er versucht hinter die Fassade zu blicken und will den labilen Menschen hinter dem abscheulichsten Monster der Weltgeschichte zeigen. Historische Fakten und Authentizität haben in Levys Komödie nicht unbedingt eine Vorrangstellung. Er nutzt die Spielräume der Komödie und zeigt Hitler als Schwächling, der wie eine Memme heult, mit seinem Schäferhund Blondi um die Wette kriecht und hechelt und in sein Bett macht.
Herr Schneider, übernehmen Sie
Der vielseitige deutsche Entertainer Helge Schneider ist in „Mein Führer“ in die Rolle des Adolf Hitler geschlüpft. Hinter seiner Hitler-Maske ist er als die selbst kreierte und bekannte Kultfigur Schneider nicht zu erkennen. Er spielt durch und durch „den Führer“, aber nicht den Demagogen Hitler, sondern den geistig angeknacksten Privatmenschen. Schneiders Hitler-Darstellung wirkt durch die gespielte Armseligkeit der Figur unfreiwillig komisch. Seine Schauspielleistung ist überzeugend, aber nicht überragend. Ulrich Mühe spielt den sympathischen Adolf Grünbaum und so wirkt er auch auf den Zuschauer: zurückhaltend und herzlich. Besonders amüsant ist Sylvester Groth alias Joseph Goebbels, der einen gefährlichen Diplomaten, fiesen Schurken und charmanten Verführer mimt.
Tabuthema!?
Alleine wegen seiner heiklen Thematik sorgt „Mein Führer“ schon seit Wochen für viel Aufsehen und Kritik. Da es sich um eine Komödie über Adolf Hitler handelt – eines der letzten Tabuthemen überhaupt – liegt es auf der Hand, dass das öffentliche Interesse sehr groß ist. Doch gefährlich ist der Film deswegen trotzdem nicht, da er vorsichtshalber nicht an die Grenzen des Filmgenres der Komödie geht. Dani Levy wollte durch übertriebene Darstellungen und die so genannte „inszenierte Realität“ nur ein wenig provozieren.
„Mein Führer“ will weder die nationalsozialistischen Gräueltaten des Zweiten Weltkriegs verharmlosen noch will der Film das historische Bild Adolf Hitlers abschwächen oder verändern. Der Film soll den Zugang zu anderen Anschauungsmöglichkeiten und neuen Blickwinkeln ermöglichen, außerdem soll das Kinopublikum der heutigen Zeit im Allgemeinen für derartige Themen sensibilisiert werden.
Medienwirksam
Der für seine Exzentrik bekannte Helge Schneider hat sich mit dem Näherrücken des Starttermins von „Mein Führer“ immer mehr von seiner Rolle als Adolf Hitler distanziert und dem fertigen Film kritisiert. Eine Taktik, um für den Film medienwirksam zu werben oder auch nur die Selbstinszenierung des unumgänglichen Künstlers Schneider. Aber auch die Gegner, Befürworter, Zweifler und Fans, alle sind sie – gewollt oder ungewollt – in den letzten Tagen zum verlängerten Arm der Werbung für „Mein Führer“ geworden. Die Mischung aus kontroversem Tabuthema und viel Medienrummel war schon seit eh und je ein Garant für klingelnde Kinokassen.
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