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Kommentar Anarchie für Anfänger

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... und ein unbekannter Anarchist mit unerschütterlichen Idealen
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„V wie Vendetta“ – Neu im Kino

Guy Fawkes ist Teil der britischen Popkultur. Sein geplantes Attentat auf den englischen König James I. und die Sprengung des Parlaments-Gebäudes am 5. November 1605 schlugen fehl. Des Hochverrats für schuldig befunden, wurde er am 31. Januar 1606 exekutiert. Noch heute erinnert sich die britische Öffentlichkeit an diesen 5. November.

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Das faschistische Universum des Alan Moore
In einem Großbritannien der nahen Zukunft herrscht eine faschistische Regierung, unter dem Vorsitz von Kanzler Adam Sutler (John Hurt – „Skeleton Key“). Es herrschen Ausgehverbot und Zensur. Die Öffentlichkeit wird mit einheitlichen Phrasen in einheitlicher Ruhe gehalten. Doch diese Ruhe ist trügerischer Natur. Einen ersten Vorgeschmack auf kommende Ereignisse soll die mit einer traumatischen Vergangenheit beschlagene Evey Hammond (Natalie Portman – „Hautnah“) erhalten.

Als sie das nächtliche Ausgangsverbot bricht, wird sie von drei Beamten festgehalten und sexuell belästigt. Einzig ein maskierter Fremder eilt ihr zur Hilfe und rettet sie aus den Fängen der Beamten. Der Fremde trägt schwarz, den passenden Hut und eine Guy Fawkes-Maske. Sein Hang zu Alliterationen mit dem Buchstaben V lassen ihn selbst die Identität eines Mannes mit dem Namen V (Hugo Weaving – „Matrix“) annehmen. Diese erste Begegnung ist wohl überlegt und in schöner Synchronität auf den aktionsreichen Höhepunkt hin geplant. Wie sich die beiden Existenzen in diesem Augenblick treffen, ist das ausschlag-gebende Hauptelement des gesamten Sci-Fi-Thrillers „V wie Vendetta“, der auf Basis der Graphic Novel von Comic-Pionier Alan Moore ein pervertiertes Universum der Angst entwirft.

Angst als mächtigste Waffe
V versteht sich als Anarchist, dessen Streben dem Sturz der aktuellen Regierung gilt. Mit gezielten Anschlägen versetzt er die Machthaber in Angst und Schrecken und die Bevölkerung wird hellhörig. Langsam scheinen Vs Aktionen ihre Wirkung zu entfalten, doch noch gibt sich Kanzler Sutler nicht geschlagen und kommandiert zur Klärung der Anschläge und Ergreifung des Terroristen den getreuen Polizisten Finch (Stephen Rea – „Breakfast on Pluto“) ab.

Unterdessen scheinen sich die Schicksale von V und Evey in unterschiedliche Richtungen zu entwickeln. Währenddessen rückt der anvisierte 5. November immer näher und das Regime ist verzweifelt auf der Suche nach dem so genannten Terroristen.

Doppelbödiger Mainstream
Alan Moore fertigte den Comic in den Jahren 1981 bis 1988 als fortlaufende Serie an und publizierte das vollendete „V wie Vendetta“ schließlich in kolorierter Form beim US-Comicverlag „DC Comics“. Die latente Gefahr, die beschworen wurde, war inspiriert von den Regierungen Ronald Reagans in den USA und Margaret Thatchers in Großbritannien. Es mutet wie ein unheimliches Versprechen an, dass die Faszination der Geschichte heute wieder – oder noch immer – anhält und die dunklen Seiten ganz klare Verweise zu realen politischen Verhältnissen zulassen.

Dennoch wollte Moore nichts mit der Verfilmung zu tun haben, womöglich auch verstört durch das Engagement der Wachowski Brüder als Drehbuch-Autoren und ausführende Produzenten. Das Regiezepter übergaben die „Matrix“-Macher ihrem einstigen Assistenten James McTeigue, dessen Debüt nicht spektakulärer ausfallen hätte können. Dabei hält sich McTeigue sehr im Hintergrund, vermeidet gar eine eigene Handschrift, stattdessen wird auf die Kraft der Geschichte vertraut – zu Recht.

Geschichte machen
Dabei hätte es dem kreativen Gespann gut angestanden, einige Elemente zu straffen und den Film flüssiger zu gestalten. So gerät die Anti-Faschismus-Saga definitiv zu lang und vor allem langwierig. Während die düstere und bedrückende Atmosphäre eines bedrohlich „geordneten“ Staates eindringlich vermittelt wird, verliert sich der Film in einem Sammelsurium an verschiedenen Handlungs-Strängen und gipfelt in einem etwas unbeholfen eingebauten „Matrix“-Gemetzel, was McTeigue offenbar als Referenz an seine beiden Chefs einbaute.

Dies mindert nicht die starken Leistungen der Darsteller. Während Hugo Weaving hinter der Maske vor allem seine einschmeichelnde stimmliche Präsenz zu unerwarteten Höhen treiben kann, sind es Stephen Rea und ein süffisant besetzter Stephen Fry – als Entertainer Gordon Deitrich –, die für Akzente sorgen. Dabei ist die Besetzung des Briten Fry ein ganz eigener Coup, schuf er doch 1996 mit dem Roman „Making History“ eine eigene Vision eines faschistischen Parallel-Universums, wenngleich mit viel mehr Humor. Dagegen fallen etwa Hauptakteurin Natalie Portman und der kaum im Blickfeld befindliche Bösewicht John Hurt etwas ab. Sie alle müssen sich allerdings der Energie von Guy Fawkes ergeben - und so bleibt der schönste Aspekt an „V wie Vendetta“ eine Maske.

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Rezension von Patrick Dorner > [ Mail ]

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