„Broken Flowers“ – Neu im Kino
Es ist schon witzig in welche Richtungen einen das Leben verschlägt. Wie sich Möglichkeiten, Wege und Chancen ergeben, Türen sich geöffnet haben. Auch wieder zugefallen sind, teils abrupt, teils langsam, oft gewollt. Oder sich die Dinge einfach nur im Sand verlaufen haben. Eines Tages ist dann der Zeitpunkt gekommen, sein Leben zu rekapitulieren. In diesem Film ist der Anlass dafür eine unvermutete Vaterschaft.
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Eine Nachricht auf rosa Papier
Don Johnston (Bill Murray – „Und täglich grüßt das Murmeltier“, „Lost in Translation“) sitzt teilnahmslos auf der Couch. Zu sagen, er wäre am Ende ist etwas übertrieben. Aber der überzeugte Junggeselle steht an. Seine Freundin ist an der Haustür, sie ist im Begriff ihn zu verlassen. Sein Versuch, sie aufzuhalten ist nicht überzeugend. Zurück auf der Couch der nächste Ärger. Ein rosa Brief flattert ins Haus und bringt die frohe Kunde, dass er Vater geworden ist. Sein Sohn ist allerdings schon neunzehn und die Verfasserin des Schreibens ist unbekannt. Na toll.
Wer ist die Mutter?
Angestachelt von seinem Nachbarn, dem Hobbydetektiv Winston (Jeffrey Wright – „The Manchurian Candidate“) macht sich Don auf die Suche nach der vermeintlichen Mutter. Vier Frauen kommen dafür in Frage. Und so begibt er sich in vier verschiedene Städte, immer mit rosa Blumen und äthiopischer Musik von Winston im CD-Player des Mietwagens. Es folgen vier Episoden mit den vier ungleichen Frauen und schlussendlich die Begegnung mit einem jungen Mann.
Bill „Motherfucking” Murray
So bezeichnete ihn GZA vom Wu-Tang Clan in „Coffee and Cigarettes“. Es war die erste Zusammenarbeit von Jarmusch und Murray. Beim zweiten Zusammentreffen ließ Jarmusch nichts anbrennen. So ist die Rolle des Don „Juan“ Johnston perfekt auf Bill Murray zugeschnitten, sein Charakter füllt den ganzen Film aus. Unterstützt von den vier unterschiedlichen Frauen, hervorzuheben hier Sharon Stone und Jessica Lange, sucht Murray höchst unterhaltsam nach Anhaltspunkten, die seine ehemaligen Affären zur Mutter seines Sohnes machen.
Willkommen in Jim’s Welt
Schon die erste Einstellung, eine langsame, ewig lange Kamerafahrt durch die Suburbs, weckt den Zauber. Der Zuseher fühlt sich sofort zuhause, lehnt sich zurück auf Jim’s Couch. Es ist als ob er neben dir sitzt und eine Geschichte erzählt, dazwischen immer die typischen langsamen Auf- und Abblenden. Jarmusch gibt den Szenen und den darin handelnden Personen die Luft zum Ein- und Ausatmen. Der Schnitt auf die nächste Einstellung erfolgt drei Sekunden später als branchenüblich. Dadurch entsteht eine Nachhaltigkeit, die auch notwendig ist. Denn Jarmusch spielt mit dem Publikum, legt Fährten und Spuren denen der Zuseher folgen soll.
So ist die Suche Don’s auch gleichzeitig eine Suche des Publikums. Man schwenkt mit Don mit in die unterschiedlichen Begegnungen nur, um am Ende wieder mit leeren Händen dazustehen. Und erkennt, dass es nicht um die Bewältigung der eigenen Vergangenheit oder das Planen der Zukunft mit einem neuen Sohn geht. Sondern um das Hier und Jetzt.
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