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Kommentar Stadt des gelben Blutes

Der Prolog des eindrucksvollen Werkes legt die stilistischen Regeln fest ...
Der Prolog des eindrucksvollen Werkes legt die stilistischen Regeln fest ...
... und beeindruckt zumindest auf visueller Ebene über die gesamte Laufzeit
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„Sin City“ – Neu im Kino

Wer sich nicht mit Comics beschäftigt, dem wird dieser Name nichts sagen – Frank Miller. Dabei ist er verantwortlich für einige der spannendsten Arbeiten dieser Kunst-Richtung. Er ließ Batman wieder auferstehen und begründete mit den sieben Bänden „Sin City“ den Film Noir-Comic.

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Eben dieser Frank Miller hatte mit Hollywood bislang nicht die besten Erfahrungen gemacht. Filme wie „RoboCop“ oder „Elektra“ waren nicht mehr als billige und schnelle Aneinanderreihungen gehaltloser Action-Sequenzen. Als der mexikanische Regisseur Robert Rodriguez („From Dusk till Dawn“) ihn jedoch mit seiner geplanten Adaption der „Sin City“-Reihe konfrontierte, war dieser von der geplanten Umsetzung begeistert und stieg als Produzent und Co-Regisseur ein.

Ohne Grenzen, ohne Moral
Was Miller überzeugte? Rodriguez’ Plan, den graphischen Stil der Comic-Bücher ohne Abstriche in die filmische Variante zu übertragen, so konnte er denn auch eine Unmenge an bekannten und halbwegs bekannten Hollywood-Stars anheuern, die nicht eine Sekunde lang zögerten und die ihnen zugedachten Rollen übernahmen.

So beginnt der Film mit eben jener Sequenz, die Rodriguez lange vor dem offiziellen Produktions-Start drehte – um Miller und Konsorten von seinem Vorhaben zu überzeugen. Poster-Boy Josh Hartnett taucht dabei in einer in schwarz-weiß getauchten Landschaft auf, um einer atemberaubenden Frau im stechend roten Kleid gegenüber zu stehen. Scharfe Kontraste, rücksichtslose Gewalt und ein Film, der in den ersten Minuten wie ein Comic-Buch wirkt. Der geplante Effekt funktioniert und die Reise nach Sin City kann beginnen.

Bruce Willis stirbt langsam
Es ist eine Zusammenstellung aus drei Büchern und genauso episodisch wie die Vorlagen ist auch der Film. Bruce Willis ist dabei in der ersten und abschließenden Episode – basierend auf „That Yellow Bastard“ – als der am Herzen erkrankte Polizist John Hartigan zu sehen. Sein Einsatz gegen einen perversen Pädophilien (Nick Stahl – „Terminator 3“) endet in Strömen von Blut. Daraufhin beschreitet das Regie-Duo seine zweite Episode.

Als Marv (Mickey Rourke – „Spun“) nach einer heißen Nacht mit der Prostituierten Goldie (Jaime King – „Blow“), neben ihrem toten Körper aufwacht, wird er von der Polizei und Goldies „Arbeits-Kolleginnen“ gejagt. Goldies Mörder scheint eine viel psychotischere Figur als Marv zu sein.

Die Waffenruhe ist nicht mehr
Am Ende folgt der Zuseher dem Weg von Dwight (Clive Owen – „Closer“), der seine Freundin vor dem Gewalttätigen Jackie Boy (Benicio Del Toro – „21 Grams“) schützen möchte. Was auf dem Band „The Big Fat Kill“ basiert, entwickelt sich zu einem tragischen Konflikt, in dem selbst so ungewöhnliche Darstellerinnen wie Alexis Bledel („Gilmore Girls“), Devon Aoki („2 Fast 2 Furious“) oder Rosario Dawson („25 Stunden“) als militante Prostituierte auftreten dürfen und Quentin Tarantino während einer Autofahrt als Gast-Regisseur eingesetzt wurde.

Nicht jeder Macho brilliert
Es sind die Männer, die für Glanzpunkte sorgen und die oft bewusst gegen den Strich besetzt wurden. Doch während Clive Owen etwas deplatziert wirkt, kann ausgerechnet Frodo Elijah Wood überzeugen.

Die beiden eindringlichsten Figuren auf der Leinwand sind dann doch zwei alte Hasen, deren Karrieren in den Achtziger Jahren in Schwung kamen. Bruce Willis darf melancholisch und hart zugleich sein, während Mickey Rourke eine derart wunderbare Präsenz entwickelt und dabei auch noch von der hervorragend Arbeit der Make-Up-Abteilung profitiert.

Übertrieben männlich, mit Konzept
Es wird schnell klar: „Sin City“ ist nicht nur vom Film Noir inspiriert sondern dessen moderne Weiterführung, eine Antwort auf glatt gebügeltes Entertainment und ein Werk, das bewusst männliche Stereotypen überhöht und auch mittels übertriebener Off-Monologe den Macho im Mann und in der Frau anzusprechen versucht.

So ist auch die Gewalt entsprechend kompromisslos in Szene gesetzt. Da werden Köpfe abgehackt und Menschen gegessen und gelbes Blut fließt in Strömen in der schwarz-weißen Welt von Frank Miller und Robert Rodriguez. Keine Frage, visuell ist „Sin City“ ein überwältigendes Werk und die bis dato wohl ehrlichste Verfilmung eines Comics, vor allem auch da er die eindimensionalen Geschichten in aller Ehrlichkeit als geraffte Episoden präsentiert.

Technik versus Gewalt
Darin liegt allerdings auch der kritische Zwiespalt. Der technische Effekt verblüfft bis zum Ende und doch verpufft er mit Fortdauer durch die Orgie an Gewalt, die an mancher Stelle zu sehr ins Geschehen gerückt wurde. Nichts desto trotz ist „Sin City“ eine rücksichtslos werkgetreue Adaption von Frank Millers Comic, die beweist, wie abgründig der Meister sein kann und wie flach seine Charaktere mitunter auf der Leinwand wirken.

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 Externer Link Sin City
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