„Das Haus am See“ – Neu im Kino
Im Jahr 2000 verzauberte die südkoreanische Romanze „Siworae“ auf Film-Festivals der ganzen Welt. In Zeiten der immer schneller auftretenden Remakes konnte es deshalb gar nicht wirklich lange dauern, bis Hollywood seine Version produzierte. Kein Wunder, vereint doch diese Geschichte zwei sehr beliebte Charakteristika des US-Kinos: Kitsch und Fantastik.
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Ein Portal durch die Zeit
In „Das Haus am See“ ist der Dreh- und Angelpunkt ein wunderschönes Haus, das - wie der Titel schon sagt - an einem See liegt. Sonnenuntergänge wie aus einem Hochglanzmagazin, klares Seewasser wie es nur durch die Filter von Kameras entsteht und ein idyllisches Wäldchen, das so gar nicht mit der in der Nähe situierten Großstadt Chicago korrelieren will. Aus diesem Haus zieht die einsame Ärztin Kate Forster (Sandra Bullock – „L.A. Crash“), um in einem Chicagoer Krankenhaus eine Stelle anzutreten. Nur widerwillig verlässt sie ihren geliebten Ort und hinterlässt für den glücklichen Nachmieter eine Nachricht.
Dieser ist der von familiären Problemen geplagte Architekt Alex Wyler (Keanu Reeves – „Constantine“), der aber statt eines schönen Hauses ein renovierungsbedürftiges Gebäude vorfindet, in dem offenbar seit Jahren keiner mehr gelebt hat. Zunächst meinen die beiden – im Briefwechsel befindlichen – Mieter des Hauses am See, gegenseitig einem Irrtum aufzusitzen. Vor allem da sich keiner der beiden mit dem Datum im Klaren zu sein scheint, signiert doch Alex seine Briefe mit dem Jahr 2004 und Kate mit 2006.
Die Lösung liegt beim Hund
Erlösung in diesem – scheinbar – kindischen Treiben bietet eine Hündin, die Alex wie aus dem Nichts zuläuft und ihm Gesellschaft leistet. Es ist derselbe Hund, den im Jahr 2006 Kate besitzt und aus unerfindlichen Gründen „Jack“ getauft hat. Als Alex die Hündin mit diesem Namen anspricht, reagiert diese endlich auf ihren neuen Besitzer. Langsam sind sich die beiden sicher, hier ist etwas sehr eigenartiges im Gange. Es bricht die bekannten Gesetze der Physik: Zeitreisen durch einen Briefkasten – in Form von kleinen Notizen.
Romantik ersetzt Logik
Alleine die unwahrscheinliche Geschichte in Bruchstücken nachzuerzählen wirft etliche Fragen auf und zeigt zugleich auch ein Grundproblem jedes Zeitreisefilmes: Wie können zwei Menschen über Zeitbarrieren kommunizieren und ihre Zukunft beeinflussen? Zuletzt wurde dies im US-Kino im Independent Kino mit bierernster Tragik beantwortet, etwa in „Donnie Darko“ oder „The Butterfly Effect“. In den letzten Jahren war es nur Terry Gilliam und seinem „12 Monkeys“ vorbehalten, um ein wenig Humor in die trostlose Sache der Zeitreise zu werfen.
„Das Haus am See“ hat nicht viel mit Humor am Hut, die Gags, die von Hollywood-Debütant Alejandro Agresti („Un Mundo menos peor“) platziert werden, zünden nicht. Zum Glück verlässt sich der Regisseur ganz auf die Kraft der Emotion, mit Logik kommt hier niemand weit. Denn wie können sich Alex und Kate selbst in Zwiegesprächen über die Zeitlinie hinaus unterhalten, wenn dies doch eigentlich nur auf Notizen im Briefkasten reduziert möglich ist? Wie können sie sich gegenseitig im brieflichen Dialog unterbrechen, wenn dieser doch noch gar nicht fertig geschrieben ist? Weshalb überhaupt muss es sich um genau zwei Jahre Zeitabstand handeln und warum ist diese Form der ungewöhnlichen Zeitreise an diesem Ort möglich?
Lass dich fallen …
Es mag das emotional aufgeladene Spannungsfeld sein, weshalb gerade beim „Haus am See“ die Übertragung von Briefen über die Zeit möglich ist, doch das ist natürlich nur eine Hypothese und beweist vor allem eins: Es ist egal! „Das Haus am See“ kümmert sich nicht um Logik, sondern will seinen Zuschauer in einen romantischen Strudel der Gefühle mitreißen, was Alejandro Agresti auch wirklich gelingt. Den etwas zu klebrig geratenen Musikkompilationen von Rachel Portman zum Trotz kann bei der notwendigen Toleranz, die dieses Sujet von seinem Zuseher abverlangt, sehr wohl ein Hauch Romantik gespürt werden.
Dies liegt auch an den relativ guten Darsteller-Leistungen: Sandra Bullock überzeugt als zurückgezogen lebende Ärztin, die nur auf solch eine fantastische Romanze gewartet hat. Auch Keanu Reeves weiß mit seiner reduzierten Darstellung – die am ehesten Konnotationen zu Kevin Costner in „Message in a bottle“ hervorruft – zu entsprechen. Leider beherrscht Reeves aber noch immer nicht die große Kunst des Weinens vor der Kamera, sein aufgesetztes Schluchzen entlockt eher unerwünschtes Lachen als Rührung. Dennoch sind die Darstellungen der beiden Stars der eigentliche Antrieb des gesamten Projekts. Auch wenn sich Alejandro Agresti nicht immer sicher zu sein scheint, ob er dem märchenhaften Treiben ungerührt zusehen oder doch vollends in triefendem Schmalz versinken soll.
So bleibt „Das Haus am See“ – auch durch seine kaum nennenswerte Darstellung der privaten und beruflichen Probleme der beiden Hauptcharaktere – eine zu oberflächlich gestrickte Hochglanzromanze, mit eingebautem Kitschfaktor.
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