„Mission: Impossible III“ - Neu im Kino
Geheimagenten sind Universaltalente: Sie töten schnell, taktieren klug und verführen spielend. Spione können im Grunde alles, weil sie auf alles vorbereitet sein müssen. „Mission: Impossible III“ setzt sich auch das Ziel, alles zu sein – ein verzwickter Spionage-Thriller, ein schneidiger Action-Reißer und eine anrührende Romanze. Eine fast unmögliche Mission also, an der das 150 Millionen Dollar teure Machwerk letztlich scheitert.
Der Spion, der mich liebte
Agenten sterben doch nicht einsam, hat sich Regisseur J. J. Abrams wohl gedacht und diese Gedankenspielerei „M:i:III“ zugrunde gelegt. IMF-Spezialagent Ethan Hunt hat ja bisher auch noch kaum seine menschliche Seite gezeigt. Wie sieht nun also das Privatleben des Adrenalinjunkies aus? Und: Was passiert, wenn er eine Frau fürs Leben gefunden hat und sich aus dem Spionage-Geschäft zurückziehen will?
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Als James Bond 1969 in „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ in den verdienten Ruhestand treten und heiraten wollte, war das Resultat niederschmetternd. Das ungewöhnlich tragische Ende dieser Hochzeit gilt als einer der Gründe, warum Darsteller George Lazenby kein zweites Mal in den Bond-Smoking schlüpfen durfte.Tom Cruise hat sicherlich bessere Aussichten auf eine Reprise seiner Rolle als Ethan Hunt. Menschlicher geworden ist Hunt aber trotzdem nicht. Der Part fordert Cruise schauspielerisch immer noch wenig ab: Er muss nur dem Feind mit stahlharter Miene ins Angesicht blicken und so energisch durch die Gegend hetzen als könnte er durch Wände laufen. Daher lässt auch die emotionale Komponente völlig kalt – ganz egal, ob Ethan nun sieht, wie seine ehemalige Schülerin (Keri Russell – „Felicity“) bei einer Rettungsmission umkommt, oder er um das Leben seiner zukünftigen Frau (Michelle Monaghan – „Kiss Kiss Bang Bang“) fürchten muss.
Die Jagd nach einem Hasenfuß
Ethan Hunts Schmerzgrenze liegt aber auch einfach höher. Wer sich von Wolkenkratzer zu Wolkenkratzer schwingt oder zwei Stromkabel als behelfsmäßigen Defibrillator an sich selbst einsetzt, hat wohl eine ganz andere Gefühls-Bandbreite als ein Normalsterblicher.
Weit über die Grenze alles Menschenmöglichen und physikalisch Glaubhaften gestalten sich daher auch wieder die Pfeiler der „Mission: Impossible“-Reihe – die Action-Sequenzen.
Diese strotzen vor überzogenen Ideen zur Spannungssteigerung, werden von J.J. Abrams aber nicht bis in die letzte Zeitlupeneinstellung ausgekostet. Serien-Macher Abrams („Felicity“, „Alias“, „Lost“) grenzt sich in seinem Kino-Debüt von Regisseur John Woo und seinem überbordenden Action-Ballett in „Mission: Impossible II“ ab. Ein fadenscheiniger Plot fungiert trotzdem erneut als Bindemittel zwischen Schiessereien, Prügeleien und ausgeklügelten Täuschungsmanövern.
Alles dreht sich um den „Rabbit`s Foot“, eine gefährliche Vorrichtung, deren Bedeutung nie enthüllt wird – ein „MacGuffin“ also. Wie aus dem Filmlexikon abgeschrieben, baut Abrams und sein Drehbuch-Team Alex Kurtzman und Roberto Orci diese Story-Triebfeder in ihre konventionell verlaufende Geschichte ein. Der eigentliche Inhalt ist schnell zusammengefasst: Der skrupellose Geschäftsmann Owen Davian (Philip Seymour Hoffmann – „Capote“) und Ethan Hunt jagen beide dem „Hasenfuß“ hinterher.
Dramaturgie für Blöde
Eine plump gesetzte falsche Fährte soll diese Jagd um den halben Globus weiter aufbauschen. „Red Herring“ nennt sich ein solches Manöver im Filmjargon, bei dem die Zuschauer durch einen falschen Verdachtsmoment in die Irre geführt werden. Anhand von „M:i:III“ lassen sich damit zwei filmwissenschaftliche Grundbegriffe leicht erklären, einfach nur weil J.J. Abrams mit seiner holzhammermäßigen Verwendung eines „MacGuffin“ und „Red Herring“ kaum mehr fertig bringt als eine Lektion in „Dramaturgie für Blöde“ bzw. „Hitchcock – Von A bis Z“.
Auch die ersten beiden „Mission: Impossible“-Filme sind ja unter ihrer Oberfläche des Popcorn-Kinos Hommagen an Alfred Hitchcock. Beide haben jeweils ihren eigenen „MacGuffin“. Der zweite Teil erinnert außerdem verdächtig an „Notorious“, während Brian De Palma – sowieso der „amerikanische Hitchcock“ – im ersten Teil auch den Meister des Suspense immer wieder zitiert.„M:i:III“ fehlt im Vergleich zu seinen Vorgängern jeglicher doppelter Boden. In manchen Momenten gerät die Handlung zwar an die Weggabelung in Richtung eines überraschenden oder schockierenden Moments, rast dann aber doch auf abgesteckter Route dem vorhersehbaren Ende entgegen.
Wie bei seiner Mystery-Serie „Lost“ hätte Abrams am besten die Story hinter gefinkelter Charakterzeichnung zurücktreten lassen sollen. Aber: Weit und breit lässt sich keine einzige ausgestaltete oder interessante Figur ausmachen. Abrams greift lieber auf eine illustre Schauspieler-Riege zurück, die den Charakteren ohne Eigenschaften zumindest markantes Gesicht und Stimme verleihen. In einer um Tom Cruise zentrierten One-Man-Show müssen sich großartige Darsteller wie Billy Crudup („Stage Beauty“) oder Laurence Fishburne („Assault on Precinct 13“) mit souveränen, aber kurzen Auftritten begnügen. Ving Rhames („Dawn of the Dead“) kann mit witzigen Bemerkungen Sympathien gewinnen, während Philip Seymour Hoffman sich nur durch seine desinteressierte Bösartigkeit von so manchem eindimensionalen Bond-Bösewicht unterscheidet, der genüsslich eine weiße Katze streichelt.
Ohne Ecken, ohne Kanten
Auf einen massentauglichen Nenner kommen – so ließe sich J.J. Abrams Regiearbeit für „M:i:III“ am besten zusammenfassen. Brian De Palma und John Woo drückten ihren Filmen jeweils ihren unverkennbaren, stilistischen Stempel auf. Beide polarisierten: Teil 1 sei zu verworren und Teil 2 nur ästhetische Fassade, ließ sich aus der Mehrzahl der Kritiken herauslesen.
Abrams Annäherung löst jedoch lediglich ein Schulterzucken aus. „M:i:III“ ist sicher für sein Genre kein kompletter Reinfall: Trotz durchschaubarer Story und Pappaufsteller-Charaktere sorgen die Action-Szenen immer noch für genug Spannung und Kurzweil, um die diesjährige Saison des Sommer-Kinos einzuleiten.
„M:i:III“ bleibt aber völlig belanglos und damit – krass ausgedrückt – einfach nur feige. „M:i:III“ fehlen jegliche Ecken und Kanten, wie auch Subtilität in irgendeiner Form. Diese Glattpoliertheit und leicht verdauliche Anspruchslosigkeit mag den Film lange an der Spitze der Kinokassen halten, aber bestimmt nicht im Gedächtnis des Publikums.
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