Vier Kurzrezensionen als Überblick über
das diesjährige Viennale-Programm
Ein legendäres amerikanisches Filmgespann, eine französische Komödie über Liebe und Depressionen, ein asiatisches B-Movie und eine katalanische Annäherung an „Don Quijote“ von Miguel Cervantes. Die Viennale zeigt sich von ihrer gewohnt ruhigen und dennoch vielfältigen Seite.
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American Masters: John Ford/John Wayne
Die Dokumentarreihe „American Masters“ existiert seit 1983 und hat seitdem so unterschiedliche Persönlichkeiten des amerikanischen Kunstschaffens porträtiert wie Ray Charles, Nat King Cole, Dashiell Hammett oder den Briten Alfred Hitchcock. Regisseur Sam Pollard nahm sich in seiner ersten „American Masters“-Arbeit der fruchtbaren Zusammenarbeit von John Ford und John Wayne an.
Das - laut Peter Bogdanovich - größte Liebespaar Hollywoods arbeitete an vierzehn Filmen. Darunter Klassiker wie „The Searchers“, „The Man Who Shot Liberty Valance“ oder „Stagecoach“. Die persönlichen Hintergründe werden von Pollard durch seltenes Archivmaterial aufgearbeitet, während die beruflichen Werdegänge von Ford und Wayne zumeist wie distanzlose Heldenverehrung wirken. Viel zu selten werden auch die negativen Seiten beleuchtet – etwa Waynes Arbeit an „The Alamo“ und Fords ungefragte Einmischung – und so bleibt hauptsächlich das reichhaltige Archivmaterial in Erinnerung. Da können Martin Scorsese und Peter Bodganovich noch so sehr in Huldigung verfallen, der Film verblasst viel zu schnell.
Dans Paris
Ein Bett, zwei Männer und eine Frau, die klassische „Menage à trois“. Doch plötzlich steht einer der beiden Männer – Jonathan (Louis Garrel – „Les Amants réguliers“) – auf und erklärt das Konzept des Films. Denn in Wahrheit ist sein Bruder Paul (Romain Duris – „De battre mon coeur s'est arrêté“) der eigentliche Held der Geschichte. So treibt er die Zuseher in die Vergangenheit, in der Paul mit seiner Freundin Anna und deren Sohn aufs Land zieht. Die konfliktreiche Beziehung zerbricht, Paul findet sich wieder in der Wohnung seines Vaters Mirko (Guy Marchand – „Paid“).
Der ironische Einstiegskommentar von Louis Garrel ist noch das Liebenswerteste an diesem ziel- und witzlosen Film, der die Depressionen des einen (Paul) nie wirklich illustriert und dafür die sexuellen Eskapaden des anderen (Jonathan) in bemüht witzigen Episoden darstellt.
Gue Mool
Hochgiftige Chemikalien in einen Fluss zu schütten, war noch nie eine gute Idee – schon gar nicht in einem Monsterfilm. Ein US-Wissenschaftler (Scott Wilson) in Südkorea denkt da aber anders, und verursacht durch umweltfeindliche Müll-Entsorgung die Geburt eines verfressenen und akrobatisch begabten Riesenfisches. Auf dem Land wie im Wasser treibt die Kreatur ihr Unwesen und jagt hilflose Menschlein. Dabei macht das böse Tier einen fatalen Fehler: Es hat die kleine Hyun-seo (Ah-sung Ko) entführt, was deren Familie dazu veranlasst, stinksauer auf Rachefeldzug zu gehen.
Regisseur Joon-Ho Bong („Memory of a Murder“) bemüht sich redlich, eine Horrorkomödie zu schaffen, die seine Genre-Schublade sprengt. Rücksichtslose Amerikaner und eine Familie, deren Mitglieder alleine schwach und nur gemeinsam stark sind, zählen aber zu den verbrauchtesten Motiven anspruchsvoll-„schlechter“ Filme. Am Ende bleibt zwar ein gelungener Monsterstreifen, der sich des eigenen Irrsinns bewusst ist und Komisches daraus bezieht. Das Rad, sprich die Monsterjagd, will der Film aber auch neu erfinden und überhebt sich dabei.
Honor de Cavallaria
Um ein Stück Weltliteratur wie „Don Quijote“ zu inszenieren, braucht es keine großen Effekte und berühmte Schauspieler. Regisseur Albert Serra reichen zwei Laiendarsteller, die durch die Landschaft ziehen und gelegentlich ein, zwei Worte auf Katalanisch wechseln. Ein Gefühl wie bei Samuel Becketts „Warten auf Godot“ stellt sich in dieser puristischen und zugleich abstrakten Literatur-Neuempfindung schnell ein: Quixot (Lluís Carbó) maßregelt ständig seinen blöde dreinblickenden Knappen Sancho (Lluís Serrat). Manchmal will er ihm auch die Größe Gottes vor Augen führen.
Serra inszeniert Rituale wie das Anlegen der Ritterrüstung genau wie gemeinsames Schwimmen in einem Teich als Bestandteile einer komisch anmutenden Männerbeziehung. Vom üppigen „Don Quijote“-Text ist fast nichts übrig geblieben. Die Abenteuer sind verschwunden, nur die ruhigen Momente und ausgedehnte Eindrücke der Natur, also alles, was bei Cervantes zwischen den Zeilen steht, rücken in den Vordergrund.
Serra: Der Regisseur von der traurigen Gestalt
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