„Monster House“ – Neu im Kino
Mit „Monster House“ kommt nach „Der Polarexpress“ eine weitere Motion Capture-Produktion von Robert Zemeckis und Steven Spielberg in die heimischen Kinos. Im Unterschied zum gängigen Film aus dem Rechner werden beim Motion Capture die einzelnen Szenen mit Schauspielern im Studio gedreht. Dabei werden sämtliche Bewegungen digital erfasst und auf die animierten Figuren übertragen. Durch das Verfahren soll ein der Realität näheres Ergebnis erreicht werden. Bei „Monster House“ scheitert dies jedoch an der gesamten Präsentation.
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Digitale Knetmasse
Die optische Gestaltung im Film ist sehr schlicht. Häuser, Blätter und Rasen sind zwar erst auf den zweiten Blick als „unecht“ zu erkennen, alle Lebewesen wirken aber – trotz ihrer Virtualität – als wären sie aus Knetmasse. So könnten die drei Hauptfiguren DJ, Jenny und Ketchup auch in den Abenteuern von „Wallace und Gromit“ auftreten oder dem kleinen Plastilin-Südpolbewohner „Pingu“ einen Besuch abstatten. Selbst bei einem Auftritt in der Celebrity Deathmatch Reihe von MTV würden sie nur durch mangelnde Prominenz auffallen.
Frisuren kleben matt an Köpfen, Strähnen trotzen der Gravitation. Einzig Jennys Haarstränge flattern dann und wann lethargisch über ihre Schultern. Das stört bereits zu Beginn des Films: Herbstlich wehen Blätter im virtuellen Wind, doch die überdimensionalen blonden Zöpfe eines kleinen Mädchens auf einem Dreirad wirken härter als der Asphalt, auf dem sie fährt. Die digitalen Outfits der Figuren sind ebenso einfach gestrickt und kleben hauteng an den Charakteren. Da rührt sich nichts – auch nicht beim Publikum. Die anfängliche Distanz zu den Protagonisten bleibt unüberwunden.
Nightmare Before Halloween
Auch die Handlung strotzt nicht gerade vor Originalität. DJ beobachtet ein paar Tage vor Halloween seinen griesgrämigen Nachbarn (gespielt von Steve Buscemi). Als dieser nach einem Zwischenfall mit DJ ins Krankenhaus gebracht wird, beginnt das Haus mit diversen Mitteln maßlos Passanten vom Trottoir zu reißen und zu verschlingen. Jenny, DJ und Ketchup greifen zu ihren Spritzpistolen und ziehen gegen das Haus in den Kampf.
Parallelen zu Tim Burtons „Nightmare Before Christmas“ sind nicht von der Hand zu weisen. Allein schon DJ mit seinem extrem dünnen Körper, dem riesigen Kopf und dem staksigen Gehabe lässt daran keinen Zweifel. Genau so die pseudo-düstere Hintergrundgeschichte rund um den Ursprung des Hausmonsters und der Versuch, etwas von Burtons schwarzem Humor in den Film zu bringen. Leider ist es bei „Monster House“ mit ein paar Litern Pipi – abgefüllt in Flaschen – damit schon getan. Der Rest der Geschichte besteht aus einem Wiederkäuen amerikanischer Ernährungsprobleme in möglichst videospielfreundlicher Form.
Ein „Aus“ dem Ofen der Maßlosigkeit
Laut WHO (Weltgesundheitsorganisation) sind zwei von drei Bürgern der Vereinigten Staaten zu dick. Eine Tatsache, die bei „Monster House“ ausführlich behandelt wird. Die Figuren sehen entweder unnatürlich dünn aus, oder sind dick. Während DJ zu den ersteren gehört, ist sein Freund Ketchup ein kleines Pummelchen. Und freundlich wird mit Dicken im Film nicht umgegangen. Selbst der runde Sheriff benutzt Ausdrücke wie „Dickerchen“ oder „Schweinefuß“. Schließlich entpuppt sich die Wurzel allen Übels noch als der Geist einer Dreihundert-Kilo-Frau. Selbst nach ihrem Tod hat sie nicht aufgehört alle(s) in sich hinein zu fressen. Die radikale Lösung steht für den gesellschaftlichen Umgang mit dem Problem (zumindest in Übersee). Eine Pille in Form einer Stange Dynamit soll den Heißhunger stillen.
Bis zum explosiven Finale schmieden die kleinen Hauptfiguren Pläne und laufen von einem aufgesetzten Spannungsmoment zum nächsten. Dabei ist nicht zu übersehen, dass sich die komplette Geschichte darauf ausrichtet, später vom jungen Publikum als Videospiel nachvollzogen zu werden. Kleine Szenen im Film, bei denen beiläufig Computer gespielt wird, sollen zweifelsohne als Appetitanreger wirken. Das Game zum Film ist nämlich bereits erhältlich. In Anbetracht der fragwürdigen Aussage des Streifens, sollten Kinder jedoch lieber auf den Besuch von „Monster House“ im Kino oder auf der Konsole verzichten und den Nachmittag mit Spiel und Sport im Freien verbringen.
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