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Kommentar Liebe ist ein unerfüllbarer Traum

Brokeback Mountain: [br]Letzter Halt für zwei Männer
Brokeback Mountain:
Letzter Halt für zwei Männer
Die eindrucksvolle Geschichte einer unglücklichen Liebe
Die eindrucksvolle Geschichte einer unglücklichen Liebe

„Brokeback Mountain“ – Neu im Kino

Die preisgekrönte Kurzgeschichte von E. Annie Proulx, geisterte seit Jahren durch die Hollywood-Studios. Es lag an dem gefeierten taiwanesischen Regisseur Ang Lee, der mit Filmen wie „Sinn und Sinnlichkeit“, „Der Eissturm“ und „Crouching Tiger, Hidden Dragon“ internationale Aufmerksamkeit erregen konnte, diese Geschichte adäquat umzusetzen.

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Das Ende des Westerns
Ein junger Cowboy stapft eine staubige Straße entlang, hinein in ein beinahe verlassenes Gebiet. Vor einem Wohnwagen – ebenso staubig wie die weite Prärie, in der er sich befindet – hält er, wartet. Wenige Augenblicke später erscheint ein zweiter junger Cowboy. Die beiden Männer wechseln kein Wort, noch nicht einmal als ihnen der Rancher Joe Aguirre (Randy Quaid – „Elvis“), auf den sie gewartet haben, einen Sommerjob auf dem Brokeback Mountain verschafft.

Im Laufe dieses Sommers werden sich die beiden jungen Cowboys Ennis Del Mar (Heath Ledger – „Casanova“) und Jack Twist (Jake Gyllenhaal – „Jarhead“) auf ungeahnte Weise näher kommen. Es ist der Beginn dieses Melodrams, den Ang Lee regelrecht zelebriert. Wunderschöne Landschaftsbilder wechseln mit den kargen Lebensverhältnissen der beiden Männer am Brokeback.

Das Wesen verborgener Liebe
„Alles was wir haben ist hier, ist Brokeback! Alles ist darauf aufgebaut!“ Der an Verzweiflung grenzende Wutausbruch Jacks im Gespräch mit Ennis, wird etwa zwanzig Jahre nach ihrem ersten gemeinsamen Sommer stattfinden. Die ständige Rückkehr an den Ort ihrer ersten Liebesbegegnung wird von Ang Lee als romantisches Ideal einer unglücklichen Liebe sowie als Trauma zweier Familien definiert.

In der Unmöglichkeit, ihren sexuellen Vorlieben nachzugehen und ihre Leben zu leben, stürzen sich Ennis und Jack – nach Ende des Sommerjobs im Jahr 1963 – in heterosexuelle Beziehungen. Ennis gründet mit seiner Freundin Alma (Michelle Williams – „Land of Plenty“) eine Familie und auch Jack sucht gesellschaftliche Akzeptanz und Sicherheit in der Beziehung zur Rodeo-Reiterin Lureen (Anne Hathaway – „Plötzlich Prinzessin“). Es sollen Jahre vergehen und Kinder geboren werden, ehe sich Ennis und Jack wieder per Briefkontakt einander annähern und ihre Liebe erneut erblühen lassen.

Die Enge der Freiheit
Das Genre „Western“ impliziert Pferde, weite Landschaften, harte Männer und Frauen, die zumeist als hübsches Beiwerk agieren. Viele dieser Komponenten finden sich auch in dem mit drei Oscars ausgezeichneten „Brokeback Mountain“, doch die Bezeichnung „Western“, lässt sich für diesen Film nur in wenigen Teilaspekten verwenden.
Lee hat schon mit „Ride with the Devil“ seinen originären Blick auf das Western-Genre bewiesen. Er nutzt die archaischen Formen, um den Raum selbst – eines der wesentlichsten Elemente des Genres – als Protagonist einzuführen. In ihren Behausungen, gemeinsam mit ihren Familien, sind die Männer ungelenk und wissen sich vor allem auf geistiger Ebene nicht zu befreien. Doch auch in der Natur, sind sie durch die gesellschaftlichen Fesseln begrenzt. Nirgendwo scheinen diese Männer wahre Freiheit erkämpfen zu können.

Zeit und Raum
Um solche inneren Prozesse glaubhaft zu machen, ist vor allem ein Regisseur nötig, der Feingefühl besitzt. Ang Lee lässt die Charaktere allesamt mit ihrer Umwelt, der Natur, korrelieren. Da fällt es dann den Darstellern schon etwas leichter, ihre Rollen zu konstruieren, denn sie wissen um die inszenatorische Unterstützung. Lee seinerseits setzt auf die subtile Arbeit seines Kameramanns Rodrigo Prieto, der schon das Bild so unterschiedlicher Arbeiten wie „25 Stunden“ oder „Alexander“ bearbeitete. In „Brokeback Mountain“ sind es wunderschöne Panoramabilder, die mit intimen Innenaufnahmen zusammen arbeiten. Lee montiert daraus die bereits angesprochene innere Unruhe der beiden Charaktere Ennis und Jack.

Gerade dadurch wirkt das Spiel der beiden Hauptdarsteller noch intensiver. Heath Ledger murmelt sich durch das Geschehen, unfähig, eine Entscheidung zu treffen, während Jake Gyllenhaal seinen Charakter als emotional aufgeladenen und entscheidungsfreudigen Menschen anlegt. Einziges Manko – sowohl der Darstellung als auch der Inszenierung – ist der nicht immer glaubwürdig dargestellte Alterungsprozess der Protagonisten. Während Jack Twist mit einem völlig grotesken Schnauzbart durch die Gegend stapft, scheint Heath Ledger als Ennis Del Mar keinen Tag zu altern. Gerade in einer sich über Jahre erstreckenden Erzählung, sind es solche Details, die den Eindruck der gesamten Bildkomposition trüben können. Zum Glück wird man aber gefangen genommen von der packenden Regie und dem sensiblen Drehbuch. „Brokeback Mountain“ wäre ein würdiger Oscar-Gewinner gewesen.

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Rezension von Patrick Dorner > [ Mail ]

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