„Inside Man“ – Neu im Kino
Er sitzt vor einer Steinwand, blickt konzentriert in die Kamera und spricht zum Publikum. Er hat einen Plan ersonnen, der den perfekten Banküberfall zum Inhalt hat und warum? Weil er es kann! Was sich in den nächsten 127 Minuten auf der Leinwand abspielen wird, ist also eine Erzählung, getätigt von einem mysteriösen Mann, der sich seiner Sache – rückblickend – äußerst sicher ist.
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Mein Name ist Dalton Russell
Sein Name ist Dalton Russell (Clive Owen – „Hautnah“). Er befindet sich zum Zeitpunkt seiner Erzählung in einem Raum, der am besten als Zelle zu beschreiben wäre. Doch Vorsicht, alles hier hat einen doppelten Boden. Von den Darbietungen der Darsteller über die Kamera-Perspektiven bis hin zu einigen Charakteristika der Inszenierung – gipfelnd im Drehbuch-Debüt von Russell Gerwitz.
„Inside Man“ ist zuallererst die Reüssierung von Regisseur Spike Lee im Mainstream. Mit Filmen wie „She’s Gotta Have It“, „Malcolm X“ und „25 Stunden“ hat sich Lee einen Platz im modernen Black Cinema gesichert. Sein Schritt, einen glatten Thriller zu inszenieren, erscheint merkwürdig und so sträubt sich denn auch der gesamte Film, sich in das inszenatorische Konzept Lees einzufügen – was schon bei der orchestralen und oft militärischen Musik von Jazz-Komponist Terence Blanchard beginnt. Schon von den ersten Bildern an erblickt der Zuseher eine andere Welt als die, die er auf Basis der Kompositionen Blanchards erwartet. Es ist nicht die einzige, aber wohl auffälligste Unebenheit in der Thriller-Choreografie Lees.
Ein Film voller Masken
Mitten in Manhattan treten Russell und seine Kollegen als Maler verkleidet in eine Bank ein. Das mit sich selbst beschäftigte Personal und die Kundschaft bemerken nichts von den – mit ruhiger Hand vorbereiteten – Vorkehrungen, um nur Sekunden später den Bankraub durchzuführen. Was sich auf den ersten Blick wie ein groß angelegter Raub abzuspielen scheint, wird jedoch bald zu einer aufwändigen Geiselnahme.
Auftritt für die beiden Chef-Verhandler der New Yorker Polizei: Detective Keith Frazier (Spike Lee-Intimus Denzel Washington – „Training Day“) und Detective Bill Mitchell (Chiwetel Ejiofor – „Dirty Pretty Things“). Ihre Arbeit scheint jedoch von Beginn an alles andere als reine Routine zu sein. Was sich im Inneren der Bank abspielt ist ungewiss, und wer Gangster und wer Geisel ist, wissen oft noch nicht einmal die Zuseher. Einfärbige Anzüge, weiße Masken und Sonnenbrillen. Alles versinkt in Konformität, während außerhalb des Gebäudes die Mächtigen der Stadt versuchen, die Geschicke zu lenken.
Viele Fäden, wenig Erklärung
Auftritt Madeleine White (Jodie Foster – „Flight Plan“). Sie kann Probleme lösen, sie hat mit den wichtigsten und reichsten Menschen der Welt zu tun. In dem Moment, als die Bank „Exchange Place“ in der Hanover Street zum Schauplatz einer spektakulären Geiselnahme wird, zählen auch der Bürgermeister und der Bankenvorsitzende Kays (Christopher Plummer – „Syriana“) zu ihnen. Es wird immer unübersichtlicher und dazu trägt vor allem die Regie von Spike Lee bei.
Was ist Gegenwart und was vergangene Erzählung? Während der scheinbare Schauplatz des Verbrechens in kühle Farben gesetzt und als martialisches Spektakel choreografiert wird, schieben sich in irritierender Weise Befragungen ein. Geisel oder Gangster? In fahler Farbgebung lösen sich die Kontraste auf und die Inszenierung wird zum eigentlichen Puzzlespiel, das der Zuseher zu entschlüsseln versucht.
Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?
Wo Spike Lee seine Wurzeln hat, verschweigt er kaum. Etliche Charakteristika seines Inszenierungs-Stils fließen in den Mainstream-Thriller „Inside Man“ ein. Etliche Kamerafahrten und -positionen legen Zeugnis einer Independent-Vergangenheit ab, die aber so gar nicht in das neueste Werk des streitbaren Regisseurs passt.
Dazu noch das Drehbuch von Russell Gerwitz, das einerseits an Klassiker wie den Sydney Lumet-Klassiker „Dog Day Afternoon“ – deutscher Titel: „Hundstage“ – anklingen lassen und darüber hinaus noch Zuseher und Kritiker mit seiner Originalität überrumpeln will. Dabei vergisst er im Endeffekt viele Handlungs-Elemente zu erklären und verheddert sich in seinem eigenen – gegen Ende gar moralinsauren – Konstrukt. Genauso widerstrebend wie sich das Drehbuch zeigt, ist schlussendlich die gesamte Inszenierung von Spike Lee. Szenen voller Präzision und kalter Schönheit wechseln sich mit allzu kalkulierten und unfreiwillig komischen Momenten.
Der auserlesenen Besetzung ist dabei gar kein Vorwurf zu machen. Alle liefern routinierte und handwerklich gute Leistungen ab, während Clive Owen als maskierter Gangster noch den Vorteil – oder auch Nachteil – hat, sich seiner mimischen Künste gar nicht groß bedienen zu müssen. Seine Leistung steht somit symbolisch für den gesamten Film. Clever aber nicht immer überzeugend, humorvoll aber nicht immer unterhaltsam.
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