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Liev Schreiber ausnahmsweise hinter der Kamera
Liev Schreiber ausnahmsweise hinter der Kamera
Elijah Wood agiert unter Schreibers Regie verschrobener als Orlando Bloom oder Zach Braff – ein sensibles Kleinod
Elijah Wood agiert unter Schreibers Regie verschrobener als Orlando Bloom oder Zach Braff – ein sensibles Kleinod

„Alles ist erleuchtet“ – Neu im Kino

Liev Schreiber ist so etwas wie der Gary Sinise seiner Generation. Von beiden noch nie gehört? Kein Wunder. Beide sind sehr talentierte Schauspieler und hin und wieder auch Regisseure. In dem Debüt-Roman von Jonathan Safran Foer fand Schreiber seine passende Arbeits-Unterlage.

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Erleuchtung garantiert
Denn während Sinise („Forrest Gump“, „Apollo 13“) sich mittlerweile in sein Dasein als Serienheld in „CSI: New York“ geflüchtet hat, versucht Schreiber sich mit seinem Regiedebüt vom Nimbus des einstigen „Scream“-Darstellers und ewigen Nebenrollen-Besetzers („Der Anschlag“, „Der Manchurian Kandidat“) zu befreien. Dabei vollendet Schreiber eine inoffizielle Trilogie, die mit „Garden State“ begonnen und „Elizabethtown“ fortgesetzt wurde.

„Alles ist erleuchtet“, nach dem gefeierten Erstlingswerk von Jonathan Safran Foer, folgt demselben Grundthema der beiden zuvor genannten Filme. Ein junger Mann (Elijah Wood – „Sin City“), das Alter Ego des Romanautors, stößt auf einen weißen Fleck in der Vergangenheit seines Großvaters Safran. Dieser ist während des Zweiten Weltkrieges von der Ukraine in die USA geflohen, doch wer ihm – als Jude dem sicheren Tod entgegenblickend – bei der Flucht geholfen hat, ist unklar. Deshalb nimmt der junge Jonathan die Reise in die Ukraine auf, um die kleine Ortschaft Tachimbrod zu finden.

Blinde Reiseleiter, blindes Vertrauen
Die zweite Hauptfigur ist der eigentliche Erzähler von „Alles ist erleuchtet“. Der Jung-Macho Alex (Gogol Bordello-Sänger Eugene Hutz), soll gemeinsam mit seinem Großvater (Boris Leskin – „Men in Black“) – der sich einbildet er sei blind – und dessen verrückter „Blindenhündin“ Sammy Davis Jr. Jr. den jungen Juden in die tiefste ukrainische Provinz führen.

Natürlich ist diese Begegnung des Amerikaners mit dem fremden osteuropäischen Land eine Steilvorlage für skurrile Gags und wunderschöne Kamerafahrten. Dabei ist schon die Erkundung von Jonathans Zimmer ein äußerst einprägsamer Moment. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund sammelt Jonathan allerlei Krimskrams und hängt diesen, in einer Plastiktüte verschlossen, auf seine Wand. Der Anblick der sich dabei bietet prägt den gesamten Film, der ebenfalls vom Suchen und Finden, einer unbekannten Vergangenheit durchzogen ist. Dabei macht nicht nur der „Sammler“ – wie Foer genannt wird – unerwartete Entdeckungen, auch seine beiden Begleiter werden mit sich selbst konfrontiert.

Junger Mann auf großer Reise
Die Verbindungen sind lose und doch auffällig. Natürlich ist Elijah Wood im schwarzen Anzug und der vollkommen unmodischen Brille kein süßer Frauenheld wie Orlando Bloom in „Elizabethtown“ oder auch Zach Braff in „Garden State“, doch befindet er sich auf derselben Reise wie diese beiden Herren. Sie alle werden durch den Verlust eines wichtigen Familienmitglieds – „Garden State“: Mutter, „Elizabethtown“: Vater, „Alles ist erleuchtet“: Großvater – mit ihren Wurzeln konfrontiert. Während allerdings bei den beiden erstgenannten Werken die Erleuchtung in Form einer unerwarteten Liebes-Beziehung eintritt, die den jeweiligen Hauptcharakter erst auf die Spur zu sich selbst führt, hat Foer seinem Alter Ego im Roman derartige Irrungen der Gefühle nicht zugebilligt.

„Alles ist erleuchtet“ hinterlässt wirklich zu sich selbst gefundene Menschen, die der Allgegenwart der Vergangenheit ihre Einsicht verdanken. Liebschaften haben in diesem Universum kaum etwas verloren. Wichtiger sind das tragische Schicksal einer ganzen Nation und das immer noch gespaltene Verhältnis zur jüdischen Bevölkerung.

Talent und Übermut in Einklang bringen
In diesen Momenten droht Schreiber dann auch zu dick aufzutragen. Unterlegt von lokalkolorierter Musik wird die Ukraine erkundet und durch die Augen eines Fremden betrachtet. Dass dieser Fremde in seinen Träumen die tragische Schwere seiner Reise vorherzuahnen droht, wird mit allzu dramatisch eingesetzter Musik verstärkt. Wenn dann auch noch der Vollmond auf die Szenerie scheint, ist die Poesie ein wenig in den Kitsch abgedriftet.

Glücklicherweise sind solche Momente in dem englisch-russischsprachigen Werk rar. Die Schönheit und das großartige Spiel der Darsteller überwiegen. Somit ist „Alles ist erleuchtet“ nicht nur eine gelungene Roman-Adaption, sondern auch der sensible und intelligente Schlusspunkt in einer filmischen Ahnensuche des Jahres 2005.

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Rezension von Patrick Dorner > [ Mail ]

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