„Crank“ – Neu im Kino
Der Handy-Klingelton-Sender MTV feiert heuer seinen 25. Geburtstag. Inoffizieller Film zum Jubiläum ist „Crank“, ein selbstgenügsamer Rachestreifen mit Computerspiel-Physik, Videoclip-Ästhetik und Minimal-Handlung. Nicht nur die MTV-Generation darf sich freuen: Action-Fans, die den raubeinigen Helden der 80er Jahre nur noch in der Videothek begegnen, können auch jubilieren. Jason Statham bringt vor Sex und Gewalt strotzendes Entertainment zurück auf die Leinwand.
Werbung
Willkommen im Nintendo-Universum
Während Statham in „The Transporter“ noch den kampferprobten, aber immer coolen Fahrkünstler Frank Martin spielte, brennen ihm in „Crank“ alle Sicherungen durch. Als Auftragskiller Chev Chelios erwacht er eines Morgens mit einem Brummschädel und einem seltenen chinesischen Gift im Körper. Wegen seines letzten Jobs muss er sterben. Zum Glück für das Publikum aber nicht sofort, denn Adrenalinstöße verzögern die Wirkung des Giftes. Chelios hat jetzt natürlich nur ein Ziel: Rache an seinen Mördern zu nehmen und nebenbei seinen Arzt Doc Miles (Dwight Yoakam) zur Suche nach einem Gegenmittel anzutreiben.
Speed ohne Bus
Seine Vendetta führt Chelios durch ein schrill überzeichnetes und gleichzeitig schmieriges Los Angeles. Eine Kopfschmerzen auslösende Explosion der Farben wie bei Tony Scotts „Domino“ bleibt aber aus. Ab dem ersten Moment von Chelios Hetzjagd verschmilzt der optische Firlefanz von schnellen Schnitten, Farbfiltern und einer fiebrigen Kamera mit treffsicherer Selbstironie. Durch augenzwinkernde Musikeinspielungen und den fast schon slapstick-artigen Körpereinsatz von Statham zeigen die Regisseure Mark Neveldine und Bryan Taylor, dass ihnen Lächerlichkeit und Flachheit der Story vollauf bewusst ist. Anstatt sich nun dafür zu entschuldigen, holen sie aus der eigentümlichen Prämisse von „Crank“, oder sperriger betitelt „Speed mit Mann statt Bus“, ein Maximum an Unterhaltungswert heraus.
Chev rennt
Es gibt ja immerhin viele Möglichkeiten, für Adrenalinschübe zu sorgen. Prügeleien und Schiessereien halten den Kreislauf zwar in Schwung, aber diverse Drogen oder ein Stromstoß helfen natürlich auch bei Chevs ungewöhnlichem Problem. (Von Sex in der Öffentlichkeit ganz zu schweigen.) Das Skript, das auch von Taylor und Neveldine stammt, lässt wirklich keine aufregende oder witzige Spielart der Grundidee aus.
Krampfhafte Gefühlstiefe
Für Kurzweil sorgt „Crank“ damit in jeder seiner 83 Minuten, viel mehr bietet der Streifen aber nicht. Um einen nahe liegenden Vergleich zu bemühen: „Crank“ ist wie eine Achterbahn in einem Themenpark. Die Loopings und Steilfahrten bleiben in bester Erinnerung, während die Story, die meist mit mäßig lebensechten Roboter-Figuren erzählt wird, nur Bindemittel-Funktion hat. Da gibt es zum Beispiel die Liebesgeschichte zwischen Chelios und seiner dauerbekifften Freundin Eve. Den Zweck, mit wahren Höhepunkten schlüpfrigen Humors zu punkten, erfüllt diese seltsame Beziehungskiste zwar, aber Glaubhaftigkeit oder Gefühlstiefe, die manche Dialogzeilen krampfhaft vermitteln wollen, stellt sich nicht ein. Darstellerin Amy Smart („Starsky & Hutch“) als Eve geht es noch dazu genauso wie Efren Ramirez („Napoleon Dynamite“) als Chevs tuntiger Informant Kaylo: Jeder Versuch, die Charaktere zu mehr zu machen als skurriler Staffage, geht im Effekte-Gewitter unter.
Game Over?
Anarchistischer Spaß hat in „Crank“ klar vor allem anderen Vorrang. Sonstigen Nährwert hält dieses Leinwand-Fast Food höchstens noch für werdende Kameramänner und Schnitttechniker bereit, da hier so ziemlich das ganze Handwerkszeug ihrer Zunft zum Einsatz kommt. In der Action-Sparte schießt sich „Crank“ sowieso den Weg an die Genre-Spitze frei.
„Crank“ schert sich auch noch einen Dreck um Altersfreigaben, zeigt nackte Haut und lässt das Blut nur so fließen. Political Correctness wird hier genauso wenig eingehalten wie stereotype Gangster-Darsteller auftauchen. Beispiel gefällig? Ein Taxifahrer macht Chelios Schwierigkeiten und will ihn nicht ohne weiteres mitnehmen. Chev lässt sich nichts gefallen, stößt ihn zu Boden und schreit „El Kaida! El Kaida!“. Plötzlich fällt eine Meute ganz normaler Bürger, die eben noch in einem Straßencafe daneben gesessen sind, wie aus Instinkt über den Taxifahrer her.Welches Statement hinter dieser Szene stehen mag, soll der Zuschauer selbst für sich entscheiden. Zu „Crank“ sei nur abschließend, in genauso selbstironischem und streitbarem Ton gesagt:
Lasst das fröhliche Prügeln und Ballern beginnen!
Mehr dazu ...
Kommentar Filmriss: Die aktuellen Filmstarts der Woche
Filmrezensionen im Überblick
Link dazu ...
Externer Link Crank























