Oskar Roehler adaptiert Michel Houellebecqs Bestseller „Elementarteilchen“ fürs Kino
„Die Menschen haben für das Streben nach rationalem Wissen alles geopfert. Liebe, Hoffnung, Religion“. Das könnte die Zusammenfassung für das Dilemma unserer Haupt-Figuren sein, stellvertretend für eine ganze Generation von Singles.
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Suche nach Wahrheit
Zwar sagt Michael (Christian Ulmen – „Herr Lehmann“), dass er auf der Suche nach der Wahrheit sei und diese wie ein Elementarteilchen sei – nicht weiter zerlegbar – doch nicht die Suche nach der scheinbaren Wahrheit bringt das Glück, sondern das Finden des wahrhaftigen Gefühls. Bis er und sein Bruder Bruno (Moritz Bleibtreu – „Knockin’ On Heaven’s Door“) dieses jedoch finden, brauchen sie noch knapp zwei Stunden bis zum Ende des Films.
Bruno und Michael sind Halbbrüder, die beide von ihrer Hippie-Mama (Nina Hoss – „Wolfsburg“) als Kinder allein gelassen wurden und bei ihren Großmüttern aufwuchsen. Das Trauma ist festgelegt. Michael ist Molekular-Biologe und hat trotz seiner knapp vierzig Jahren noch keinerlei Erfahrungen mit Frauen gemacht. Sein gleichaltriger Bruder Bruno hingegen suhlt sich gerade zu in Sex, hat jedoch Probleme damit, wahre Befriedigung zu erlangen. Eines jedoch haben diese zwei ungleichen Brüder gemein: Beide sind einsam und unglücklich. Und beide befinden sich auf der Suche nach Befriedigung – ob in Form von simplem Sex oder in Form einer verzweifelten Möglichkeit der Fortpflanzung, die Sex nicht mehr nötig macht.
Familie als Hort des Glücks
Obwohl Bruno schon eine Ehe hinter sich hat, denkt er, dass er seine Erfüllung nur in ausschweifenden Sex-Abenteuern erfahren kann. So beginnt für ihn eine Odyssee, an deren Ende er die Liebe – in Form von Christiane (Martina Gedeck – „Bella Martha“) – entdeckt. Mit ihr durchlebt er sexuelle als auch emotionale Höhen. Als sie wegen einer Krankheit im Rollstuhl landet, bekommt Bruno Angst und fürchtet, mit einem kranken Menschen an seiner Seite keinen Spaß mehr haben zu können. Wieder steht der Glaube zu wissen was glücklich macht, über dem wahren Gefühl. Er distanziert sich von Christiane. Jedoch nur solange, bis er – beinahe zu spät – an den Augenblick gelangt, an dem er merkt, dass er ohne sie nicht leben kann. Bei Michael verhält es sich andersrum. Er hat Angst vor menschlicher Nähe und meidet sie solange, bis er seine alte Jugend-Liebe Annabelle (Franka Potente “ – „Lola rennt“) trifft. .
Dickes Buch – toller Film
Roehlers erste Geschichte, die nicht auf Original-Material basiert, sondern eine Adaption ist, könnte ebenso gut von ihm sein. Das Ausloten zwischenmenschlicher Beziehungen zieht sich wie ein roter Faden durch das Oeuvre des Autors. Natürlich ist die Handlung des Films wesentlich geraffter als das Buch, der Regisseur musste aber immerhin einen Mammut-Roman auf zwei Stunden zusammenkürzen. Dennoch hat der Film sehr starke Szenen und durch die Kamera von „Charly“ Koschnik steht stets die Geschichte im Vordergrund und nie das Bild. Ein ebenso gelungener Soundtrack mit komponiertem Score lässt diesen Film zu einem der besseren deutschen Filme dieses Jahres werden.
Die Elementarteilchen in dieser Geschichte sind nicht die Wahrheiten, sondern vielmehr die einzelnen Akteure, die erst im Miteinander Glückseligkeit erlangen - so wie ein Atom aus mehreren Elementarteilchen besteht. Die Macher konnten zu Recht auf den einen oder anderen Preis bei der Berlinale hoffen.
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