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Kommentar Jungspund Bond

Zunächst ein paar lästige Auftragsmorde ...
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... und dann ran an die großen Gegner und schönen Frauen
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„Casino Royale“ – Neu im Kino

Vier Jahre sind seit „Stirb an einem anderen Tag“ vergangen, dem letzten James Bond-Abenteuer mit Pierce Brosnan. Die Produzenten Barbara Broccoli und Michael G. Wilson entwarfen ein Verjüngungskonzept für Bond. Glücklicherweise entschieden sich die beiden gegen einen „James Bond Junior“ mit Orlando Bloom und nahmen stattdessen die Neuverfilmung des ersten Romans von Ian Fleming in Angriff: „Casino Royale“.

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Blonder Bube
Auftritt Daniel Craig: Der Brite mit dem kantigen Äußeren war eine mutige Entscheidung, kommt aber zur richtigen Zeit, um die Bond-Franchise möglicherweise auf einen neuen Weg zu führen. Nach etwa 144 Minuten „Casino Royale“ stellt sich jedoch die berechtigte Frage, ob der Film selbst das Zeug dazu hat, der skurril gewordenen Filmreihe einen neuen Schub zu verleihen.

Dabei wirkt der Beginn noch sehr frisch und unverbraucht, obwohl der in Schwarzweiß abgefilmte Auftritt von James Bond in Prag wie eine Reminiszenz an den Kalten Krieg wirkt. Der noch nicht zum Doppelnullagenten beförderte Bond muss zwei Männer liquidieren, ehe ihm die Ehre der Beförderung zuteil wird. Ein Verräter in den eigenen Reihen und sein Kontaktmann sind da willkommene Ziele. Das darauf folgende bunte Titelintro, das in seiner Farbenpracht die rauen und farblosen Geschehnisse der vorhergehenden Minuten außer Kraft setzt und ein harmloser Titelsong fügen sich in das bis zu diesem Zeitpunkt bemüht wirkende Konzept.

Bond als Pilot
Doch in „Casino Royale“ bekommt es Bond natürlich bereits in seinem ersten Auftrag mit einem scheinbar übermächtigen und größenwahnsinnigen Kontrahenten zu tun. Der Investmentbanker und notorische Pokerspieler Le Chiffre (Mads Mikkelsen – „Adams Äpfel“) verwaltet das Vermögen internationaler „Freiheitskämpfer“. Doch als ein Plan zur Erhöhung seines Aktienvermögens katastrophal schief geht, sieht er sich gezwungen, in seinem privaten Kasino in Montenegro ein auf mehrere Millionen Dollar dotiertes Spiel zu organisieren.

Bond wird darauf angesetzt und ihm zur Seite steht die hübsche „Schatzverwalterin“ Vesper Lynd (Eva Green – „Königreich der Himmel“). Der weitere Verlauf des Films hält sich, bis auf kleinere Details, an die Vorlage von Ian Fleming, was bei vielen James Bond-Fans wahrscheinlich für Pluspunkte sorgen wird. Dies hat aber zur Folge, dass „Casino Royale“ ab dem zweiten Handlungsdrittel wie der überlange Pilotfilm einer sehr teuren Serie wirkt. Tatsächlich werden viele wichtige Nebencharaktere eingebaut, die noch nicht einmal vorgestellt werden – etwa CIA-Agent Felix Leiter, der von einem sichtlich unterforderten Jeffrey Wright („Syriana“) dargeboten wird – oder die am Ende eines Handlungsfadens hängen bleiben, der offenbar erst im nächsten Bond-Film näher erläutert wird.

Die Sehnsucht nach dem Kalten Krieg
Das von den Stammautoren Neal Purvis und Robert Wade in Zusammenarbeit mit Paul Haggis („Million Dollar Baby“) gefertigte Drehbuch hat einen Hang zur lähmenden Erzählung. So sehr manche Kritiker immer wieder einen tiefer gehenden und ernsteren Bond forderten, so sehr zeigt sich auch, dass dies nicht mit einem Liebesgeständnisse von sich gebenden Mann verbunden ist, der aus Tollheit all seine Grundsätze über Bord wirft. Dabei sind es gerade die noch ungeklärten und auszuarbeitenden Charakterzüge des später so in sich festgefahrenen James Bond, die „Casino Royale“ seine ironische Note verleihen und die Daniel Craig auch ansprechend darstellt.

Leider vertraute aber offensichtlich auch Regisseur Martin Campbell – der mit „GoldenEye“ für den letzten herausragenden Beitrag dieser Filmreihe verantwortlich zeichnet – auf seine Autoren und lässt Bond zumeist schmachten oder zweifeln. Der Schwung des ersten Handlungsdrittels, in dem Bonds Ungestümheit auf den Zynismus seines Bosses M – Judi Dench, die wieder beweist, dass sie die Idealbesetzung für diese Rolle ist – trifft und seine Handlungen entsprechendes Chaos anrichten, verflüchtigt sich spätestens im „Casino Royale“ bei den entscheidenden Pokerpartien. Da möchte der Zuseher die Sehnsucht von M teilen, die „den Kalten Krieg vermisst“.

Ecken, Kanten aber kein Charme
Die guten Ansätze werden atemberaubend schnell wieder verspielt und damit auch die interessante Darstellung Daniel Craigs – der im Gegensatz zum charmanten Pierce Brosnan eine völlige Kehrtwendung macht und dem Egoismus Bonds mehr Tribut zollt. Gerade im ersten Abenteuer eines neuen Bond-Darstellers muss beinahe alles passen. So fulminant Brosnan mit „GoldenEye“ auftrat, so flügellahm wirkt Craig nun aufgrund von „Casino Royale“.

Mehr dazu ...

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 Externer Link Casino Royale

Rezension von Patrick Dorner > [ Mail ]

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