Eine längst vergessene Fernseh-Perle:
„Akte X“ auf dem Wiederholungs-Sender
Als eine gute Freundin von mir letztens ihr VHS-Kassetten-Archiv ausmistet, staune ich nicht schlecht. Zum Vorschein kommen – neben allerlei Kunst- und Spielfilmen und Homevideos aus dem Nahen Osten – 180 Minuten Dokumentationen über unerklärliche Phänomene, Außerirdische und natürlich der angebliche UFO-Absturz über Roosevelt, New Mexico. Zwar ist die Kassette undatiert, doch in meiner Erinnerung dräut sofort eine Zeit herauf, die ich längst überwunden geglaubt hatte.
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Es ist 1994
Es muss gegen 1994 gewesen sein, als die erste Welle des Mystery-Booms von den Vereinigten Staaten nach Europa schwappte. Viele Serien kamen, ein durchschlagender Erfolg war jedoch nur einer einzigen beschieden: „Akte X, die ungeklärten Fälle des FBI“. Ein ungleiches Ermittler-Duo ist am Werk – Fox Mulder, der verschrobene Agent, der in seinem stickigen Kellerbüro keine noch so übersinnliche Theorie verneint und Dana Scully, ursprünglich sein genaues Gegenteil: kalt, analytisch, immer den Gesetzen der Logik folgend.
Kabel1
Nun hat uns das deutsche Kabelfernsehen einen Kanal beschert, an dem – im fernsehpolitischen Sinne – „Ewiggestrige“ ihre helle Freude haben. Und von Zeit zu Zeit ist jeder von uns in diesem Sinne „ewiggestrig“. Groß wurden meine Augen, als ich im Fernsehprogramm „Akte X“ entdeckte. Montagabend, Kabel1, wo sonst?
Der Zauber ist weg
Als 12-Jähriger war ich gebannt von den spannenden Fällen, vom angedeuteten, aber (zumindest in den Jahren vor dem „Akte X“-Kinofilm) nie explizit gezeigten Grauen. Gierig sog ich alles im Dunstkreis der Serie in mich auf – UFO-Dokus, Bücher über rätselhafte Phänomene, ungeklärte Mordfälle und die gute alte Welt-Verschwörung. Heute wirkt die Serie nur noch billig, die Optik ist in den Neunzigern hängen geblieben, die Wendungen vorhersehbar und die Logik der Folgen selbst im Übersinnlichen höchst seltsam.
Unerklärtes Phänomen
In meiner Jugend war das anders. Tief hatte ich mich in die Paranoia gesteigert, beobachtete den Himmel, ob denn nicht irgendwas zu sehen sei. Das Team von „Akte X“ hatte es geschafft, aus jedem Ort einen Ort des Grauens zu machen und selbst am helllichten Tag konnte einem ein kalter Schauer über den Rücken laufen. Mein Wahn gipfelte schließlich darin, dass ich selbst ein UFO sah. Ich weiß noch genau: Donnerstagabend, „Schreinemarkers live“ auf Sat1 (erinnert sich noch jemand an Margarete Schreinemarkers, die gefallene Königin des deutschen Boulevard-Talks?). Draußen eine klare, kalte Nacht. Ich suche in der Küche nach Essbarem. Mutter sitzt im Wohnzimmer und sieht fern. Ich blicke beiläufig aus dem Fenster und sehe es: eine Art ovale Scheibe in einem angenehmen, gelben Licht. Ein Flugzeug war es nicht, da es sich nicht bewegt. Abgesehen davon ist es oval, es wirkt, als ob es in geringer Höhe über den Gärten stehen würde. Oben und unten gelbe Lichter, die nicht blinken, aber heller sind als der „Körper“ des Schiffs. Mich packt die Panik, aber ich lasse mir meine Angst nicht anmerken, sprinte in mein Zimmer und ziehe die Decke über meinen Kopf. Ob dieses Ding wirklich da war, weiß ich nicht. Aber ich weiß seither, dass Fernsehen wirklich blöd macht.
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