„Angel-A“ – Neu im Kino
Frankreichs erfolgreichster Filmregisseur der Gegenwart ist ein kleiner, etwas rundlicher Mann mit schwarzen Haaren und einem grau melierten Bart: Luc Besson. Mit Filmen wie „Im Rausch der Tiefe“ und „Léon – Der Profi“ erklomm er die höchste Leiter in der Kritiker- und Publikumsgunst. Nach dem eher verhalten aufgenommenen Historiendrama „Johanna von Orleans“ gönnte sich Besson eine sechs Jahre währende Pause.
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Ein Amerikaner in Paris
Der Film, mit dem er sich wieder als Regisseur zurückmeldet, ist ein kleines, feines Großstadt-Märchen mit dem Prototyp des Anti-Helden als Hauptfigur. Der durch Nebenrollen in „Die fabelhafte Welt der Amelie“ oder „Asterix und Obelix: Mission Kleopatra“ bekannt gewordene algerische Komiker Jamel Debbouze spielt diese Rolle. Er ist André, ein Kleinkrimineller, der sich mit seinen Lügengeschichten und Spekulationen in große Gefahr gebracht hat.
Seine Gläubiger wollen ihr Geld wieder sehen und geben ihm deshalb noch einmal 24 Stunden, um dieses aufzutreiben. Doch der Franzose mit marrokanischen Wurzeln und einer amerikanischen Green Card träumt nur von großen Geschäften in Argentinien und New York. In Wahrheit hat er noch nicht einmal genug Geld, um sich einen Drink in einem Lokal zu bestellen, geschweige denn kann er seine Schulden bei den verschiedenen Gangstern der Stadt bezahlen.
Paris sehen und sterben
Als letzte Möglichkeit sieht André nur noch den Sprung von der Brücke. Doch seine Selbstmordphantasien werden jäh gestört als eine langbeinige Blondine im extrem knappen Kleid, seinen Plan vor ihm in die Tat umsetzt. André kann nicht anders und rettet die Frau aus der Seine. Von diesem Moment an weicht sie ihm – die sich als Angela (Rie Rasmussen – „Femme Fatale“) vorstellt – nicht mehr von seiner Seite. Die Zweckgemeinschaft entwickelt sich im Laufe des Tages zum Glück bringenden Arrangement, doch stören André einige Details an seiner neuen Begleiterin. Sie trinkt, raucht, tanzt, vögelt und behauptet zudem, ein waschechter Engel zu sein.
Auch wenn die Frage, ob Angela nun dies- oder jenseitigen Ursprungs ist, scheinbar im Zentrum des Großstadt-Märchens steht, so interessieren andere Faktoren mehr. Da wäre zum einen das Comeback von Regiestar Luc Besson, der sich in den letzten Jahren eine eigene Produktionsfirma und ein dazugehöriges internationales Netzwerk aufgebaut hat. Seine immer spürbare Präsenz, lassen das Interesse an „Angel-A“ erst wirklich wach werden. An inszenatorischen Kniffen mangelt es denn auch nicht. Neben einem betörend schönen Soundtrack von Anja Garbarek, ist es die ebenso wunderschöne schwarz-weiße Optik, die dem Film das gewisse melancholisch-verträumte Flair verleihen.
Doch der wahre Star des Films ist Jamel Debbouze als sich selbst hassender notorischer Lügner André. War er in vorigen Werken nur auf die Rolle des geistig und/oder körperlich beschränkten Clowns reduziert, darf er dank des präzisen Drehbuchs von Luc Besson endlich mehrere Facetten seiner Schauspielkunst zeigen. Als André ist er mal kindischer Tollpatsch, mal gewitzter Lügner und dann auch wieder in Selbstmitleid zerfließendes Opfer seiner Handlungen.
Die Welt zwischen schwarz und weiß
Die Grundprämisse von „Angel-A“, geht indes ein wenig verloren und dies obwohl sich Besson in der Frage, ob Angela tatsächlich ein Engel mit der Mission, André zu retten ist oder nicht, recht simple Antworten liefert. So bleibt dem Zuseher sich an den Bild- und Tonkompositionen zu berauschen und die Schauspielkunst von Jamel Debbouze zu bewundern.
„Angel-A“ ist kein Meilenstein in Luc Bessons Karriere, aber auf jeden Fall eine Übung in großartiger Kameraarbeit.
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