„Das Mädchen aus dem Wasser“ –
Neu im Kino
Regisseur, Autor und Produzent M. Night Shyamalan befindet sich in einer ernstzunehmenden Zwickmühle. Eine, die seine ganze Karriere bedroht. Dabei begann im Jahr 1999 mit dem familienpsychologischen Gruselthriller „The Sixth Sense“ eine große Laufbahn. Doch schon mit dem heillos überschätzten „Unbreakable“ begann sein Abstieg – der sich mit seinem neuesten Werk nahtlos fortsetzt.
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Keine Überraschungen mehr
In „Das Mädchen aus dem Wasser“ versucht sich Shyamalan aus der Genre-Ecke zu befreien, die er geprägt hat: die des „Filmes mit überraschendem Ende“. Auf die bereits erwähnten Werke folgten der außerirdische Kornfeldthriller „Signs“ und die aus einer anderen Zeit stammende Studie „The Village“. Jeder dieser Filme musste eine gewisse Zuschauererwartung befriedigen, die der Name des Regisseurs mit sich brachte.
„Das Mädchen aus dem Wasser“ macht deshalb auch eine Kehrtwendung, um die Karriere seines Regisseurs zu retten. Hier wird das eigentliche Geheimnis bereits zu Beginn des Filmes verraten, um den Zuseher in eine märchenhafte Welt zu entführen. Diese befindet sich inmitten eines Wohnblocks in Philadelphia, namens „The Cove“. Dort zieht Hausmeister Cleveland Heep (Paul Giamatti – „Sideways“) seine Runden. Versunken in vollkommener Apathie fristet er sein Dasein, bis eines Nachts eine nackte junge Frau im Swimming Pool auftaucht.
Gute Nacht, Geschichte
Dieses Mädchen (Bryce Dallas Howard – „Manderlay“) ist – soviel weiß der vorab informierte Zuseher bereits – ein „Narf“, eine Nymphe, die zu den Menschen geschickt wurde, um ihnen den rechten Weg im Leben zu weisen. Doch bis es für die Charaktere in dieser Geschichte soweit ist, müssen noch einige Unannehmlichkeiten aus dem Weg geräumt und einige wichtige Charaktere in das Geschehen eingeführt werden.
Diese Aufgabe übernimmt der vor sich hin stotternde Cleveland Heep, der in der Beschützerrolle für das Mädchen – mit Namen Story – über sich hinauswächst und seine traurige Vergangenheit scheinbar für immer begraben kann. Doch der Besuch der Nymphe muss bald ein Ende finden und für die gefahrlose Rückkehr in ihre Heimatwelt bedarf es des Organisationstalents und der Akzeptanz einiger Bewohner des Wohnblocks. Denn eine gefährliche Kreatur lauert im nahen Waldstück und wittert seine Chance, Story zu töten und eine schöne Zukunft für die Menschen zu zerstören.
Aufbruchstimmung im Wohnhaus
M. Night Shyamalan hat seinen neuesten Film auf Basis einer Gute-Nacht-Geschichte entworfen, die er einst für seine eigenen Kinder geschrieben hat. Der märchenhafte Charakter ist demnach auch ein wichtiger Charakterzug des Films. Dennoch funktionieren gerade in der Realität verhaftete Figuren am besten, und dies auch nur, da sie entsprechend gut gespielt wurden. Paul Giamattis stotternder Hausmeister mit tragischer Vergangenheit weiß aufgrund des hervorragenden Spiels seines Darstellers zu fesseln. Seine verzweifelt-fanatische Suche nach der Lösung des Märchens und der sicheren Heimkehr von Story, packen nur, weil Giamatti seinen Charakter mit viel Liebe zum Detail und ohne Angst vor einem Abdriften ins Lächerliche spielt.
Daneben ist es vor allem Bob Balaban („Capote“) als überkritischer und arroganter Kritiker Mr. Farber, der für ein paar humorvolle Momente sorgen kann. Die restliche Darstellerriege wirkt hingegen ein wenig verloren, selbst ein hervorragender Schauspieler wie Jeffrey Wright („Syriana“) als Kreuzworträtsel lösender Mr. Dury scheint zufällig in diesen Film hineingestolpert zu sein. Tiefergreifende Konflikte werden nicht angedeutet. Diese überlässt Shyamalan seiner von ihm selbst gespielten Figur, einem mit seinem Buch kämpfenden Schriftsteller. Der Autor, wegen seiner visionären Ideen schon fast Heilsgestalt, war dem Regisseur offenbar zu wichtig, um von jemand anderem dargestellt zu werden.
Bleibt schließlich Bryce Dallas Howard als eigentliche Hauptfigur, die nicht nur äußerlich blass bleibt. Sofern sich im Drehbuch oder der Gute-Nacht-Geschichte eine weitere Charakterisierung verbarg, so wurde sie im fertigen Film vollkommen vernachlässigt. Die Nymphe bleibt einfach eine Nymphe.
Erlösung aus einer anderen Welt
„Das Mädchen aus dem Wasser“ bietet manch amüsante Szene und gute Darsteller, doch kann er den Zuseher nie wirklich in sein märchenhaftes Szenario einfangen. Für einen Film, der stets darum bemüht ist, sich selbst zu erklären, bleibt das in pathetisch-bombastischer Musik eingefangene Szenario seltsam absurd und sinnlos.
Erinnerungen an ähnliche Erlöserfilme wie „Das Wunder in der 8. Straße“ oder „Cocoon“ stellen dann schließlich auch die vermeintliche Originalität von Shymalans Gute-Nacht-Geschichte in den Schatten.
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