„Madagascar" – Neu im Kino
Am Anfang steht eine Traumsequenz, ein Ausblick in eine Welt, wie sie harmonischer nicht sein könnte. Saftige grüne Wiesen, Schatten spendende Wälder, liebliche Dschungel-Tiere und Klippen, die ohne Probleme übersprungen werden. Von dieser Welt träumt das Zebra Marty.
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Allerdings sieht die Wirklichkeit anders aus. Marty (Chris Rock – „Dogma“) bewegt sich auf einem Laufband im New Yorker Zoo dahin und schmiedet Pläne für einen Ausflug in die „Wildnis“. Was immer darunter auch zu verstehen ist. Vielleicht ja San Diego?
Wie die Made im Speck …
Mit seinen Tagträumen ist das Zebra Marty jedoch ganz allein. Seine besten Freunde – die hypochondrische Giraffe Melman (David Schwimmer – „Friends“), das resolute Nilpferd Gloria (Jada Pinkett Smith – „Matrix Revolutions“) und der von sich selbst sichtlich begeisterte Löwe Alex (Ben Stiller – „Die Royal Tenenbaums“) – fühlen sich im Zoogehege äußerst wohl und denken gar nicht daran auszubrechen, vor allem da Marty seinen zehnten Geburtstag hat und dieser gefeiert werden will. Einzig eine Gruppe größenwahnsinniger Pinguine – in der deutschen Fassung von den Fantastischen Vier gesprochen – hat erkannt, weshalb sie sich im Zoo nicht wirklich heimisch fühlen. Die Sehnsucht nach der wahren Heimat beflügelt die Pinguine zu waghalsigen Ausbruchs-Plänen, deren Ausführung jedoch als mangelhaft bezeichnet werden darf.
Willkommen in der Dance-Hölle
Zuviel von der Handlung zu verraten ist eigentlich tabu, doch wie der Titel schon erahnen lässt, werden die vier Gefährten und die an gleicher Zahl vorhandenen psychotischen Pinguine auf einer Insel vor der südost-afrikanischen Küste stranden. Genannt „Madagascar“. Die Insel ist bevölkert von Lemuren, darunter auch einer, der genauso spricht wie Sacha Baron Cohen – ja ja, Ali G. persönlich. Denen fällt den lieben langen Tag auch nichts Besseres ein, als zu den Klängen einer längst vergessenen Hymne, des so genannten „Euro-Dance“ zu tanzen und zu feiern. Den Takt gibt dabei die kurzlebige Band Reel 2 Real mit „I like to move it“ vor. Bei dieser Songwahl stellt sich die Frage, wer genau damit angesprochen werden soll.
Das eigentliche Zielpublikum, Kinder bis acht Jahre, ist noch zu jung um einen nostalgischen Wert aus dem Lied zu ziehen und die potentiellen Eltern, die mit in den Film gehen müssen, waren damals wohl schon zu alt. Bleiben etliche Mitzwanziger, die – wenn sie nicht selbst eine Familie im kinofähigen Alter gegründet haben – irgendwann auf Video oder DVD mit dieser eigentümlichen Party-Szene beglückt werden.
Wer trauert denn um den Stummfilm?
Wir schreiben das Jahr 2004 und die Produktions-Firma Disney, die jahrzehntelang den Markt des weihnachtlichen Zeichentrick-Films beherrschte, beendete mit „Die Kühe sind los“ die traditionelle Produktions-Weise und ging über zur Computer-Animation. Dies von einem markigen „Wer trauert denn um den Stummfilm?“ begleitet. Marktpolitischer Zynismus hin oder her, die Film-Landschaft hat sich in den letzten Jahren tatsächlich grundlegend verändert und das DreamWorks-Produkt „Madagascar“ ist der beste Beweis dafür. Während Disney mit seiner neu ins Leben gerufenen Animations-Abteilung an einem Premieren-Werk arbeitet und Pixar sich von seinem eben diesem Studio emanzipiert, sucht DreamWorks einen Erfolgsweg abseits von „Shrek“.
Schreck lass nach
Die optische Rückbesinnung auf Disney-Klassiker der Dreißiger und Vierziger Jahre entbehrt dabei nicht einer gewissen Ironie, wovon der kindliche Kinogänger allerdings nichts hat. Die Schar kleiner Menschen wird mit großen Augen dem kunterbunten Treiben auf der Leinwand zusehen und sich auch nicht groß am beinahe achtzig Minuten langen Leerlauf stören.
Der Mangel an scharfzüngigen und wenig neuen Gags lässt sich dennoch verschmerzen, schließlich hat DreamWorks mit „Madagascar“ eindeutig vom Familien-Animationsfilm eine Auszeit genommen und dem sarkastischen Humor weiter zum hausinternen Kollegen Shrek verwiesen. So gesehen wurde das Ziel erreicht, selbst wenn sich Eltern und andere potentielle Begleiter ein wenig langweilen werden. Die Kinder sind in diesem wirklich kindischen Film bestens versorgt.
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