„The New World“ – Neu im Kino
Wasser: zunächst erfüllt es das gesamte Bild, seine Ruhe wird gestört durch die Aktionen einer jungen Frau. Regentropfen prasseln auf ein Gewässer und stören ebenso die Ruhe des Elements. Doch erst das Auftauchen dreier britischer Schiffe am Horizont versetzen das Meer in Unruhe und mit ihm die Ureinwohner des amerikanischen Kontinents.
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Entdecke Amerika
Die Werbezeile von Terrence Malicks viertem Film „The New World“ lautet: Entdecke Amerika. Der Poet unter den Filmemachern, der in den siebziger Jahren mit „Badlands“ und „Days of Heaven“ zur Legende wurde und erst 1998 mit dem für acht Oscars nominierten Kriegsfilm „The Thin Red Line“ wieder ans Licht der Film-Öffentlichkeit zurückkehrte, verfilmte mit der Geschichte der Pocahontas eine ihm ans Herz gewachsene Erzählung.
Die darin innewohnende Kraft, seinem Publikum und sich selbst einen unberührten Kontinent zu vermitteln, ist augenscheinlich. Wer die Arbeiten von Malick kennt, weiß denn auch um die poetische Bildsprache und die Natur-Verbundenheit des Filmemachers. Doch mit seinem neuesten Werk wird er sein Publikum womöglich am meisten fordern und auch entzweien.
Die Passion der Pocahontas
Virginia im Jahr 1607. Drei britische Schiffe ankern an der Küste und beginnen die Kolonisation dieser neuen Welt. Unter ihnen ist auch der erfahrene Soldat John Smith (Colin Farrell – „Alexander“). Neugierig, aber auch voller Misstrauen stehen sich schon nach kurzer Zeit die Neuankömmlinge und die Ureinwohner gegenüber. Während die männlichen Krieger auf beiden Seiten sich bereits Sorgen um die Zukunft der eigenen Bevölkerung machen, scheinen der stille Smith und die Stammes-Prinzessin Pocahontas (Q’Orianka Kilcher – „Der Grinch“) magisch voneinander angezogen.
Die Liebe zu dem englischen Abenteurer soll die junge Frau ihr Leben lang nicht loslassen, selbst als die Umstände ein Zusammenleben der beiden unmöglich machen und mit John Rolfe (Christian Bale – „Batman Begins“) ein Nebenbuhler auf der Bühne auftaucht.
Dreißig Jahre Entwicklungszeit
Auch wenn ihr Name im ganzen Film lang nicht genannt wird, so ist klar, dass es sich bei der Geschichte um die der Pocahontas handelt, die auch schon vom Disney-Studio als erfolgreicher Zeichentrickfilm umgesetzt wurde. Terrence Malick hatte sein passendes Drehbuch bereits vor knapp dreißig Jahren vollendet, musste aber aufgrund finanzieller Engpässe warten. Als Perfektionist wollte er sich nicht mit einer durch Budgetprobleme beschnittenen Fassung zufrieden geben.
Was er jetzt schließlich zu produzieren gewillt war, ist eine konsequente Weiterführung seines eingeschlagenen Weges. Über Voice over vermitteln sich die Charaktere, während sie auf der Leinwand beinahe stumm agieren und im Angesicht der unglaublichen Weite der Natur scheinbar vor Ehrfurcht erstarren. Die wunderschönen und ins Gesamtkonzept des Filmemachers passenden Bilder von Kameramann Emmanuel Lubezki („Ali“) zeigen ein wahrlich unberührtes Land und vermitteln einen Eindruck von dem, was Malick als „Entdecke Amerika“ vorschwebte. Die Reinheit des immer wieder ins Bild gerückten Wassers ist der Anhaltspunkt für die gesamte Fortführung der Charaktere. Von ihrem ersten Zusammentreffen an werden sie diese Reinheit zerstören.
Wider die Natur
Wie schon in „The Thin Red Line“ setzt Malick die langsam, aber dafür umso heftiger ausbrechenden Kampfhandlungen als Affront des Menschen gegen die Natur um. Die zu diesem Zeitpunkt bereits verlorenen Charaktere werden durch symbolische Bilder ergründet und dem Zuseher dabei doch nicht näher gebracht. Wo der Kampf endet, gleiten Malick die Fäden seines Filmes aus der Hand.
Die tragische Geschichte von Pocahontas wird mit rasch wechselnden Stationen zu Ende erzählt, während die Konzentration des Regisseurs immer noch auf der Ablichtung der Natur liegt. Die tiefen Wälder, der Weg, den sich die Winde durch das Gras bahnen und natürlich immer wieder das Wasser. So wunderschön der meditative Blick auf diese Welt ist, so sehr lässt diese Erzählung einen Zugang zu den menschlichen Schicksalen vermissen. Der Poesie seiner Bildsprache opfert er die Entwicklung der Charaktere.
Das Besondere an Malick
Vier Spielfilme innerhalb von 33 Jahren, alle geprägt von einer ganz eigenen Sicht auf die Welt. Das Kino des Terrence Malick hebt sich von gängigen Sehkonventionen auf angenehme und wunderschöne Weise ab, doch gerade das lang gehegte und vorbereitete Projekt des romantischen Poeten leidet eben an dieser Sicht auf die Welt.
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