„Chaos City“ ist der Beweis: Politik kann lustig und spannend sein
Am 1. Oktober wird in Österreich der Nationalrat gewählt, in diesem Zusammenhang erscheint es wie eine prophetische Tat des deutschen Privatsenders „Kabel 1“, die amerikanische Polit-Sitcom „Chaos City“ erneut auszustrahlen. Okay, ich gebe es zu, ich suche nach einer billigen Ausrede um über die Sitcom mit Michael J. Fox zu reden – aber warum auch nicht?
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Aller Anfang ist schwer
Im „Narrenkastl“ hatte der Fernsehproduzent Bill Lawrence schon einmal die Ehre, von diesem Autor in den Himmel gelobt zu werden. Grund dafür war die Krankenhaus-Sitcom „Scrubs“, die noch immer mit großem Erfolg in den USA produziert und in aller Welt ausgestrahlt wird. Bevor sich Lawrence aber mit den jungen Ärzten an den Rand des Wahnsinns begab, testete er einige Formeln an Hand des politischen Spielfeldes. Kein anderer Berufsstand scheint für eine überdrehte Sitcom geeigneter.
„Chaos City“ war – als es 1996 erstmals über den amerikanischen Äther ging – das erste Fernsehprojekt des vor kurzem aus der Taufe gehobenen Filmstudios „Dreamworks“. Genauso wie „Chaos City“ existiert das von Steven Spielberg geführte Studio nicht mehr. Doch hat das mit der Serie wenig zu tun. Denn dank dieser konnte sich das Studio ein eigenständiges Profil am hart umkämpften amerikanischen Markt erwerben. Dabei hatte alles ein wenig zaghaft begonnen, trotz Charmebolzen Michael J. Fox als Hauptdarsteller.
Fern jeder Realität … oder?
Im Original heißt die Serie „Spin City“ und orientiert sich – programmatisch – an den Abenteuern seiner Hauptfigur, des „Spin-Doktors“ Mike Flaherty, der zugleich als stellvertretender Bürgermeister von New York City agiert und hauptsächlich seinem Chef Ärger erspart. Das ihn dabei unterstützende und ihm loyal ergebene Team ist bevölkert von skurrilen Gestalten, die mehr ihrem Egoismus in die Tasche arbeiten, ihre Unsicherheiten kaschieren oder ihren Sexismus ausleben.
Ja, dieses Team ist eine Ansammlung von Running Gags und „Chaos City“ weiß – dank der Leitung seiner Erschaffer Bill Lawrence (der Neuling) und Gary David Goldberg (der Veteran) – diese punktgenau zu platzieren. Natürlich wäre dies nicht möglich gewesen, wenn die Schauspieler ihre Rollen nicht entsprechend ausfüllen würden. Na gut, dann zählen wir mal auf. Da wäre Alan Ruck, der als sexistischer Personalchef Stuart Bondek genauso wie Richard Kind als unsicherer und willenloser Pressesprecher Paul Lassiter zur Höchstform auflief. Beide sollten bis heute nie wieder so gut sein wie in diesen Rollen.
Was ist schon Realität
Darüber thronen natürlich Barry Bostwick – der am ehesten noch aus dem Kultfilm „The Rocky Horror Picture Show“ bekannt ist – als ein der Welt entrückter Bürgermeister und Michael J. Fox in einer ihm auf den Leib geschriebenen Rolle als gewitzter und charmanter, zugleich aber auch geschäftstüchtiger Spin Doktor Mike. Sie sind es, die „Chaos City“ tragen und ihre Nebendarsteller zu Höchstleistungen anspornen. Es waren die ersten drei Staffeln, die tatsächlich von Witz und Intelligenz beinahe übergingen. Die Charaktere entwickelten sich, die Running Gags wurden etabliert und das Ensemble respektierte sich gegenseitig.
Diese Lobeshymne scheint ein wenig unangemessen, hat es doch „Chaos City“ nie in den Olymp anderer lang gedienter Sitcomgrößen á la „Alle lieben Raymond“, „Seinfeld“, „Friends“ oder „Eine schrecklich nette Familie“ geschafft. Kein Wunder, denn im Jahr 2000 begann der langsame, aber umso heftigere Absturz, der in einer neu angestellten Schauspielerin kulminierte: Heather Locklear.
Das Biest und die Bestie
Michael J. Fox sollte aufgrund seiner voranschreitendenden Krankheit entlastet werden und musste mit Ende der vierten Staffel sein Engagement beenden, doch mit ihm beendeten einige Schlüsselspieler ebenfalls ihre Arbeit und so kam es zu zwei unseligen Staffeln, in denen der neu angestellte Charlie Sheen – ja, der aus „Hot Shots!“ – sich redlich mühte und doch gegen die langweiligen Drehbücher kein Mittel fand.
So fand eine unglaublich intelligente und großartig gespielte Serie, ein äußerst unrühmliches und vor allem langweiliges Ende. Doch soll jeder, der an Politik interessiert ist, ruhig einen Blick in eine der ersten drei Staffeln werfen – es lohnt sich auf jeden Fall.
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