„Mr. and Mrs. Smith“ – Neu im Kino
Auf einer Skala von eins bis zehn, wie würden sie Ihre Ehe einschätzen? Mrs. Smith, Jane Smith, antwortet mit einer präzisen und nicht weiter zu hinterfragenden Acht. Ein perfekter Wert, ein Gut. Nicht durchschnittlich aber auch nicht zu euphorisch, einfach nur gut.
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John und Jane – dargestellt von Brad Pitt und Angelina Jolie – hatten schon lustigere Zeiten in ihrer Ehe. Vor fünf oder sechs Jahren, so richtig genau können sich die beiden beim Ehe-Berater nicht wirklich festlegen, lernten sie sich im Sturm kolumbianischer Unruhen kennen und lieben. Jetzt haben sie voneinander offenbar genug, in ihrem behaglichen Zuhause ist alles so steril wie es der Gefühlswelt der beiden Ehe-Partner entspricht. Es scheint bereits alles gesagt worden zu sein und im wohlig warmen Schoss des typischen Vorort-Amerikas sind die beiden in einer emotionalen Sackgasse gelandet.
Jeder hat seine Geheimnisse
Wie oft hatten Sie in der letzten Woche Sex? Da müssen beide lange nachdenken, die Leidenschaft scheint tatsächlich dahin zu sein. Diesen Sturm der Emotionen heben sie sich offenbar für andere Dinge auf, wofür ist keinem klar. Der Partner wirkt immer öfter wie ein unnahbares Wesen, dem mit Konversation nicht mehr näher zu kommen ist.
Dabei gäbe es genügend zu besprechen. Schließlich haben sowohl John Smith als auch Jane Smith einen äußerst interessanten Weg gefunden um ihren Lebens-Unterhalt zu verdienen. Wie es schon Jude Law in „Road to Perdition“ formulierte: Bezahlt werden für das, was man liebt zu tun. Ist das nicht der Traum?
John und Jane sind Profi-Killer und sie sind gut in ihrer Arbeit, das einzige Problem ist allerdings die Tatsache, nichts vom wahren Leben des anderen zu wissen. So leben sie weiterhin als selbstständige Unternehmer aneinander vorbei. Bis zu einem schicksalhaften Nachmittag im „Desert Valley“, und dann geht der Spaß erst richtig los.
Ken, der kleine Junge
Wenn das, für den Zuseher ohnehin offen liegende, Geheimnis – vielen lieben Dank an die Werbeabteilung von „20th Century Fox“ – gelüftet wird, entblättern sich auch die beiden vollkommen unterschiedlichen Arbeits-Methoden von Mr. und Mrs. Smith. John ist gebunden an einen schmuddeligen Arbeitsplatz und einen albern wirkenden Assistenten – Eddie (Vince Vaughn – „Voll auf die Nüsse“) – der noch zu Hause bei Mama wohnt und dessen einziger konstruktiver Beitrag aus lächerlichen Ehe-Ratschlägen zu bestehen scheint.
John ist in der Konzeption von Drehbuch-Autor Simon Kinberg, der mittlerweile einen Vertrag mit Top-Produzent Jerry Bruckheimer hat, und Regisseur Doug Liman („Die Bourne Identität“) ein kleiner Junge, der es liebt mit großen Sachen zu spielen. Ein in der Kindheit stecken gebliebener, unfertiger Mann. Er ist „Ken“, genauso gebaut und von ebensolcher sexueller Ineffektivität wie die Puppe, ganz im Sinne eines jugendfreien Action-Krachers.
Frauen sind die besseren Killer
Angelina Jolie hingegen bietet als Jane Smith das Portrait einer ausgereiften Kampf-Amazone. Eine Killer-Maschine, die bis in die Haarspitzen durchorganisiert ist und für den Erfolg ihrer Mission nichts dem Zufall überlässt. Dafür umgibt sie sich auch mit dem teuersten Equipment, einem kompetenten, weiblichen Beraterstab und natürlich einer gehörigen Portion Selbstdisziplin. Unter solchen Umständen erfüllen sich solche Aufträge eigentlich im Vorbeigehen.
In diesem Werk ist Barbie die reife Frau, die Ken zeigt wo es lang geht, auch wenn der Macho immer noch zu wissen meint wer „Daddy“ ist.
Blockbuster leicht gemacht
Regisseur Doug Liman versteht es, aus einem nicht gerade hochgradig ambitionierten Drehbuch eine wunderbare Action-Komödie zu formen. Spannung und Humor halten sich im erotischen und doch jugendfreien Geschehen die Waage und wenn am Ende doch der pyrotechnische Zauber die Überhand zu gewinnen scheint, dann ist es immer noch die Spielfreude der beiden Hauptdarsteller, die diesen Sommerfilm auf sicheren Bahnen zu seinem Ende hin lotst.
Es ist die Konterkarikierung von Ehealltag und Profikiller-Dasein, das das wahre Potential von „Mr. und Mrs. Smith“ offen legt. Ein gut aufgelegter Action-Film, der vollkommen dreist die Logik beiseite legt und bewusst mit den vorgefertigten Formeln der Charaktere und Handlung spielt, um den Zuschauer schlicht und ergreifend gut zu unterhalten.
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