„Kiss Kiss, Bang Bang“ – Neu im Kino
Er ist das Buddy-Movie Wunderkind Hollywoods. Buddy-Movie, dabei ist von seinen Werken wie die „Lethal Weapon“-Reihe oder das wunderbare Bruce Willis-Vehikel „Last Boy Scout“ die Rede. Mit 44 Jahren hat es Shane Black gewagt und doch noch selbst die Regie für eines seiner Drehbücher übernommen. Ein hintergründiges Spektakel.
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Johnny Knoxville ist ein schlechter Gauner
Um die schwarzhumorige Actionthriller-Groteske „Kiss Kiss, Bang Bang“ in seinem ganzen Umfang begreifen zu können, müssen die Referenzen herangezogen werden und da hat Shane Black nicht nur die besten Stellen aus seinen eigenen Arbeiten genommen, sondern ließ sich auch von Autor Raymond Chandler und Bond-Erfinder Ian Fleming inspirieren. Tatsächlich ist der Titel seines Regiedebüts auch der inoffizielle Titel der James Bond-Romane.
Dabei beginnt alles ganz harmlos. In nostalgischen Brauntönen erzählt er die Geschichte zweier Kinder, die auf einem Jahrmarkt einen Zaubertrick aufführen. Doch nur ein Schnitt und wir befinden uns auf einer Hollywood-Party in Los Angeles, wo Harry Lockhart – gespielt vom unnachahmlichen Robert Downey Jr., der als Ersatz für den zunächst vorgesehenen Johnny Knoxville („Jackass“) einsprang – sich als Erzähler vorstellt. Die Geschichte, die sich über knapp vier Tage erstreckt, bietet einen Einblick in eine Welt der filmischen und literarischen Zitate, sowie der Konstruktion und Dekonstruktion von Fakt und Fiktion.
Vom Ganoven zum Schauspieler
In wunderbar ungeschliffenem Tonfall trägt Harry Anekdoten vor, die zum einen seinen „Werdegang“ beleuchten und zum anderen die Situation, in der er sich gerade befindet. Denn noch vor 24 Stunden war Harry ein kleiner Gauner, der das Weihnachts-Geschenk für seinen Neffen stehlen wollte. Als dies jedoch misslingt und er per Zufall bei einem Casting landet, ergattert er unter skurrilen Umständen die Zusage für eine Hauptrolle in einem großen Hollywood-Film. Jetzt steht er also inmitten einer Party und wartet darauf, Detektiv-Unterricht für seine potentielle Rolle zu erhalten.
Diesen Lehrgang erhält er von Perry Van Shrike (Val Kilmer – „Alexander“), besser bekannt als Gay Perry, natürlich schwul. Doch was nun vielleicht wie ein platter und homophober Scherz aussieht, ist tatsächlich ein wunderbar konstruierter Charakter, der als einziger wirklich den Durchblick durch das verwinkelte Geschehen hat, das nicht von ungefähr an einen billigen Groschenroman erinnert. Und um den Dreier zu beschließen, hätten wir natürlich auch noch eine schöne Frau bei der Hand: Harmony, dargestellt von Michelle Monaghan, demnächst zu sehen in „Mission: Impossible 3“.
Befreiungsschlag für Hollywood
Auch hier weiß Hauptcharakter Harry etwas zu berichten und unterbricht die Erzählung immer wieder auf Grund ausgelassener Details. Die Interaktion mit dem Publikum ist dabei sowohl eine bewusste Brechung des filmischen Bilds als auch Referenz an die Film Noir á la Raymond Chandler, woher auch die in Kapitel gegliederte Darstellungs-Weise des Films rührt.
Shane Black hat in seiner cleveren Inszenierung nur wenige Fehler begangen. Ganz böser Humor, viel Blut, Action und Spannung sind die Ingredienzien einer Auseinandersetzung mit sich selbst. Als Mitbegründer des Buddy-Movies unternimmt Black eine Weiterführung durch ironische Brechung mit immer wieder eingesetzten Formalismen, die selbst bis in den Abspann hinein reichen. Die in Cannes uraufgeführte Action-Komödie weiß aber nicht nur als hervorragendes Regie-Debüt zu funktionieren, sondern vor allem auch als Beweis für die Rückkehr zweier Hollywood-Außenseiter.
Zwei Halunken sind zurück
Bei Robert Downey Jr. denkt die Mehrheit der Kino-Interessierten leider meist nur an dessen Drogen- und Knast-Geschichten, während sein langsamer Weg zurück in die filmische Oberliga im Anrollen ist. Mit der beherzten und wunderbar nuancierten Darstellung in „Kiss Kiss, Bang Bang“ meldet er sich als überaus talentierter Schauspieler zurück ins Gedächtnis der Kino-Besucher.
Doch Downey Jr. wäre wohl nie in diese Hochform gelangt, hätte er nicht einen kongenialen Gegenpart gehabt. Dabei hat Val Kilmer mit Flops wie „Red Planet“ oder „Run for the Money“ konsequent auf seine Frühpension hingearbeitet. Seit seiner ambitionierten Darstellung im hierzulande leider nie aufgeführten „Wonderland“ weiß er sich aber wieder auf respektablen Pfaden und setzt mit seiner Rolle des schwulen aber knallharten Privat-Detektivs Gay Perry ebenso wie sein Kollege einen neuen Höhepunkt in seine Vita.
Ein in vielerlei Hinsicht wunderbarer und hintergründiger Film, der auf mehreren Ebenen funktioniert – nicht nur als böse Action-Komödie.
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