„Die Höhle des gelben Hundes“ – Neu im Kino
Als die aus der Mongolei stammende Filmemacherin Byambasuren Davaa im Rahmen ihres Studiums an der Film-Hochschule München einen dokumentarischen Film mit dem Titel „Die Geschichte vom weinenden Kamel“ vorlegte, glaubte niemand an einen Erfolg. Spätestens die Oscar-Nominierung widerlegte alle Zweifel.
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Rückkehr zu erfolgreichen Formeln
Die Regisseurin durfte mehrere Leben genießen, zum einen das in der Hauptstadt der Mongolei, Ulan-Bator, in welcher sie unter anderem Jura studierte und den Grundstein für ihre filmische Karriere legte. Der Sommer diente ihr zur Rückkehr zu ihrem ursprünglichen Leben, mit ihrer Großmutter verbrachte sie die Zeit in der Landschaft der Mongolei. Die Erzählung einer uralten mythischen Geschichte, rund um eine Tochter und einen gelben Hund. Diese Fabel bildet den Rahmen für das neue Werk der Regisseurin Davaa.
Stadt, Land, Fluss
Im Prolog wird ein Hund begraben, von Vater und Tochter. Der Schwanz wird ihm abgeschnitten und an den Kopf gelegt. Die Tochter versteht diese Tradition nicht, doch für den Vater ist es die Wiederholung eines uralten Rituals. Womöglich wird der Hund nicht als Hund sondern als Mensch mit einem Zopf wiedergeboren. Das Rad der Ewigkeit dreht sich weiter.
Somit taucht Davaa den Zuseher in die dokumentarische Komponente ihres Films. Das kleine Mädchen Nansal kehrt für die Schulferien aus der Stadt zurück zu ihrer Nomaden-Familie. Das harte aber ursprüngliche Leben ist geprägt von der Symbiose mit der Natur. Wenn Wölfe zwei Schafe reißen, ist dies ein Problem, das die Familie in Griff bekommen muss.
Der harte Alltag in der Mongolei
Die wirtschaftliche Problematik tritt dabei immer wieder in den Vordergrund, denn die Familie hat schon bessere Zeiten gesehen und ein Leben in der Stadt ist ebenso wenig möglich wie ein ständiges Weiterziehen.
Dabei werden die Kinder immer in die täglichen Arbeiten eingebunden und vor allem Nansal, die älteste Tochter, darf schon mit der Herde ausreiten, wenn der Vater in der Stadt ist. Da Kinder nun mal Kinder sind, kann es dabei aber auch zu ungewollten Zwischenfällen kommen. Denn Nansal verirrt sich und findet kurzfristig Unterschlupf bei einer alten Frau, die dem kleinen Mädchen schließlich die Fabel von der Höhle des gelben Hundes erzählt. Fiktion und Dokumentation vermischen sich bei Davaa, nicht erst an diesem Punkt.
Hunde sind nicht gern gesehen
Schon an früheren Stellen bleibt oft unklar, welcher Teil noch der Dokumentation verhaftet ist und welchem fiktiver Charakter zugesprochen werden kann. Davaa, die sich keinem Genre verbunden wissen will, tappt somit in die Falle jeden Dokumentar-Filmers und Erinnerungen an legendäre Künstler dieses Genres werden wach.
Byambasuren Davaa und ihr kreatives Team von der Filmhochschule München glauben, diesem Umstand mit der Vermengung von Inszenierung und Dokumentation zu entkommen, doch in Wirklichkeit tappen sie in die eigene Falle, scheinbar ohne es zu bemerken.
Ein bunter Hund
Die Geschichte rund um den in der Wildnis aufgelesenen Hund Zochor („Bunter“) hätte eigentlich genügt, um die Schwierigkeiten einer mongolischen Nomaden-Familie zu illustrieren. Die Differenz zwischen Tradition und Moderne, aufgezeigt an einer giftgrünen Schöpfkelle aus Plastik, Parlaments-Wahlen, die von umherfahrenden Wahlkämpfern erwähnt werden und mittendrin die Familie Batchuluun. Mit der künstlich herbeigeführten Vermengung verliert das filmische Experiment der Filmhochschul-Absolventin an Reiz.
Überspitzte Inszenierung
Der Einblick in das Leben und die Arbeits-Prozesse hätten an und für sich genügt um die Dokumentation auszufüllen, doch mit dem mythischen Beiwerk inszeniert sich rund herum ein unnötig wirkender Rahmen, der nicht mehr bleibt als lose.
Wie jeder Spielfilm benötigt am Ende auch „Das Höhle des gelben Hundes“ einen Abschluss und verheddert sich so in plötzlich einsetzender Dynamik und dramatischer Musik, die in einen klebrig süßen und vollkommen aufgesetzt wirkenden Abschluss münden, der wieder vom Dilemma der Dokumentation wegführt und die Unentschlossenheit der Filmemacherin Davaa aufzeigt. Ihr Doku-Drama mag sich in keine genaue Kategorie einreihen lassen, der inszenierte Teil zeigt jedoch kompromisslos die Schwächen ihres Konzeptes.
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