„Schläfer“ – Neu im Kino
Gerade noch in Cannes, schon startet das Politdrama „Schläfer“ in den heimischen Kinos. Der deutsche Filmemacher Benjamin Heisenberg hat sich dabei der Infiltration des privaten Lebens gewidmet und dem Einzug des Terrorismus in die heimischen Wände, oder wie hier, am Arbeitsplatz.
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Der Verfassungs-Schutz ist überall
Denn so beginnt die ganze Geschichte, mit dem Arbeits-Antritt des jungen Johannes Merverldt (Bastian Trost – „Baader“) an der Technischen Universität von München. Eigentlich möchte er sich nur auf seine Professur und seine biotechnologischen Forschungen konzentrieren, wäre da nicht Frau Wasser (Gundi Ellert – „Monaco Franze“). Diese arbeitet für den Verfassungs-Schutz und bittet den unbedarften Johannes um Mithilfe. Die auszuspionierende Person soll sein Kollege Farid (Mehdi Nebbou – „Manson’s Dream“) sein und genau deshalb sträubt sich Johannes zu Beginn.
Vertrauen verlieren, Vertrauen gewinnen
Schließlich willigt er dann doch ein, trotz netten Empfangs an seinem neuen Arbeitsplatz und der freundlichen Aufnahme durch den verdächtigen Farid. Zwischen den beiden Wissenschaftern entwickelt sich eine zwiespältige Freundschaft, die immer wieder von Verdachts-Momenten durchzogen wird, während Johannes versucht, diese Zweifel zu entkräften. Als dann auch noch die Kellnerin Beate (Loretta Pflaum – „Die Viertelliterklasse“) in das Leben der beiden Männer tritt, beginnt sich der schmale Grat von Vertrauen und Verrat von der politischen auch auf die persönliche Ebene auszuweiten.
Nachdenkliche Gefühls-Analyse
Regisseur und Autor Benjamin hat einen interessanten Lebensweg hinter sich, er ist studierter Bildhauer, Mitbegründer der Zeitschrift „Revolver“, Filmemacher und zählt ganze 31 Jahre. Der gebürtige Deutsche zählt somit zur jungen und aufstrebenden Garde des deutschen Films und respektive auch des österreichischen. Denn genau wie bei Kollege Hans Weingartner liegen zwar die kreativen Wurzeln in Deutschland, doch ein Teil der finanziellen und logistischen Unterstützung kam aus Österreich.
In diesem Fall von der coop 99, geführt von so illustren Namen wie Barbara Albert oder Jessica Hausner. Inwiefern es jetzt also legitim ist, diesen Film als deutsch-österreichische Produktion anzusehen, obliegt der subjektiven Definition des Wortes Produktion. Bezogen auf den Geldfluss ist „Schläfer“ sicher ein solches Werk und auch formal finden sich etliche Verweise zu anderen österreichischen Werken.
In der Ruhe liegt die Kraft
Heisenberg entwickelt die Geschichte rund um politische und religiöse Faktoren im privaten Leben mittels spärlicher Dialoge und setzt die teils betretenen Blicke seiner Protagonisten ins Bild. Plansequenzen von kurzer Dauer erhöhen den ästhetischen Mehrgehalt des Werks und sollen über manch allzu langsam verstreichende Minuten hinwegtrösten, denn da liegt die große Schwäche dieses Politdramas.
Es konzentriert sich so sehr auf die private Ebene, sodass die Hintergründe der einzelnen Charaktere kaum ausgeleuchtet werden. Der in jeder Szene im Bild stehende Bastian Trost porträtiert die Hauptfigur Johannes Merveldt als introvertiertes Geschöpf mit wenig Antriebs-Kraft. Es wirkt beinahe wie kühle Methode, den Zuseher ebenfalls nur indirekt über diverse Fetzen der Vergangenheit oder des Privat-Lebens der anderen Personen zu informieren, so wie Merveldt seine Informationen offenbar nur vom Verfassungs-Schutz bezieht und selbst an der Oberfläche hängen bleibt.
Ein Film ohne Dialog
Weshalb und warum Farid überhaupt ins schiefe Licht gerückt wird bleibt ebenso unklar wie die Motive der Frau in der Mitte – Beate. Es ist zum Gutteil konsequente Aussparung eines tiefer gehenden Innenlebens, das es zu beleuchten gäbe. Die Frage ist, ob ein Regisseur – der allein durch den suggerierenden Titel auf eine aktuelle politische Auseinandersetzung hinweist – diese dann so konsequent ausblenden darf. Wie Terror und Freundschaft in filmischen Einklang gebracht werden können, hat Spike Lee mit „25 Stunden“ eindrucksvoll bewiesen, doch Heisenberg scheitert auf beachtlichem Niveau, trotz aller Nachdenklichkeit.
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