„Die Eisprinzessin“ – Neu im Kino
Ein Film von Disney muss immer eine gewisse Erwartungs-Haltung erfüllen. Entweder handelt es sich um einen niedlichen Animations-Film mit Oscar-Potential oder um ein jugendliches Märchen mit altbekannten Geschichten und zwanghaft eindimensionalen Charakteren. „Die Eisprinzessin“ macht da keine Ausnahme.
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Alles beginnt mit einer glatten Eisfläche, auf der sich während des Vorspanns Kurven abzeichnen. Eine Eiskunstläuferin zeichnet Figuren auf einem kleinen zugefrorenen Teich vor dem elterlichen Haus. Die Mutter sieht stolz ihrer Tochter zu und durchbricht die Fantasie eines wunderschönen Moments mit dem Mathematik-Buch.
Märchen haben Regeln
Von Anfang an ist die Rollen-Verteilung klar. Die Möchtegern-Eiskunstläuferin Casey (Michelle Trachtenberg – „Buffy“) ist das Aschenputtel und wird von ihrer bösen Mutter (Joan Cusack – „Arlington Road“) zur Karriere gedrängt. Ihre Fähigkeiten in Sachen Physik und ein in Aussicht befindliches Stipendium spornen den mütterlichen Ehrgeiz nur noch mehr an. Doch um an das Stipendium zu gelangen, müssen persönliche Beziehungen zum Gegenstand Physik nachgewiesen werden. Ein leichtes für Casey, die einfach daran geht per Computer und Videokamera die Sprünge ihrer Eiskunstlauf-Idole zu analysieren und in Formeln zu zwängen.
Moderne Märchen haben noch ein paar Regeln
Irgendwann trifft Casey dann auf die Trainerin Tina (Kim Catrall – „Sex and the City“), die einst selbst bei Olympia startete und zunächst mit Misstrauen auf die unscheinbare Schülerin blickt. Während ihre eigene Tochter Gen (Hayden Panettiere – „Ally McBeal“) um die Aufmerksamkeit ihrer Mutter kämpft, erkennt diese in der zuvor noch ungern gesehenen Casey großes Talent.
Mittendrin, zwischen dem Kampf zwischen Trainerin Tina und Caseys Mutter um das Wohl ihrer Zukunft, taucht natürlich auch noch ein netter, süßer Junge namens Teddy (Trevor Blumas) auf, der hinter die Fassade von Casey blickt und keinerlei Interesse an hübschen oberflächlichen Mädchen hat. Ganz im Gegensatz zum Rest der Schule.
Unkraut vergeht nicht
Der Name Tim Fywell ist bislang höchstens Konsumenten amerikanischen Fernsehens aufgefallen. Dort geisterte er Jahrelang ohne großes Aufsehen herum. Wohl deshalb wurde er von Disney mit der Regie dieses jugendlichen Sport-Märchens anvertraut. Wirklich anstrengen musste sich Drehbuch-Autorin Hadley Davis bei der Entwicklung dieser Geschichte wirklich nicht. Als ehemalige Autorin bei „Dawson’s Creek“ konnte sie wohl auch auf archiviertes Material zurückgreifen, denn ein junges Mädchen mit einem Traum der gegen die Prinzipien der Eltern – in diesem Fall eine allein erziehende Karrierefrau – verstößt, ist wie vom Reißbrett gezogen.
Alle Zutaten für einen typischen Disney-Film sind somit vorhanden. Denn wenn es etwas gibt, mit dem der familien-freundliche Konzern am Filmsektor immer noch Geld zu machen weiß, dann mit Jugend-Märchen. Entweder handelt sich dabei um liebe Geschichten und liebe Happy-Ends rund um liebe Menschen, die sich alle ganz ganz lieb haben oder um einen Haufen kindlicher Versager, die erst durch einen sich aufs Gute besinnenden Menschen zum Erfolg finden – wie bei „Mighty Ducks“.
An der Oberfläche ist es schön
Im Grunde würde die Thematik viel hergeben. Ein Mädchen muss sich zum Erfolg zwingen und hat neben dem Training kein Leben. Was nur in kleinen Augenblicken angedeutet wird, hätte sich eine nähere Auseinandersetzung verdient. Doch in einem Disney-Märchen für die ganze Familie ist das Glück am Ende allen hold, wie es dazu kam spielt dabei keine Rolle. Es würde den Charakteren wohl auch zu viel Tiefe geben und von den Darstellerinnen ein wenig Arbeit verlangen. So steht eine talentierte Frau wie Joan Allen in der Gegend herum und spricht ihre Sätze gegen die Kamera, während sich das restliche „Ensemble“ routiniert unmotiviert den Gehaltsscheck erspielt.
Zu Beginn wurde eine Eisfläche von Kurven zerschnitten, es deutete plakativ eine Tiefe an, die diesem Film im geringsten Ausmaß gut getan hätte. So bleibt die Hoffnung auf eine baldige Fernseh-Wiederholung der „Mighty Ducks“. So gehört anspruchsloser Familienfilm gemacht.
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