„Glück in kleinen Dosen“ – Neu im Kino
Von Hollywoodstar Tom Cruise kann jeder halten was er will, doch in einem Punkt hat er sicher Recht: Die amerikanische Jugend wird mit Medikamenten ruhig gehalten. So wächst eine stets sedierte Gesellschaft heran, die sich apathisch in ihr Schicksal fügt.
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Der Kern des „Le Monde diplomatique“
In dem amerikanischen Vorort Hillside lebt eine Gesellschaft, wie sie sich Tom Cruise in seinen schlimmsten Albträumen herbei imaginieren könnte. Eine perfekte Welt, die nur deshalb funktioniert, weil die Jugend dieses Ortes mit Tabletten voll gepumpt wird. Versorgt werden die Schüler der örtlichen Highschool von Troy. Es ist eine Idylle, bis sich der jugendliche Drogendealer ohne jede Vorwarnung erhängt. Als sein bester Freund Dean (Jamie Bell – „King Kong“) ihn findet, weiß er nicht, wie er darauf reagieren soll und lässt den Leichnam einfach zurück. Die geschockten Familien können sich nicht erklären, wie es dazu kommen konnte, und sie wollen auch das Gerücht ignorieren, dass ihre Jugend nur mit Tabletten den Alltag übersteht. So etwas kann und darf nicht sein.
Dabei wirkt diese Welt, als hätte Regisseur und Autor Arie Posin sich des Artikels „Eingebildete Kranke machen die Pharmaindustrie gesund“ aus der deutschen Ausgabe von „Le Monde diplomatique“ angenommen. Denn schon dort wird von einer Pharmaindustrie gesprochen, der es nur Recht und billig ist, jede menschliche Regung als Krankheit zu definieren und dafür eine passende Pille zu entwickeln. Wie sich die Schüler – zum Teil auf Anraten von Psychiatern – willig dem apathischen Rausch hingeben, wirkt wie die konsequente Fortführung dieses Artikels. Doch „Glück in kleinen Dosen“ will mehr sein.
Urbaner Wahnsinn
Hillside wird von Spielfilmdebütant Posin als Panoptikum der Neurosen und des Wahnsinns präsentiert. Da wirkt die abgestumpfte Jugend, die sich für nichts wirklich interessiert und in dumpfen Computerspielen Zuflucht sucht, noch am normalsten. Doch ihren Drang nach Drogen können sie nicht verbergen, weshalb den meisten Schülern der Selbstmord Troys nur deshalb nahe geht, da er den gesamten Vorrat gebunkert hat.
Aus diesem Grund entführen Billy (Justin Chatwin – „Krieg der Welten“) und Crystal (Camilla Belle – „Unbekannter Anrufer“) den kleinen Bradley, in der Annahme, den Bruder Deans gefasst zu haben. Leider haben sie sich geirrt, was ihnen aber nichts ausmacht. Wenn Dean nicht die Drogen seines einstigen besten Freundes heranschafft, töten sie den anderen Bradley.
Sorgloser Egoismus
Die Polizei von Hillside bemerkt die Entführung gar nicht, da die Mutter von Bradley ohnehin in Hochzeitsvorbereitungen verstrickt ist und zugleich damit zu kämpfen hat, dass ihr zukünftiger Ehemann, Bürgermeister Michael Ebbs (Ralph Fiennes – „Der ewige Gärtner“), plötzlich von Delphinen zu phantasieren beginnt. Ihren Sohn Bradley vermisst sie in diesem Terminchaos nicht im Mindesten.
Zur selben Zeit versucht Troys Mutter Carrie (Glenn Close – „Die Frauen von Stepford“) eine Beerdigung zu organisieren und trifft auf das unverhohlene Desinteresse ihrer Nachbarn, die weder von der bevorstehenden Beerdigung, noch vom aufkommenden Wahnsinn Carries etwas wissen wollen. Nur Dean versucht, sich ebenso mit seiner unterdrückten Trauer auseinanderzusetzen, wie es Carrie tut. Doch nebenbei soll er eigentlich Troys Drogenlager leer räumen um Bradley vor dem Tod zu retten.
So viele Charaktere, so viele Konflikte
Arie Posin ist mit sehr hohen Ambitionen an seinen ersten Spielfilm heran getreten, und die Darstellung von Drogen- und Tablettenmissbrauch in einer abgestumpften westlichen Gesellschaft liegt im Trend der Zeit. Neben Tabak- und Waffenkonzernen sind Pharmafirmen die neue beliebte Zielscheibe der Kreativen in Hollywood. Doch Posin verheddert sich in seinem Drehbuch, in dem er viel zu viele Charaktere einflechtet, als das sich für jeden einzelnen Sympathie oder Anteilnahme entfalten könnte.
„Glück in kleinen Dosen“ ist eine exzellent besetzte Satire, die an ihren verschiedenen Erzählsträngen leidet und deshalb seine „Moral von der Geschichte“ nie wirklich an den Mann bringen kann.
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