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Kommentar Die Windmühlen namens Ideale

Ein Mann voller Ideale ...
Ein Mann voller Ideale ...
... zerbricht an der Realität: Ryan Gosling in „Half Nelson“
... zerbricht an der Realität: Ryan Gosling in „Half Nelson“

„Half Nelson“ ist ein eindringlicher Blick in
das Innenleben eines idealistischen Lehrers

Das Genre des „sozialen Highschooldramas“ ist in den USA derart beliebt, dass die kommerziell erfolgreichsten Ausläufer auch in Europa unerwarteten Ruhm ernten konnten. Die bis dato erfolgreichste Übung in diesem Fach ist das Michelle Pfeiffer-Vehikel „Dangerous Minds“. Eine intelligente Neu-Anordnung der Genre-Versatzstücke zeigt sich in Ryan Flecks „Half Nelson“.

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Was wäre ein Leben ohne Ideale?
Dan Dunne (Ryan Gosling – „Stay“) ist ein junger Lehrer an einer Highschool in Brooklyn. Sein Unterricht in Geschichte und als Basketball-Trainer für das Mädchenteam soll den Jugendlichen aus den Slums der Millionenmetropole New York Respekt voreinander beibringen. Vor allem will Dunne den jungen Burschen und Mädchen einen Begriff von Bürgerrechten und Demokratie geben.

Doch der Alltag in der Schule und die bürokratischen Hürden erschweren dem idealistischen Lehrer ein Weiterkommen innerhalb seiner beruflichen Grenzen. Schon bald sieht er sich mit der persönlichen Enttäuschung konfrontiert, die auch auf sein Privatleben übergreift. Dan rutscht in die Drogensucht ab und es kostet ihm all seine Kraft, das Doppelleben aufrecht zu erhalten.

Autorität und Freundschaft
In den Abschlusstiteln steht „Ein Film von Ryan Fleck und Anna Boden“. Eine Bezeichnung die mehr als gerecht erscheint, wenngleich dies nur auf die Zusammenarbeit am Drehbuch zutrifft, während Fleck alleine verantwortlich für die Regie zeichnet.
Der von dem Duo gemeinsam gezeichnete Charakter Dan Dunne ist durch das intelligente Drehbuch ein glaubwürdiger Lehrer, der vor allem auch an dem eigenen Widerspruch zerbricht, einerseits Autoritätsperson zu sein und andererseits selbst noch jung genug zu sein, um freundschaftliche Beziehungen zu den jugendlichen Schülern pflegen zu können.

Darin liegt auch der Wendepunkt von „Half Nelson“: Dan kauert wieder mal in der Schultoilette und gibt sich seiner Drogensucht hin, als ihn Drey (Shareeka Epps), eine seiner Schülerinnen entdeckt. Die kritische Situation entpuppt sich als Ausgangspunkt einer tiefen Freundschaft zwischen dem Lehrer und der Schülerin. Womöglich eine Chance für beide, aus ihren jeweiligen Problemen heraus zu finden?

Lehrhafte Tour de Force
Ryan Gosling trägt das Außenseiterporträt „Half Nelson“ durch seine intensive Darstellung des an der Welt verzweifelnden Dan. Egal ob in seinem Unterricht, als Basketball-Trainer oder mit einer Frau im Bett, er kann sich nie von seinen Depressionen und seiner Sucht befreien. Auch die Freundschaft zu Drey wird für ihn zu einem Prüfstein, der vor allem seine Karriere belastet. Doch auch für das junge Mädchen ist diese Beziehung voller Probleme.

Shakeera Epps kann die Zweifel der pubertären Drey glaubhaft darstellen und bietet durch ihren Erzählstrang ein adäquates Gegengewicht zum Schicksal von Dan. Während er immer weiter zu versinken droht und auch in seiner Familie keinen Rückhalt zu finden scheint, begibt sich Drey immer tiefer in die Probleme ihrer eigenen Familie. Unterstützung findet sie kaum, denn ihre alleinerziehende Mutter arbeitet, wenn Drey Hilfe benötigen würde. Ein sozialer Teufelskreis. Epps’ minimalistische Darstellung trifft dabei genau den richtigen Ton in diesem nachdenklichen Film, in dem die Emotionen hochschaukeln, wenn die Schüler ihre Referate zum Thema Demokratie und Bürgerrechte halten. Die eingearbeitete Rückschau auf den Allende-Putsch 1972 oder die Ermordung homosexueller oder schwarzer Politiker sind der gesellschaftspolitische Leitfaden eines ansonsten sehr persönlichen Films.

Dramatische Routine
Einziger Makel an „Half Nelson“ ist die bereits bekannte Geschichte, denn im Grunde zeigen Ryan Fleck und Anna Boden keine Neuigkeiten allerdings neue und bislang wenig aufgefallene Talente wie Ryan Gosling, Shakeera Epps oder den ebenfalls sehr gut spielenden Anthony Mackie. Vor allem Gosling empfiehlt sich als Oscar-Anwärter, während es für das kreative Duo hinter der Kamera noch dauern wird, ehe sie einen weniger verbrauchten Stoff finden, mit dem sie internationales Lob einheimsen werden.

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Rezension von Patrick Dorner > [ Mail ]

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