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Kommentar Zur Vermählung einen Leichenschmaus

Ein hübsches Paar ...
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... wenn da nicht die unerwartete Nebenbuhlerin wäre
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„Tim Burton’s Corpse Bride – Hochzeit mit einer Leiche“ – Neu im Kino

Ein Londoner Filmset, Tim Burton drehte mit seinem Lieblings-Schauspieler Johnny Depp und seiner Lebens-Gefährtin Helena Bonham Carter „Charlie und die Schokoladenfabrik“. Der Gedanke war wohl: Wenn wir schon mal dabei sind …

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Ein Nebenprodukt von hoher Qualität
Da wären wir also, bei der Geschichte rund um Victor (Johnny Depp), der als Sohn einer erfolgreichen Familie mit eigenem Betrieb die Tochter einer armen Adelsfamilie ehelichen soll. Zunächst können sich weder Victor noch Victoria (Emily Watson – „Roter Drache“) mit dem Gedanken an eine Zwangsehe anfreunden. Doch bei der ersten Begegnung wird klar: Sie sind füreinander geschaffen. Der liebevoll tollpatschige, aber musisch begabte Victor und die wunderschöne wie auch gefühlvolle Victoria verlieben sich auf den ersten Blick.

Die Etikette muss allerdings gewahrt bleiben. Adelsfamilie Everglot benötigt die Hochzeit, um den eigenen Haushalt zu sanieren und die Gewerbetreibenden wollen in höhere Kreise gelangen. Unter den Argusaugen des gestrengen Paters Galswells – eine herrliche stimmliche Darbietung von Christopher Lee – wollen die Hochzeits-Proben aber nicht wirklich klappen.

Unverhofft kommt oft
Da stehen wir nun also, mitten im Wald, dunkel und unheimlich anmutend. Doch Victor hat sich aus gutem Grund hierhin zurückgezogen. Der Text seiner Hochzeits-Rede muss problemlos sitzen und so übt er, bis schließlich der Ring am Finger eines Skeletts hängt und dieses sich aus den Tiefen der Erde erhebt. Willkommen im übernatürlichen Teil des Geschehens. Die „Leichenbraut“ (Helena Bonham Carter – „Fight Club“) wähnt sich vermählt und von einem Fluch befreit.

Soviel zur Geschichte, denn von den knapp achtzig Minuten soll ja nicht zuviel vorweggenommen werden. Dabei ist das Geschehen schon sehr schnell vorauszusehen und zielt auf jüngeres Publikum, doch auch die „älteren“ unter den Zusehern kommen auf ihre Kosten – im visuellen Sinn.

Handwerk als Alternative
Wie schon 1993 in „Nightmare before Christmas“, bietet „Corpse Bride“ die Möglichkeit, handwerklich hervorragend umgesetzte Stop Motion-Animation zu begutachten. Dass der Film eine viktorianische Atmosphäre zelebriert wird nicht zuletzt in den Namen des potentiellen Ehepaars festgemacht. In düsteren aber immer gruselig-romantischen Settings, wirkt selbst ein Aufmarsch von Maden oder abgehackten Köpfen irgendwie schrullig und witzig, wenngleich kleine Kinder bei solchen Szenen weniger Freude an der Inszenierung empfinden werden.

Gemeinsam mit dem vor kurzem gestarteten Plastilin-Abenteuer „Wallace und Gromit auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen“, zeigen zwei in jahrelanger Arbeit entstandene Werke, welche Möglichkeiten im traditionellen Animations-Handwerk stecken. Abseits der immer weiter voranschreitenden, am PC animierten Werke – zu denen sich mit Ende dieses Jahres auch Disney mit einem eigenen Studio gesellen wird – ist der Erfolg vor allem auch auf ein Bedürfnis nach alternativen Erzählformen zurückzuführen.

Weniger Charme, mehr Kommerz
Dabei haben die beiden Regisseure Tim Burton und Mike Johnson das Erbe ihres 1993-Hits „Nightmare before Christmas“ weiter entwickelt und setzen auf eine verträglichere Geschichte mit prominenteren Stimmen und Figuren. Hier also auch ein Zugeständnis an die gängige Praxis, das eigene Werk mit Prominenz aufzupeppen.

Durch den Einsatz weniger hintergründiger Lieder und die etwas weich gezeichneten Charaktere gehen sowohl Charme als auch Schärfe des über zehn Jahre alten Vorgängers ein wenig verloren.


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Rezension von Patrick Dorner > [ Mail ]

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