„Kaltes Land“ – Neu im Kino
Die amerikanische Stadt Duluth liegt im Bundesstaat Minnesota. Der prominenteste Bürger dieser Stadt hat sich im Laufe seiner Musiker-Karriere das Pseudonym Bob Dylan zugelegt. Der Film „Kaltes Land“ spielt im Norden desselben Bundesstaates und zeichnet das Portrait einer kleinbürgerlichen Gemeinde mit klarer Rollen-Verteilung Ende der achtziger Jahre.
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Auf der Flucht nach Hause
Josey Aimes’(Charlize Theron – „Monster“) Mann kommt nach Hause - ob von der Arbeit oder von einem Lokal, ist unklar. Sie schickt ihre kleine Tochter Karen in den ersten Stock des kleinen Einfamilienhauses. Was folgt ist ein harter Schnitt und die harte Erkenntnis, über das traurige Dasein einer jungen Mutter, die von ihrem Mann brutal geschlagen wird. Die grausam eingespielten Abläufe vermitteln das klare Gefühl einer Routine, die sich täglich wiederholt.
Für Josey bleibt nur noch die Flucht. Mit ihrer Tochter Karen und ihrem Sohn Sammy fährt sie zu ihren Eltern. Doch was sie sich als Rückkehr in den Schoß einer sie willkommen heißenden Familie erwartet, wird zum Spießrutenlauf. Während ihre Mutter Alice (Sissy Spacek – „Ring 2“) nur vorwurfsvolle Blicke für Josey übrig hat, spricht ihr Vater Hank (Richard Jenkins – „Wo die Liebe hinfällt“) aus, was sich offenbar alle denken. Josey wird wohl eine Affäre gehabt haben und hat die Prügel zu Recht erhalten.
Sex als öffentliches Gut
Vorwürfe dieser Art setzen das Thema fest. Regisseurin Niki Caro („Whale Rider“) erzählt ihre Geschichte konsequent aus dem Blickwinkel ihrer Hauptakteurin. Durch die Augen von Josey ist das Leben voller Hindernisse und versteckter Anspielungen auf ihre Vergangenheit. Darunter leiden auch ihre Kinder, vor allem der mitten in der Pubertät steckende Sammy. Als ob die Rückkehr in ihre heimische Kleinstadt nicht genug Ballast wäre, beginnt Josey auch noch in der heimischen Mine zu arbeiten.
Der typische Arbeitsplatz für Männer wird von einer kleinen Gruppe Frauen entdeckt, die sich aufgrund der guten Bezahlung der schweren Arbeit aussetzen. Doch womit die Frauen im Werk nicht gerechnet haben, ist die Vielzahl sexueller Anspielungen und Übergriffe durch die Arbeits-Kollegen. Frauen sind in den Augen der männlichen Firmen-Angehörigen ein Übel und das lassen sie diese im harten industriellen Umfeld auch spüren. Josey lässt die Torturen über sich ergehen, vorerst.
Der lange Schatten des Bob Dylan
Wie sich der weitere Verlauf des Films und die Auflösung darstellen, ist von vornherein klar. Niki Caro begibt sich deshalb auch auf unsichere Gefilde, denn was sie ihrem Publikum präsentiert ist eine vielfach bekannte Geschichte, die in vielen Variationen bereits erzählt wurde. Wenngleich auch der authentische Fall – dessen Klärung vor Gericht sich über zehn Jahre erstreckte – noch nicht Basis eines Filmes war: Der Typus „Gerechtigkeits-Drama“ ist altbekannt und viel erprobt.
So konzentriert sich Caro zunächst darauf, die beiden Handlungsorte wie zwei verschiedene Welten einzuführen. Sowohl die Topografie des Nordens von Minnesota, als auch die Mine werden in Vogelperspektiven erkundet, dem Zuseher näher gebracht. Schon sind wir bei dem zu Beginn erwähnten Bob Dylan. Geradezu aufdringlich wird mit der Musik des populären Sohnes des Staates Minnesota das Lokalkolorit vermittelt. In dieser Tonart fährt Caro fort. Während sie bei ihrem Vorgängerwerk „Whale Rider“ sensibel die Unterdrückung von Frauen in einer männlich dominierten Gesellschaft näher brachte, wird in „Kaltes Land“ beinahe schamlos die Thematik auf die Leinwand gepappt.
Von fehlender Ruhe ...
Caro nimmt sich knapp zwei Stunden Zeit, um ihre vielfältigen Figuren zu persönlichen Erkenntnissen zu führen, was zu großartigen Leistungen eines beeindruckend gut besetzten Ensembles führt. Dabei sind neben Hauptdarstellerin Theron vor allem auch die Nebendarsteller Frances McDormand („Was das Herz begehrt“), Sean Bean („Das Vermächtnis der Tempelritter“), Richard Jenkins und Woody Harrelson („After the Sunset“) zu erwähnen. Was die Regisseurin jedoch verabsäumt, ist eine gewisse Ruhe in Hinblick auf die Entfaltung ihrer Szenen. Männliche Grausamkeiten werden klar und hart dokumentiert, während zwischenmenschliche Handlungen wie lästiges Beiwerk geschnitten sind. In diesen Momenten fehlt die nötige Ruhe, sie haben nur das Ziel „Gerichtsverhandlung“ vor Augen.
Dass ausgerechnet dieser Höhepunkt des Films zum theatralisch überdramatisierten Schmierentheater verkommt, schmälert den Gesamteindruck des Films und wirft ein schlechtes Licht auf eine überaus talentierte Regisseurin, die mit dem zuvor erwähnten „Whale Rider“ bereits ihr Können bewiesen hat. In ihrem aktuellen Werk hängt Wohl und Weh allerdings von den Darstellern ab, die dann auch den positiven Stempel auf das engagierte Sozial-Drama drücken.
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