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Kommentar Sensibler Selbstdarsteller

Inmitten einer ihm fremden und doch vertrauten Welt ...
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... ist Truman Capote auf der Suche nach der Story seines Lebens
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„Capote“ - Neu im Kino

Truman Capote gilt noch heute als einer der buntesten Vertreter der literarischen Szene Nordamerikas. Seine Werke wie „Die Grasharfe“ oder das durch den starbesetzten Film legendäre „Frühstück bei Tiffany’s“ verschafften ihm den Ruf eines Wunderkindes. Doch vor allem war Truman Capote eines: ein Außenseiter. Aufgewachsen im ländlichen Alabama, fand er sich erst in den High Society-Zirkeln New Yorks zurecht, doch außer Selbstdarstellung blieb ihm nichts.

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Vier Morde, ein schleichender Tod
1959 hat Capote (Philip Seymour Hoffman – „Roter Drache“) eine Anstellung bei der Zeitschrift „The New Yorker“. Als er auf einen Lokalbericht über den brutalen Mord an einer vierköpfigen Familie aufmerksam wird, beginnt er mit seinen Nachforschungen im tiefsten ländlichen Teil der USA. Das ist auch eine Art Rückkehr in seine eigene Vergangenheit, schließlich wuchs Truman Capote in einem ebenso agrarisch geprägten Umfeld auf.

Doch während sich die meisten Zeitungsreporter in den Pressekonferenzen mit den Statusberichten von Detective Alvin Dewey (Oscar-Preisträger Chris Cooper – „Adaption.“) zufrieden geben, besucht Capote ihn zu Hause und tritt in die Privatleben dieser kleinen Gemeinde ein. Jeder Winkel dieses Verbrechens wird von ihm untersucht, begleitet wird er dabei von seiner treuen Arbeitskollegin Harper Lee – die für diese Rolle als Beste Nebendarstellerin für den Oscar nominierte Catherine Keener („Being John Malkovich“) – die sich selbst gerade mitten in den Arbeiten für ihr Buch „Wer die Nachtigall stört“ befindet.

Die Odyssee der Außenseiter
Es dauert nicht lange und schließlich sind die beiden potentiellen Mörder ausgeforscht. Richard Hickock (Mark Pellegrino – „Das Vermächtnis der Tempelritter“) und Perry Smith (Clifton Collins Jr. – „Mindhunters“). Vor allem von dem äußerlich harten und doch sehr sensiblen Smith und dessen bewegter Familiengeschichte ist Capote fasziniert und beginnt, sich eingehender mit den beiden Männern zu beschäftigen. Selbst das ausgesprochene Todesurteil kann ihn nicht davon abhalten, um das Leben der beiden zu kämpfen.

Welches Ziel verfolgt Truman Capote? Schon bald wird klar, dass seine Nachforschungen den Rahmen eines Artikels sprengen. Ein Buch, ein Non-Fiction-Drama, soll entstehen. Weder Titel noch Umfang sind dem sensiblen und egozentrischen Schriftsteller zu diesem Zeitpunkt bewusst, doch er ist sich im Klaren, dass die Erzählungen der beiden Verurteilten der Schlüssel zur Beendigung seines Buches sind. Die Gespräche mit Perry Smith offenbaren einen sehr verletzlichen Menschen, von dem auch Capote nicht unberührt bleibt, doch der Zweck heiligt die Mittel …

Ein Film als Bühne
Truman Capote – so wie er von einem überragenden Philip Seymour Hoffman dargestellt wird – ist ein Mann, der geliebt oder gehasst werden kann. Die Ausbeutung des Vertrauens von Perry Smith und die Selbstdarstellung in allen Gesellschaftskreisen, machen ihn zu einem unsympathischen Zeitgenossen. Seine Selbstverliebtheit ist aber auch – und dies lässt uns Hoffman spüren – ein Schutzschild. Seine Stimme, seine Körperbewegungen, all dies sind nicht nur er selbst sondern auch ein Teil von ihm, der die fragile Persönlichkeit gegen jeden äußeren Feind beschützt. In der Oscar-prämierten Darstellung des viel zu oft unbeachteten Hoffman, wird Truman Capote zu einem greifbaren Menschen und nicht zu einer, nur für das Zelluloid wieder belebten Ikone.

Während der Schauspieler in der Titelrolle denn auch die Faszination ausstrahlt und überträgt, gelingt dem bislang nur als Dokumentarfilmer in Erscheinung getretenen Regisseur Bennett Miller („The Cruise“) solch eine Leistung nicht. Der dramaturgische Bogen spannt sich zu sehr, die Tragik in dem Schaffen Capotes wird von Miller nie wirklich visualisiert. Anstatt Untiefen des Charakters auszuloten, deutet er nur an, welche inneren Zweifel und welche Gelüste Truman Capote zu bewältigen hatte. Dies geht sogar soweit, dass die Homosexualität Capotes nur mit zwei kurzen Andeutungen abgehandelt wird.

Freundschaft oder Geschäfts-Beziehung?
Das Non-Fiction-Drama „Kaltblütig“ veränderte mit seinem Erscheinen die Literaturszene und vor allem das Leben des Autors. Die Arbeit daran hat ihn psychisch zu Grunde gerichtet, doch dies zu verstehen, findet die Biografie „Capote“ nur wenig Wege und Mittel. In einzelne kurze Episoden aufgegliedert wird der über Jahre dauernde Arbeitsprozess dargestellt und in Ermangelung deutlicher Kennzeichnungen als ein kontinuierlicher Weg definiert.

Truman Capote hatte aber – und dies ist vor allem dank Philip Seymour Hoffman deutlich zu erkennen – die schlimmste Zeit seines Lebens, in der Erschaffung dieses Buches.

Mehr dazu ...
 Kommentar Filmriss: Die aktuellen Filmstarts der Woche
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 Externer Link Capote

Rezension von Patrick Dorner > [ Mail ]

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