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Kommentar Mann aus Stahl und Rauch

„Ist es ein Vogel? Ist es ein Flugzeug? ...“: Nach Jahren kehrt er plötzlich zurück
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Superman fliegt wieder, doch begeistert nicht
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„Superman Returns“ – Neu im Kino

Einen „Superman“-Film zu drehen, kommt der Adaption eines allseits bekannten griechischen Mythos gleich: Der Großteil des Publikums weiß um die Grundfesten der Geschichte, das heißt, das Abenteuer kann ohne lange Einführung beginnen. Regisseur Bryan Singer denkt genauso und knüpft direkt an „Superman II“ aus dem Jahr 1980 an. Dass dabei viele lose Enden entstehen, ist noch der geringste der vielen Tiefschläge, unter denen selbst der Mann aus Stahl zu Boden geht.

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Held in blauen Strumpfhosen
Comic-Serien haben eine Gemeinsamkeit mit Computern: Beide besitzen einen Reset-Knopf. Wenn sich bei einem Comic nach mehreren Jahren voller kreuz und quer laufender Storylines keine originelle Geschichte mehr erzählen lässt, drücken die Macher einfach besagten Knopf und Helden wie Spider-Man oder Batman befinden sich wieder ganz am Anfang ihrer beschwerlichen Reise.

Das Kino-Pendant eines solchen Neustarts war „Batman Begins“. Supermans Rückkehr ist dagegen von einem anderen Kaliber. In einer neu geschneiderten Variante des ikonisch-blauroten Kostüms hebt Brandon Routh in einer Quasi-Fortsetzung der „Superman“-Filme um Christopher Reeve vom Boden ab. Mit Quasi-Fortsetzung ist einerseits gemeint: Die Vorgeschichte wird zwar als bekannt vorausgesetzt, Details wurden aber verändert. Andererseits handelt es sich bei „Superman Returns“ um gar kein richtiges Sequel, denn wer „Superman“ gut kennt, wird im neuen Comics-Ableger mehr als nur ein Déjà vu erleben.

Signifikante Frisur
Brandon Routh ist der spiegelverkehrte Christopher Reeve: Er hat sich für seine Rolle den Scheitel genau auf die andere Seite gekämmt. Der Kern der Story von „Superman Returns“ enthält seltsamerweise auch ein spiegelverkehrtes Element: 1978 wollte Gene Hackman als Lex Luthor Kalifornien durch ein Erdbeben im Meer versenken, 2006 will Kevin Spacey als Lex Luthor an der Ostküste durch Technik vom Planeten Krypton eine Landmasse aus dem Meer erstehen lassen. Superman, der gerade von einer fünfjährigen Reise zu seinem zerstörten Heimatplaneten Krypton zurückgekehrt ist, muss das natürlich verhindern. Das ist aber nicht sein einziges Problem: Da wäre auch noch eine gekränkte Lois Lane, die einen Sohn hat und verlobt ist.

Trotz einer säuerlichen Mutter Lane wirkt die Geschichte allzu bekannt und nicht nur deshalb uninspiriert, die Dialoge klingen nämlich merkwürdig vertraut. Die Drehbuchautoren Dan Harris und Michael Dougherty („X-Men 2“) haben nicht nur Anspielungen auf Comics und die Vorgänger-Streifen eingebaut, sie haben ganze Dialogzeilen übernommen. Bei einem Film, der zweieinhalb Stunden dauert, mag das als respektvolle Verbeugung durchgehen, solange die restlichen Dialoge genauso raffiniert dazu passen. Auf Harris und Doughertys eigenem Mist gewachsen sind aber Zeilen, die sich im besten Fall als Füll-Sätze bezeichnen lassen. Besonders schwerwiegend wirken sich diese hohlen Dialoge bei Superman beziehungsweise seinem Alter-Ego Clark Kent aus: Routh hat absolut gar nichts zu sagen, sein Schauspiel besteht darin, Christopher Reeve zu kopieren. Als Clark kann er in der Redaktion des Daily Planet keine Drehtüren meistern, während er sich als Superman überhaupt nur in heroische Posen wirft. Dabei ist er meilenweit von dem augenzwinkernden Charme entfernt, mit dem Reeve begeistern konnte.

Keiner Schlagzeile würdig
Damit häuft „Superman Returns“ eine Halbherzigkeit auf die andere: Die klassische Story, in der natürlich wieder Kryptonit eine Rolle spielt, ließe sich ja verschmerzen, solange Brandon Routh eine Charakterentwicklung mit der Tiefe von Sam Raimis „Spider-Man“ zeigen würde. Da dies aber nicht der Fall ist und ein lustloser Kevin Spacey als Lex Luthor zu keinem charismatischen Bösewicht avanciert, kann der Film die Handlungsmankos nicht ausgleichen. Die Nebenfiguren, zu denen wegen Harmlosigkeit, Charakterblässe und Schauspiel-Untalent Kate Boswort als Lois Lane gehört, wurden nicht besser ausgestaltet.

Lobenswert ist lediglich die Verwertung von Filmmaterial mit Marlon Brando als Supermans Vater Jor-El. Hier wird versucht, die Mythologie von Superman durch eine religiös angehauchte Vater-Sohn-Note zu erörtern und dem Mann aus Stahl gleichzeitig als möglichem Familienmenschen einen neuen Charakter-Aspekt zu verleihen. Die Drehbuchautoren fischen aber auch hier wieder im Seichten.

Wieder nur Popcorn-Kino
Das Hauptaugenmerk bei „Superman Returns“ liegt offensichtlich an anderen Stellen. Der spektakulär inszenierte erste Auftritt von Superman hatte wohl klar Vorrang vor dem unbekömmlich-anspruchsvollen Inhalt. Somit darf Bryan Singer unter dem Strich einen neuen Auswuchs belanglosen Popcorn-Kinos für sich verbuchen. Verdanken kann er dies seinem Special-Effects-Team und Regisseur Richard Donner, von dessen „Superman“ er fleißig geklaut hat. „Superman Returns“ ist lediglich das glamouröse Abziehbild der Original-Filme und der Comics. Singer fängt höchstens den Glanz der Vorlage ein, aber kann nicht deren Essenz ausloten und schon gar keine neuen Facetten des Mythos ergründen.

Mehr dazu ...

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Rezension von Markus Grundtner > [ Mail ]

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