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Kommentar Ode an den Arbeiter

Michael Glawogger reist von Kohlearbeitern ...
Michael Glawogger reist von Kohlearbeitern ...
... über einen Schlachthof in Nigeria bis in eine Stahlfabrik in China – Eine bildgewaltige Reise
... über einen Schlachthof in Nigeria bis in eine Stahlfabrik in China – Eine bildgewaltige Reise

Michael Glawoggers „Workingman’s Death“ – ein bildgewaltiger Triumph

Die Musik von John Zorn erklingt. Der amerikanische Saxophonist und Eigentümer eines eigenen Labels weiß „Workingman’s Death“ seinen Stempel aufzudrücken. Dabei prangt der Name des Regisseurs überlebensgroß auf der Leinwand. Ansonsten bemüht sich Regisseur Glawogger, sich zurückzuhalten.

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Der Arbeiter, der unbesungene Held
Zu Beginn gleitet der Blick in die Vergangenheit, in Zeiten in denen das Proletariat gefeiert und angefeuert wurde. Die Identifikations-Figur hierbei ist der Kohlearbeiter Aleksej Stachanov, der in einer Schicht 102 Tonnen Kohle abbaute. Seine Statue steht noch immer in Donbass, in der heutigen Ukraine. Die Archivbilder aus den Propaganda-Archiven bilden auch den Startschuss für eine filmische Reise, gegliedert in fünf Kapitel.

Das heutige Donbass ist ein Ort, geprägt von Tristesse und Arbeitslosigkeit. Familien schließen sich zusammen und graben illegal in selbst vorbereiteten Gruben um zu überleben. Ihre Träume haben die Menschen hier aufgegeben, denn von der Regierung ist nichts mehr zu erwarten und Arbeit gibt es keine. Da wirkt es umso zynischer, wenn Glawogger eine Hochzeit dokumentiert und ihren Schlusspunkt vor der Statue des großen Aleksej Stachanov ins Bild setzt.

Nebel von Schwefel, Flüsse von Blut
Bei seiner nächsten Station, Indonesien, begibt sich der Regisseur mit seinem Team auf die Spuren von Schwefelarbeitern. Wie selbstverständlich tragen diese ihre einhundert Kilo schweren Körbe den Berg hinunter, die sie zuvor mit am Krater gesammelten und abgearbeiteten Schwefelbrocken beladen haben. Anwesende Touristen stehen wie groteske Zeugen im Bild und feilschen mit den Arbeitern noch um das letzte Geld für ein Souvenir.

In Nigeria sind Touristen nicht zu finden. Inmitten eines Schlachtplatzes für Ziegen und Kühe wird Handwerk betrieben und in Blut gewatet. Wie auf einem apokalyptischen Kriegs-Schauplatz hat die Zivilisation diesen Ort noch nicht erreicht, wie auch einer der Arbeiter freimütig zugibt. Um Kundschaft keifende Händler – Schlächter, Verkäufer und Röster – kämpfen um ihr Überleben und wissen sich in der Gewissheit, später noch ihren Zweitjob begehen zu müssen. Die Intensität der Bilder erreicht hier einen Höhepunkt. Penibel bannt Glawogger die Schlachtungen auf Zelluloid und hält die offenen Kehlen der Tiere in die Kamera. Die Konfrontation mit einer Welt, die dem urbanen Festival-Publikum längst fremd geworden ist.

Leben um zu sterben
Ernüchternd fährt der Zyklus weiter, um in Pakistan das „Sterben“ eines großen Frachters zu beobachten. Arbeiter verbringen dreihundert Tage im Jahr mit der gefährlichen Arbeit, große Lastkähne auseinander zu schweißen. Die Dämpfe und Gemische könnten jeden Moment zu einer tragischen Katastrophe führen, ganz zu schweigen von den Metallteilen, die einen Menschen erschlagen könnten. Doch die Arbeiter haben sich mit ihrem Schicksal abgefunden und erwarten nur noch den Tod, quasi als Erlösung ihres Daseins.

Die letzte Station markiert China, hier ist der Wandel von Handarbeit zum maschinellen Betrieb am deutlichsten zu erkennen und dient Glawogger auch als eine Art Mahnmal, das er mit einer abschließenden Station in Duisburg weiter untermauert.

Was ist Politik?
Rezensionen, die den gesamten Inhalt vorweg nehmen, sind selten beliebt. Zu Recht. Doch keine Sorge, die beschriebenen Handlungs-Details sind nur der Versuch, auf die Intensität und Bildgewalt dieser bemerkenswerten Dokumentation hinzuweisen. Michael Glawogger setzt dabei ganz auf seinen ihm eigenen Stil, der schon in „Megacities“ zu beeindruckenden Bildern führte. In seinem aktuellen Werk verdankt er der Musik von John Zorn seine bislang besten Sequenzen. Nach dem eher lauwarmen Spielfilm „Nacktschnecken“ weiß sich der Grazer auf bekanntem Terrain und greift immer wieder auf seinen Ausgangspunkt Aleksej Stachanov zurück.

Wie in Miniaturen lässt er seine Forschungs-Objekte in derselben pathetischen und zugleich stolzen Art posieren und liefert damit erstaunliche Portraits der arbeitenden Klasse. Was dennoch ein wenig fehlt, ist die Konsequenz, seine ausformulierte politische Frage weiter zu vertiefen und so bleibt Glawogger ein wenig an der Oberfläche hängen, begnügt sich mit den Gesprächen der Arbeiter und lässt seine eigene Analyse ausgespart. Ähnlich „Occupation: Dreamland“ überlässt er dem Publikum die endgültige Auflösung seiner aufgeworfenen Fragen und stützt sich auf sein eindrucksvolles Bildmaterial.

Links dazu ...

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Rezension von Patrick Dorner > [ Mail ]

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