„Melinda und Melinda“ – Neu im Kino
Er ist ein von der Qualität seiner Filme nicht zu überzeugender Mann, dessen Eltern ihn am liebsten als Apotheker gesehen hätten. Woody Allen selbst wäre lieber Jazzmusiker geworden, in seiner Funktion als kreative Gottheit der Filmszene ist es ihm dennoch möglich, sich künstlerisch auszudrücken.
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Von der komischen Seite des Tragischen
Vier Freunde sitzen in einem Café und diskutieren über die beste künstlerische Herangehensweise an das Leben. Hat Kunst die Aufgabe die tragischen Komponenten auszuloten oder seinem Publikum die komödiantischen Seiten schmackhaft zu machen? Was folgt ist allerdings kein philosophischer und zutiefst wissenschaftlicher Exkurs, sondern eine auf Zelluloid festgehaltene Bestandsaufnahme eines Regisseurs im steten inneren Zwiespalt. Dargestellt wird dies durch zwei Regisseure, einer Komödiant und einer Tragiker, sowie zwei Freunde und so beginnt die Geschichte von Melinda.
Melinda (Radha Mitchell – „Wenn Träume fliegen lernen“) taucht überraschend in der Wohnung ihrer Freundin Laurel (Chloë Sevigny – „Dogville“) auf, die gerade ein wichtiges Abendessen abhält. Tragisches Unglück oder ungemein komischer Fauxpas?
Melinda mal traurig, mal lustig
So entfaltet sich rund um die traurige Melinda auf der einen Seite die tragische Geschichte und auf der anderen Seite die komische. Regisseur und Drehbuchautor Allen versucht dabei die Grenzen zu ziehen, wobei dies nicht immer gelingt. Wie dem auch sei – so ist es ein tragisches Unglück, wenn Melinda bei Laurel auftaucht und die ohnehin zerrüttete Beziehung ihrer einstigen Schulfreundin zu ihrem Ehemann Lee (Johnny Lee Miller – „Trainspotting“) weiter gefährdet. Als sei dies nicht genug, entwickelt sich auch langsam eine zarte Beziehung zum Pianisten Ellis (Chiwetel Ejofor – „Kleine schmutzige Tricks“). Da wir uns aber hier im tragischen Erzählstrang befinden, wird auch hier nicht alles positiv enden.
Auf der anderen Seite platzt Melinda nicht in die Wohnung ihrer Freundin Laurel, sondern in die ihrer neuen Nachbarn, Hobie (Will Ferrell – „Starsky und Hutch“) und Susan (Amanda Peet – „Was das Herz begehrt“). Der Beginn einiger komischer und teilweise auch schmerzhafter Verwirrungen des Herzens.
Woody Allen jongliert mit den Erwartungen
Es ist leicht zu erraten: Die komische Geschichte wird natürlich nicht in Depressionen oder Mord und Todschlag enden. Dafür sorgen allein schon die darstellerischen Gustostückerln des ehemaligen „Saturday Night Live“-Komikers Will Ferrell als auch das gekonnt geschriebene Drehbuch der lebenden Legende Woody Allen. Der Oscar-Preisträger setzt seine Geschichte routiniert um und führt seine Ausführungen über Tragik und Komik in eine märchenhafte Atmosphäre. Was als Diskurs beginnt, findet sich zusehends in der Umgebung eines erwachsenen Märchens, dafür sorgt nicht nur das Requisit Wunderlampe.
So wurde in der New York Times ausführlich über die Unmöglichkeit der Wohn-Gegebenheiten der Charaktere diskutiert. Tatsächlich ist es nichts Neues, wenn die gehobene Gesellschaft abgebildet wird und doch aus lauter Gescheiterten besteht, die sich diesen Lebens-Standard nicht im Geringsten erlauben können. So war es und so wird es wohl auch immer sein.
Der wütende Allen weicht dem ruhenden Pol
Auch wenn das Geschehen hin und wieder eine klare Trennung der aufgeworfenen Gattungen vermissen lässt, so ist es doch ein sympathischer Exkurs über die Möglichkeiten, sein Leben zu gestalten. Unterlegt von den typischen Jazz-Standards, die bis jetzt noch jeden Film des New Yorkers ausgemacht haben, übersieht der Zuseher so manche Schwachstellen des Drehbuchs. Auch wenn der Zynismus eines „Harry außer sich“ schon lange nicht mehr zum Repertoire von Allen zu gehören scheint, ist er nun doch ein eleganter Direktor seiner ihm eigenen Spielwiese.
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